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Letzte Ausstellung: Galerie Büsen in Rees soll 2020 verkauft werden

Galerie Büsen in Rees : „Finissage“ in der Jungblutstraße

Nach dem tragischen Tod von Christina Büsen soll das Haus, in dem sich die Galerie in der Altstadt befindet, verkauft werden. Ein Trio aus Rees und Bocholt bestreitet momentan die voraussichtlich letzte Ausstellung dort.

Die aktuelle Ausstellung in der Galerie Christina Büsen wird voraussichtlich die letzte ihrer Art sein: Am 30. November holen Ingeborg Bachmann, Michael Hoffmann und Michael Sting ihre Kunstwerke aus dem renovierten Haus in der Jungblutstraße 4 ab, danach wird die Immobilie zum Kauf angeboten. Die Reeser Künstlerszene hofft indes, dass ein neuer Eigentümer die Galerie weiterbetreibt, geht aber letztlich davon aus, dass die Rheinstadt einen weiteren Ausstellungsort verlieren wird.

Die „November-Ausstellung“ ist Christina Büsen gewidmet. Die Galeristin war im Januar 2019 im Alter von 71 Jahren an den Folgen eines tragischen Sturzes gestorben, nur wenige Monate nach der Eröffnung ihrer Galerie. Büsens Lebensgefährte Klaus Puchmüller stellte daraufhin die Räumlichkeiten regionalen Künstlern für weitere Ausstellungen zur Verfügung. Doch ab Januar kommenden Jahres soll die Immobilie, die einst die Diskothek „Imagine“, ein Museum für Bodenfunde und dann für viele Jahre die Praxis einer Heilpraktikerin beherbergte, vermarktet werden.

Durch den Reeser Künstlerstammtisch, den Christine Meininghaus monatlich in den Rheinterrassen Collins organisiert, erfuhren Michael Sting und Michael Hoffmann von der Möglichkeit, ein letztes Mal in der Galerie auszustellen. Metin Yildirim informierte die Bocholter Künstlerin Ingeborg Bachmann, die das Trio komplettierte.

Ingeborg Bachmann, Jahrgang 1943, malt mit Vorliebe weibliche Gesichter und Körper, mal als Akt, mal verhüllt. Ihre Techniken sind Aquarell, Pastell und Acryl, gern nutzt sie auch das von Max Ernst entwickelte Verfahren der Décalcomanie („Klecksographie“). Ingeborg Bachmann, die einst Französisch und Geschichte am Mariengymnasium in Bocholt unterrichtete, stellt erstmals in Rees aus, blickt aber auf Ausstellungen in Wesel, Bocholt und anderen Städten zurück.

Michael Sting, Jahrgang 1959, stellt im Außenbereich der Galerie seine bekannten Landschaftsminiaturen mit echten kleinen Bäumen auf Lavastein aus. Der Reeser ist seit 2005 auf vielen namhaften Garten- und Kunstausstellungen in Deutschland und den Nachbarländern vertreten.

Michael Hoffmann, Jahrgang 1943, ist in Rees nicht nur als ehemaliger Stadtplaner bekannt. Der Diplom-Ingenieur und Architekt malt seit seiner Kindheit in Ostpreußen und Nordhessen. In Rees stellt er Collagen mit städtischen Motiven, aber auch Bilder und illustrierte Tagebücher von seinen Reisen nach Kambodscha, Laos oder in den Jemen aus. Eine aktuelle Reihe ist dem Thema Strandgut gewidmet, wozu er durch ein Buch von Siegfried Lenz und dessen Frau, der Graphikerin Ingeborg Lenz, inspiriert wurde.

Alle Künstler würden es begrüßen, auch über 2019 hinaus in der Galerie Christina Büsen ausstellen zu können, und hoffen auf einen kunstinteressierten Käufer des Hauses. „Die Künstlerszene in Rees ist sehr breit gefächert, von namhaften Leuten bis Hobbykünstlern“, sagt Michael Sting, „aber die Ausstellungsmöglichkeiten für lokale Künstler sind in Rees, verglichen mit anderen Städten, recht armselig.“ In Wesel könne die Künstlergemeinschaft günstige Ateliers in der Zitadelle anmieten, wohingegen in Rees die alte Grundschule oder das alte Krankenhaus seit Jahren leerstehen. „Diese Räume eignen sich wegen ihrer Höhe ideal als Atelier“, sagt Michael Hoffmann.

„Wir haben schon oft angefragt, diese Räume nutzen zu dürfen, aber die Stadt scheint das völlig abwegig zu finden“, kritisiert Michael Sting und stellt klar: „Wir sind hier nicht in Berlin oder Hamburg, wo man damit rechnen muss, dass die Gebäude besetzt werden und die Leute sich weigern, wieder auszuziehen. Wenn die Grundschule verkauft oder abgerissen wird, wären wir sofort wieder raus.“

(Michael Scholten )