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Emmerich: Leinen los für die "Helena"

Emmerich : Leinen los für die "Helena"

Bis Donnerstag gibt es die Chance auf einen Turn mit dem ältesten niederländischen Binnensegler. Seit 2003 steht das restaurierte Schiff wieder unter Segeln und hat nun in Emmerich angelegt – offen zur Besichtigung.

Bis Donnerstag gibt es die Chance auf einen Turn mit dem ältesten niederländischen Binnensegler. Seit 2003 steht das restaurierte Schiff wieder unter Segeln und hat nun in Emmerich angelegt — offen zur Besichtigung.

Die Füße an Bord der "Helena" zu setzen bedeutet, eine kleine Zeitreise anzutreten. Die Planken knirschen unter den Sohlen, die Segel flattern im Wind. "Unsere Helena ist der älteste, niederländische Binnensegler mit Rheinpatent", erklärt Kapitän Sebastian Bohme und verweist auf die typische Bauform der bauchigen "Stevenaak".

1875 lief das Schiff auf der Werft Jonker in Kinderdijk vom Stapel und transportierte unermüdlich Kohle und Backsteine. Im Schiffsbauch, wo heute eine Bar zum Verweilen einlädt und Koch Jan Krol seine Leckerbissen zaubert, sah es früher anders aus. "Die Schiffer beluden jeden freien Winkel mit Fracht, für Familie und Crew blieb nur wenig Platz", erzählt Schiffsmaat Clicia Lima. Heute ist nahezu jede Ecke des Schiffes frei zugänglich, von der Kajüte bis zum Achterdeck.

In alter Pracht

Besonders faszinierend: die handwerkliche Präzision, mit der das Schiff gebaut wurde. Alle Eisenteile sind handgefertigt und präzise genietet, das ursprüngliche Segelwerk erstrahlt heute wieder in alter Pracht.

Die "Helena" wurde speziell für die Rheinschifffahrt konzipiert. Doch zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung hatten die Rheinschiffer bereits große Hindernisse zu überwinden: Bei jeder Eisenbahnbrücke musste der Mast mühevoll umgeklappt werden, und mit dem kleineren Besan- und Focksegel kämpften die Schiffer gegen die Strömung.

Bis 1911 segelte man nach dieser Methode, bis die "Helena" verkauft, umgebaut und als Frachtschiff "Antonius Maria" vor Schubschiffen eingesetzt wurde. Schließlich sank das Schiff, wurde aber geborgen und fristete als Frachtschiff "Argus" bis 1979 im Rotterdamer Hafen sein Dasein. Heute ist es in der Hand der Stiftung "Het Rotterdamse Zeilschip".

Als sich gestern viele Interessenten am Schiffsanleger im Schatten der Martini-Kirche eingefunden haben, werfen sich Sebastian Bohme und seine Crew ordentlich in die Riemen. "Es ist nicht wichtig, wohin wir fahren, sondern wie wir fahren", sagt Bohme.

Die Windbedingungen sind hervorragend, die "Helena" schneidet zügig die Wellen. Segeln ist echte Handarbeit: Jang Sook Kuypers und Bernd van Bekkers bändigen die Takelage, und die Gäste dürfen tatkräftig selbst mit anfassen.

Es lohnt sich auch ein Besuch unter Deck: Die urige Schifferkajüte und der zur Gaststube umfunktionierte Frachtraum versprühen den Charme längst vergangener Tage.

Hinweis Die "Helena" legt noch heute und morgen jeweils um 17 Uhr zu einer Rundfahrt ab.

(jbr)