Landwirt aus Uedem prügelt auf Kreis-Veterinäre ein

Emmerich : Prozess gegen Landwirt: Opfer erlebt 14 Minuten Todesangst

Am zweiten Verhandlungstag gegen einen Uedemer Landwirt hat auch das zweite Opfer schwere Vorwürfe erhoben. Beide Tierärzte, die verletzt wurden, stammen aus Emmerich.

Im Prozess gegen einen 46-jährigen Landwirt aus Uedem hat am Montag der zweite Geschädigte und Nebenkläger im Klever Landgericht ausgesagt. Der Tierarzt aus Ememrich war im Oktober 2016 – ebenso wie seine Emmericher Kollegin, die bereits am Donnerstag ausgesagt hatte – bei einer Stallkontrolle von dem Angeklagten mit einer Eisenstange attackiert und schwer verletzt worden. Der 44-jährige Veterinär leidet bis heute enorm unter den Folgen des Angriffs, bei dem er Frakturen des Ellbogens und Unterarms, eine acht Zentimeter große Platzwunde und schwere Prellungen erlitt.

Er kämpft mit Angstzuständen, Albträumen, Flashbacks, kann kaum schlafen oder das Haus verlassen, ist berufsunfähig. Mit Armen und Beinen hatte er 2016 im Uedemer Ortsteil Keppeln versucht, die gegen seinen Kopf gerichteten Schläge abzuwehren.

14 Minuten Todesangst durchlebte er auf dem Hof, bis die Polizei eintraf.

Ob es vor der Attacke Streitigkeiten gegeben hatte, wollte der Vorsitzende Richter Jürgen Ruby vom Zeugen wissen. „Streitigkeiten? Nein.“ Allerdings sei der Angeklagte auffällig ruhig gewesen und habe nicht kooperiert. „Er stand nur anteilslos daneben – und wenn man ihn gebeten hat, etwas zu machen, hat er immer abgelehnt.“ Auch als die Veterinäre den Landwirt auf dessen Mitwirkungspflicht hinwiesen, habe dieser nicht reagiert. „Er hat nur mit den Achseln gezuckt. Es hat ihn nicht interessiert“, so der Zeuge.

In der hinteren Bucht eines Schweinestalls, den der Zeuge aufgrund der schlechten Verfassung einiger Tiere gerade fotografierte, kam es zur Attacke mit der 70 Zentimeter langen Eisenstange.

„Ich habe ein Geräusch gehört und mich dann umgedreht. Da sah ich meine Kollegin und hinter ihr den Angeklagten, der gerade mit der Stange ausholte. Ich rief noch: ‚Aufhören!‘ – aber es war zu spät“, so der 44-Jährige im Zeugenstand.

Danach sei der Angeklagte über die auf dem Boden liegende Veterinärin gestiegen und auf ihn losgegangen. Nach einem gescheiterten Fluchtversuch des Opfers und weiteren Schlägen habe der Landwirt schließlich sein Schweigen gebrochen und einen lupenreinen Kontrollbericht von ihm gefordert, so der Zeuge.

Der 46-jährige Landwirt ist wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchter räuberischer Erpressung angeklagt. Zwei weitere Verhandlungstage sind angesetzt. Fortsetzung ist Montag, 20. August, 10 Uhr.

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