Leiharbeit: Emmerich bekommt Hilfe gegen Kriminelle

Experten nehmen Emmerich ins Visier : Leiharbeit: Hilfe gegen kriminelle Firmen

Bürgermeister Hinze infomierte „EURIEC“. Firmen, die Rumänen und Polen in Emmerich wohnen und in den Niederlanden arbeiten lassen, geraten ins Visier einer internationalen Spezialbehörde.

Die Emmericher Stadtverwaltung geht weiter gegen Leiharbeit vor. Und dazu nimmt sie jetzt auch die Hilfe von Experten in Anspruch. Denn Emmerich  rückt in den Fokus von Behörden, die gegen kriminelle Machenschaften bei Leiharbeit vorgehen.

Vertreter des Euregionalen Informations- und Expertisezentrums (EURIEC) trafen sich jetzt im Emmericher Rathaus mit Bürgermeister Peter Hinze. Das Behördennetzwerk ist  zur Kriminalitätsbekämpfung im deutsch-niederländischen Grenzraum gegründet worden.

Hinze hatte dessen Vertreter ins Rathaus eingeladen und macht damit sein Versprechen wahr, sich gegen die Firmen zu wenden, die mitverantwortlich dafür sind, dass Nachbarschaften und die Innenstadt in Emmerich leiden.

Mit am Tisch saßen die Leiterin des Ordnungsamtes, Karin Schlitt, Vertreter der Euregio Rhein-Waal sowie Volker Beem, Leiter des Kriminalkommissariats Emmerich.

 „Die Vermutung liegt nahe, dass bei der Leiharbeit in einzelnen Fällen kriminelle Energie im Spiel ist. Dabei macht man sich die Grenzsituation zunutze. Dass in dem einen Land gewohnt und im anderen gearbeitet wird, erschwert uns und anderen  Behörden die Ermittlungsarbeit“, so Hinze.

Zunächst schilderte Schlitt die Situation der Leiharbeiter in Emmerich und was die Stadt bereits unternommen habe. „Für Ermittlungen zum Beispiel im Bereich von grenzüberschreitendem Steuerbetrug, Menschenhandel oder Lohndumping fehlen uns aber die Kompetenzen. Und auch nationale Behörden stoßen da immer wieder an Grenzen.“

 EURIEC  sagte der Stadt Unterstützung zu und will Hinweise der Stadt Emmerich  an niederländische Ermittlungsbehörden weitergeben.

Der Besuch der Behörde kommt nicht überraschend. Zwar ist in den vergangenen Wochen die Zahl der Beschwerden über Leiharbeiter in Emmerich zurückgegangen. Aber vor einigen Wochen wurde auch deutlich, dass längst nicht alle Unternehmen ein Interesse daran haben, mit der Stadtverwaltung zu kooperien. Nur drei Unternehmen waren einer Einladung von Hinze gefolgt, um sich den Klagen von Anwohnern zu stellen. Insgesamt sind in Emmerich elf Uitzendbureaus aktiv.

In Emmerich wurden zum 1. November 2019  353 Personen erfasst, die in den Unterkünften der niederländischen Uitzendbureaus (Leiharbeiterunternehmen) wohnten. Die Dunkelziffer liegt weit höher. Die Rede ist von 800. Die überwiegende Anzahl besitzt  die rumänische Staatsangehörigkeit. „Wir beobachten, dass polnische Landsleute zunehmend die Unterkünfte der Uitzendbureaus verlassen und eigene Wohnungen anmieten, wobei sie weiterhin bei den Uitzendbureaus beschäftigt sind“, so Schlitt damals. Die Stadt Emmerich geht nicht davon aus, dass sich die Situation in Zukunft entspannen wird. Bei einem Gespräch in Didam vor einigen Monaten haben niederländischen Arbeitgeber deutlich gemacht, dass sie auf Arbeitsmigranten angewiesen seien. Auch in den kommenden Jahren werde man Wohnraum in der deutsch-niederländischen Grenzregion benötigen.

Auf Landesebene hat Emmerich um Hilfe gebeten. Mit elf weiteren Ordnungsbehörden hat man dem Innenministerium die Problematik geschildert. „Das Land hat erkannt, dass die Arbeitsmigration für die Grenzregion eine Herausforderung darstellt“, sagt Schlitt. „Das Land wird uns unterstützen, wo es geht.“

Insgesamt gibt es nach der Datenlage der Stadt in Emmerich 40 Unterkünfte für Leiharbeiter, davon drei in Praest, eine in Vrasselt, acht auf dem Leegmeer, 14 in der Stadt, vier in Hüthum und zehn in Elten.

Vertreter des Behördennetzwerkes EURIEC waren jetzt zu einem grenzüberschreitenden Austausch zu Gast im Rathaus. Foto: Stadt Emmerich

„Vor allem niederländische Firmen verdienen an diesem Geschäft mit Menschen aus Osteuropa. Sie arbeiten für einen geringen Lohn in den Niederlanden und müssen hier teuren Wohnraum mieten, der ansonsten oft nur schwer zu vermieten ist“, erklärte Thorsten Rupp aus Vrasselt jüngst. Er ist SPD-Kreistagsmitglied ist.