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Letzte Tour der Wanderfreunde Emmerich

Freizeit : Die letzte Tour der Wanderfreunde

Im Jahr 1972 wurde die Gruppe vom damaligen Emmericher Bürgermeister Franz Wolters gegründet, acht Jahre später übernahm Alfons Theising die Leitung. Doch nach 48 Jahren ist Schluss, der Altersdurchschnitt zu hoch.

Am Sonntag Ende Oktober fand die letzte Wanderung statt. Mit viel Wehmut blickt Schuhmachermeister Alfons Thesing auf die schöne Zeit, die er mit seiner Wandergruppe erlebt hat, zurück. „Wenn die Beine nicht mehr so wollen wie der Kopf will, dann geht das eben nicht weiter“, so der rüstige 90-Jährige, der noch jeden Tag auf dem Fahrrad unterwegs ist und die Mittagspause im Schuhgeschäft mit Tochter Eli und den Hunden zum Spaziergang im Borgheeser Wald nutzt. Aber längere Strecken wandern – das geht leider nicht mehr.

48 Jahre bestand die muntere Wandergruppe. „Die ‚Wanderfreunde‘ wurden am 1. Mai 1971 vom damaligen Bürgermeister Franz Wolters gegründet, der sehr gerne wanderte“, erzählt Thesing. „Der hatte immer eine flotte Sohle.“ Bei der Premiere – Wolters hatte über die Presse und persönlich dazu eingeladen – waren über 250 Teilnehmer dabei. Peter Ecke, Dagobert Blößen und Heinz Krause gehörten ebenso wie Thesing zu den „Wanderern der ersten Stunde“, die den Bürgermeister bei der Organisation unterstützten. „Wir trafen uns am Fuße des Eltenberges, liefen durch Montferland zum Hulzenberg und zurück, rund zwölf Kilometer“, erinnert sich der Emmericher Schuster an die erste Tour.

 Ab 1980 leitete Theising (rechts) die Wandergruppe.
Ab 1980 leitete Theising (rechts) die Wandergruppe. Foto: privat
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Danach fand einmal im Monat eine Wanderung statt. „Wir waren eine offene Gruppe, jeder konnte mitmachen“, so Thesing. Nach drei Monaten hatten sich die „Wanderfreunde“ auf einen Stamm von rund 25 Mitgliedern reduziert. Gewandert wurde am Niederrhein, durch den Reichswald, den Voltaire- und den Moritz-von-Nassau-Weg, den Pilgerweg vom Fingerhutshof nach Kalkar und durch die Wisseler Dünen. „Zum 25-jährigen Jubiläum sagte Franz Wolters, wir seien über 3000 Kilometer gelaufen, eine Strecke von Emmerich nach Jerusalem.“ Als der Bürgermeister dann immer weniger Zeit hatte, habe er ihn gefragt, ob er die Gruppe übernehmen wolle. „Ab August 1980 war ich dann der Leithammel“, schmunzelt Alfons Thesing.

 Aufnahme einer Wanderung aus dem Juli 1983.
Aufnahme einer Wanderung aus dem Juli 1983. Foto: privat

Innerhalb der Gruppe bildete sich dann ein sogenannter „harter Kern“, der einmal im Jahr – immer von Christi Himmelfahrt bis zum anschließenden Sonntag – eine viertägige Wandertour durchführte - bis etwa zum Jahr 2000. Gerne erinnert sich der wandernde Senior an diese Zeit: „Wir waren im Teuteburger- und im Thüringer Wald, am Rennsteig, drei Mal am Biggesee, im Westerwald und Pfälzerwald und in der Eifel am Laacher See. In Gerolstein haben wir eine Rucksackwanderung gemacht mit dem ganzen Gepäck auf dem Rücken. Das war anstrengender als am flachen Niederrhein zu wandern. Aber wir wollten es ja so!“ Abends kehrte die Gruppe dann natürlich ein und ließ es sich bei Essen und Trinken gut gehen. Auch die Wanderung in vier Etappen von Wittlich nach Trier oder auf dem Lieser-Weg von Boxberg nach Wittlich sind in bester Erinnerung. „Der Lieser-Weg entlang des Flüsschens Lieser ist für mich der schönste der Welt“, sagt der Emmericher, der noch jeden Tag in der Schusterwerkstatt steht. „Das ist heute mein Hobby“, sagt er.

 Alfons Thesing (rechts) mit Wanderfreunden.
Alfons Thesing (rechts) mit Wanderfreunden. Foto: privat

Bis jetzt fanden regelmäßig einmal im Monat die „Touren auf Schusters Rappen“ der Emmericher Wanderfreunde statt. Aber alle sind älter geworden und nicht mehr so gut zu Fuß, die jüngsten der Gruppe auch schon Mitte 70. So beschloss man, mit einem Spaziergang um die Eltener St.-Vitus-Kirche und einer Einkehr in das dortige Pfannkuchenhaus die Episode „Wanderfreunde“ zu beenden. Doch so ganz verlieren sich die Wanderfreunde nicht aus den Augen. Einmal im Monat wollen sie sich zum Frühstück bei Schlemmerich an der Rheinpromenade treffen. „Und dann in Erinnerungen an die schöne Wanderzeit schwelgen“, sagt Alfons Thesing.