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Lea-Lina Oppermann für zwei Lesungen in Rees

Lesungen in Rees : Unterrichtsstoff hautnah

Die Autorin Lea-Lina Oppermann kam auf Einladung der Realschule für zwei Lesungen nach Rees. Ihr erster Roman „Was wir dachten, was wir taten“ handelt von einem Amoklauf und wird an vielen Schulen im Deutsch-Unterricht behandelt. 

Von einer schreib- und lesewütigen Schülerin zur Autorin, deren erster Roman nun selbst Bestandteil des Deutsch-Unterrichts an vielen Schulen ist – dieses Kunststück ist Lea-Lina Oppermann gelungen. Ihr Debut-Roman „Was wir dachten, was wir taten“ wurde im Jahr 2017 veröffentlicht und ist inzwischen preisgekrönt. Und auch Unterrichtsstoff an der Realschule in Rees gewesen. Deren Schülerinnen und Schüler hatten dabei die Idee, die junge Schriftstellerin zu einer Lesung einzuladen. Der Kontakt wurde hergestellt, die Einladung angenommen. Am Dienstag holte Schulleiter Thomas Wenning die 24-jährige Autorin am Bahnhof ab, die für zwei Schüler-Lesungen das Bürgerhaus füllte – einmal für den Jahrgang neun und einmal für die achten Klassen.

Lea-Lina Oppermann hat ihr Buch im Alter von 17 Jahren zu schreiben begonnen, als sie selbst noch Schülerin war. Es ist eine Art Kammerspiel. Es geht um 143 Minuten, die 14 Schülerinnen und Schüler erleben, als während einer Mathe-Klausur ein bewaffneter, vermummter Mann in das Klassenzimmer stürmt. Er zwingt die Schülerinnen und Schüler dazu, die zehn letzten Wünsche des Täters zu erfüllen. Ein Akt der Rache, der zugleich die wahren Charaktere der Jugendlichen in dieser Ausnahmesituation zu Tage treten lässt: Geheimnisse werden gelüftet, vermeintliche Helden werden zu Feiglingen, Außenseiter zu den wirklich Mutigen. Der schriftstellerische Kniff des überaus spannenden Buches: Es ist aus drei Perspektiven geschrieben – aus der eines Lehrers und aus der einer Schülerin und eines Schülers.

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Lea-Lina Oppermann las am Dienstag wie am Mittwoch auf der Bühne des Bürgerhauses aus einzelnen Kapiteln vor, beantwortete aber auch vor allem viele Fragen der Reeser Schülerinnen und Schüler, die sie zuvor vorbereitet hatten. Zum Beispiel, die, wie sie auf die Idee zu dem Buch kam. Das war vor einem durchaus realen Hintergrund entstanden. Denn Lea-Lina Oppermann erlebte selbst an ihrer Schule während der Besprechung der Mathematiknoten einen Fehl-Amokalarm. „Das war in der elften Klasse. Es gab eine Durchsage im Unterricht und mir wurde auf einmal klar, wie unwichtig Schulnoten sein können, wenn man sich einer solchen Bedrohung gegenüber sieht.“

Ganz offen plauderte sie aus dem Nähkästchen. Erzählte, dass sie als Gymnasiastin eine Wut auf das Schulsystem hatte und dass viele der Charaktere des Romans der Wirklichkeit entsprächen. „Hier und da habe ich etwas hinzugefügt oder miteinander kombiniert“, erklärte sie. Ein Jahr hatte sie an dem Buch geschrieben, ein weiteres brauchte sie für die Überarbeitung. Würde sie es heute nochmal so schreiben? „Sicher nicht, weil ich ja auch älter geworden bin, aber ich würde heute auch nichts mehr daran ändern wollen“, sagte sie. Auch ob ihr Buch verfilmt wird, wurde gefragt. Da antwortete die Autorin mit einem süffisanten Lächeln, denn es gibt tatsächlich Pläne, das Buch zu verfilmen. Doch die schmecken ihr nicht: „Die Handlung soll zum Teil nach Rom verlegt werden. Auch gibt es einen pädophilen Lehrer und die Schüler planen in einem Tempel ganz schreckliche Dinge. Für eine solche Geschichte möchte ich meinen Namen nicht hergeben“, erklärte sie ihren Zuhörern. Denen gab sie noch einen Appell zum Lesen mit auf den Weg: „Gebt der Literatur eine Chance. Und wenn Ihr Euch ein Buch kauft, dann nicht bei Amazon, sondern im Buchhandel, zum Beispiel hier gleich um die Ecke.“

Im Anschluss signierte sie Bücher.