Landwirt aus Uedem gesteht Prügelattacke

Emmerich: Landwirt gesteht Prügelattacke

Ein 46-jähriger Uedemer muss sich vor Gericht wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchter räuberischer Erpressung verantworten. Beide Opfer stammen aus Emmerich. Sie sind Veterinäre.

Schreckliche Szenen offenbarten sich am 19. Oktober 2016 in Uedem zwei Mitarbeitern des Veterinäramtes: Bei der Routinekontrolle eines Schweinestalls entdeckten sie Tiere mit abgebissenen Ohren und Schwänzen, mit Abszessen und Nabelbrüchen.

„In dem Schweinestall herrschte Kannibalismus“, erinnerte sich die betroffene Tierärztin am Dienstag im Zeugenstand des Klever Landgerichtes.

Vor der 1. großen Strafkammer muss sich derzeit der Landwirt und Pächter des Bauernhofs verantworten. Nicht, weil der 46-Jährige seine Tiere unter widrigen Bedingungen hielt – sondern weil er ausrastete, als einer der Veterinäre die Schweine fotografierte.

Mit einer 70 Zentimeter langen Eisenstange schlug er zunächst der 31-jährigen Veterinärin von hinten auf den Kopf. Danach ging er in dem dunklen Stall auf den 44-jährigen Kollegen der verletzten Frau los, die sich derweil nach draußen schleppen und einen Notruf absetzen konnte. „Wir brauchen Hilfe, ganz schnell“, meldete sich die Frau nach Luft ringend bei der Polizeibeamtin, schilderte die Attacke. „Bitte kommen Sie schnell, mein Kollege ist noch da drin, und ich weiß nicht, wie lange der Landwirt noch auf ihn einschlägt.“

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Als Polizei und Krankenwagen eintrafen, waren beide Opfer bereits schwer verletzt.

Der 44-Jährige hatte eine acht Zentimeter lange Platzwunde am Kopf erlitten, starke Prellungen und Brüche von Unterarm und Ellbogen. Die 31-Jährige musste danach ebenfalls wegen einer starken Platzwunde am Kopf und einem Schädel-Hirn-Trauma behandelt werden. Beide Veterinäre leiden bis heute psychisch unter der Attacke des Landwirtes – der 44-Jährige erlebte damals 14 Minuten in Todesangst und kann bis heute nicht in seinen Beruf zurückkehren.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 46-jährigen Landwirt gefährliche Körperverletzung in zwei Fällen vor – in einem Fall in Tateinheit mit versuchter schwerer räuberischer Erpressung: Denn der Angeklagte soll den Veterinär unter weiterer Gewaltandrohung – auch gegen dessen Familie – aufgefordert haben, den Kontrollbericht ohne Beanstandungen zu verfassen. Von der Familie des Veterinärs wusste der Angeklagte wohl, weil der Tierarzt laut Anklage zuvor um sein Leben gefleht hatte: „Bitte töte mich nicht, ich habe Kinder und eine Frau.“

Der Angeklagte räumte die Tatvorwürfe ein: Er habe damals den Eindruck gehabt, die Kontrolleure würden seinen Hof schließen oder ihm EU-Subventionen streichen wollen. In seiner Existenz bedroht, fasste er den Entschluss: „Wenn ich die Fotos vernichte, kann ich das verhindern.“ Ob ihm diese Maßnahme jetzt noch realistisch erscheine, fragte ihn der Vorsitzende Richter Jürgen Ruby. „Nein, jetzt nicht mehr“, so der 46-Jährige. Die Anklage geht von einem eingeschränkten Unrechtsbewusstsein zum Tatzeitpunkt aus.

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