Kunstsonntag 2018 in Rees: Künstler stellen an 17 Orten aus

Kultur-Event in Rees : Royale Renner beim Kunstsonntag

Der gestrige Termin war der letzte am ersten November-Wochenende. Ab 2019 findet das Event immer im Mai statt.

Auch das Wetter war wie gemalt, als lokale und zugereiste Künstler ihre Werke an 17 verschiedenen Orten in Rees ausstellten. Entsprechend hoch war die Bereitschaft vieler Kunstfreunde, den Besuch der Galerien, Geschäftsräume und außergewöhnlichen Ausstellungsorte mit einem Sonntagsspaziergang zu verbinden.

Das Alte Amtsgericht erwies sich als einer der größten Anziehungspunkte. Viele Reeser nutzten die Gelegenheit, hinter die sonst verschlossenen Türen zu blicken. Im Trauzimmer präsentierten Silke Parras und Rahel Kraft Zeichnungen und Ölbilder.

Antiquitätenhändler Gerfried Schell, der einst die Holzpartien des Trauzimmers restaurierte, nutzte die prächtigen Korridore des Amtsgerichts, um Ölgemälde aus der Sammlung Villa Burg auszustellen, darunter Werke von Bernd Terhorst, Josef Mooren, Bernd Schulte, Mannes Peters oder auch Otto Marx, dessen niederrheinische Landschaft die Besucher gleich im Treppenhaus begrüßte.

Wie schon 2017 stellte die in Bocholt lebende Engländerin June Erkelenz wieder im Beerdigungsinstitut Klaczynski an der Fallstraße aus. Von Trauer war in den Werken der lebenslustigen Künstlerin aber nicht die Spur zu finden: „Ich male lustige Bilder“, sagte June Erkelenz und zeigte auf heitere Damenrunden beim Pferderennen von Ascot („Ich mag Hüte!“) oder die roten Schuhe von Dorothy Gale aus „Der Zauberer von Oz“. Ein beliebtes Gesprächsthema waren June Erkelenz‘ Strickpuppen der britischen Königsfamilie oder der deutschen National-Elf. Während bei den Royals jedes Detail stimmte, war die Fußballmannschaft nur unzureichend besetzt: „Ich wollte im Laufe der WM 2018 alle Spieler herstellen, aber dann hatte ich keine Lust mehr, weil die so schlecht gespielt haben.“

In drei Wochen eröffnet June Erkelenz ihre eigene Galerie „Juneart“ in Bocholt, doch dem Reeser Kunstsonntag will sie auch künftig die Treue halten. Auch Marco Büning, freier Maler und Bildhauer, schwänzte den Lichtersonntag in Bocholt und entschied sich für den Reeser Kunstsonntag. Er stellt noch bis zum Jahresende in der Galerie Christina Büsen großformatige Arbeiten aus, für die er sich vom Rhein und den Rheinwiesen inspirieren ließ. „Ich könnte stundenlang am Rhein sitzen und auf das Wasser schauen“, sagt Marco Büning. „Die Ruhe des Flusses überträgt sich auf mich. Dann kommen mir Worte in den Sinn, die mich später in meinem Atelier inspirieren.“ So nutzte er für die in Rees gezeigten Werke keinen Pinsel, sondern ließ die Ölfarben einfach über die Leinwand fließen. Auch die ständige Veränderung des Rheins, wie das extreme Niedrigwasser, beeinflussen den Bocholter Künstler: „Momentan finde ich am Ufer viele spannende Sachen, da ich gern mit Strandgut und Treibholz arbeite.“

Diese Leidenschaft teilt Marco Büning mit Michael Hoffmann, einem der Gründerväter des Reeser Kunstsonntags. Der Architekt zeigte in seinem Kunstkabinett die neue Serie „Strandgut“ mit gezeichneten oder umgestalteten Fundstücken vom Rhein- und Meeresufer. In Rees-Stadt beteiligten sich außerdem Metin Yildirim und Daniela Schenk an der Rheinstraße, Daniela Mattstedt, Monika Büdding und Sabine Günzel im Hotel Rheinpark, Rainer Offergeld im Rheincafé Rösen, Annette Verheyen, Agnes Fürst und Andrea Sommer in der Sparkasse sowie Ulla Hornemann und Veronica Molenkamp an der Fallstraße, das Koenraad-Bosman-Museum, der Skulpturenpark, die Galerie ARTraum MoSiMo und Elisabeth Kemkes in ihrem Atelier Artelli am 18. Reeser Kunstsonntag. Astrid Karuna Feuser lud nach Haldern ein, in Grietherbusch zeigte Maria Storm-Maas abstrakte Landschaftsmalerei, eingebettet in eine herbstliche Floristik von Andrea Köster.

Nur einer fehlte: „Alltagsmensch“ und Schwimmreifenmann Paul. Obwohl er alle Plakate und Flyer zum 18. Kunstsonntag zierte, hat er seinen Froschteich im Rheinpark längst gegen das Winterlager im Bauhof eingetauscht. Spätestens zum 19. Kunstsonntag wird er aber wieder im Froschteich plantschen.