Rees : Besuchermagnet am Bürgerhaus

Auf großes Interesse stieß am Wochenende die elte Auflage der Reeser Kunstmesse. Im kommenden Jahr soll sie verstärkt Künstlern offen stehen, die noch nicht etabliert sind. Planungen für Kunst-Sonntag im November laufen.

Die elfte Kunstmesse im Reeser Bürgerhaus erwies sich am Samstag und Sonntag wieder als Besuchermagnet. 33 Künstlerinnen und Künstler stellten aus, mehr als doppelt so viele hatten sich im Vorfeld um einen der begehrten Plätze beworben. Deshalb plant Organisatorin Christine Meininghaus für das kommende Jahr ein verändertes Zulassungsverfahren. Bei der zwölften Kunstmesse im August 2019 sollen verstärkt Künstler ausstellen und verkaufen dürfen, die bislang keine Zusage erhielten. „Ich werde etablierten Künstlern absagen müssen, die schon acht oder zehn Mal dabei waren“, sagt Christine Meininghaus. Die Zahl der Künstler und somit der Stände möchte sie nicht erhöhen: „Auch für die Kunstmesse gilt: Weniger ist mehr. Die Künstler stehen jetzt schon dicht beieinander.“

Vier Kunstschaffende, die im Bürgerhaus ausstellten, wohnen in Rees, darunter Christina Büsen und Roswitha Lohmann. Ihre Werke aus dem Zyklus „Mensch und Natur“, mal großflächig, mal kleinteilig gestaltet, begrüßten die Besucher im Foyer. Roswitha Lohmann schätzt an der Reeser Kunstmesse den Austausch mit altbekannten und neuen Künstlern. In diesem Jahr hatten es ihr insbesondere die fein gearbeiteten „Naturträume“ der Malerin Irene Bartsch-Kozik angetan. Die Kölnerin nutzt die morbiden Strukturen von Blättern, die im Herbst von den Bäumen fallen und langsam zersetzt werden, um daraus, ergänzt durch Farben, Phantasie und viel Feingefühl, neues Leben zu schaffen.

Auch der Reeser Michael Sting setzt auf Materialien aus der Natur: Seine Mikrokosmen auf Lavagestein standen auf dem Vorplatz des Bürgerhauses. Über ihren prominenten Platz auf der Bühne des Bürgerhauses freute sich Helga Steneberg aus Moers. Ihre 15 großflächigen und farbenfrohen Porträts von Prominenten wie Pablo Picasso, Cat Stevens, David Bowie, Johnny Depp, Bob Geldof und Armin Mueller-Stahl blickten den Besuchern sofort ins Auge. „Ich wähle ausdrucksstarke Gesichter und male sie von Fotos ab“, sagt Helga Steneberg, die erstmals in Rees ausstellte: „Im letzten Jahr war ich als Besucherin hier und sofort von der besonderen Atmosphäre begeistert. Ich freue mich, dass meine Bewerbung erfolgreich war.“

Gleich neben ihr stellte Acki 62 aus Bocholt aus: tanzende Paare, Menschen mit bunten Regenschirmen und sogar Acrylwerke, die jeweils auf einem Quadratmeter Fläche Likören wie Jägermeister und Kümmerling huldigten. Ein echter Hingucker waren auch die Gruppen von properen älteren Damen im Badeanzug, die Fotograf Jan Gerber am Strand, auf Brücken und in Industrieanlagen in Szene gesetzt hatte. Sie erinnerten vor allem die Reeser Besucher an die „Alltagsmenschen“ der Wittener Bildhauerin Christel Lechner und wechselten für 250 Euro den Besitzer, inklusive „Echtheitszertifikat“ für die jeweils auf zehn Exemplare beschränkten Fotoserien.

Die Vielfalt, die in den Werken der vier Reeser Künstler und der 29 Gäste aus dem gesamten Bundesgebiet sowie aus den Niederlanden, der Ukraine, Polen und der Türkei zeigte, würdigte auch Kunsterzieher Johannes Beenen, zugleich Vorsitzender des städtischen Kulturausschusses, in seinen einleitenden Worten am Samstagnachmittag. Zudem liege der besondere Reiz der Kunstmesse im Dialog mit den Künstlerinnen und Künstlern, die allesamt am Wochenende im Bürgerhaus waren und Auskunft zu ihren Werken und Inspirationen geben konnten. „Die Kunst ist zwar nicht das Brot, aber der Wein des Lebens“, schloss Johannes Beenen.

Zwei Reeser Galerien legten ihre Ausstellungseröffnungen bewusst auf das Wochenende der Kunstmesse. ArtRaum Mosimo lud zur Vernissage von „Salto Mortale der Kunst!“, Christina Büsen zeigte in der Jungblutstraße großformatige Bilder, Skulpturen und Fotografien von Meisterschüler Martin Rothweiler und der Theaterfotografin Sonja Rothweiler.  

Das nächste große Event für Kunstfreunde findet am Sonntag, 4. November, statt: der „Reeser Kunst Sonntag“, bei dem im ganzen Stadtgebiet Künstlerinnen und Künstler von 11 bis 18 Uhr ihre Werke in Ateliers und Privathäusern zeigen. Auf Wunsch der Kreativen wird dieser Tag ab 2019 auf einen Mai-Termin verlegt. „Im November wird es so früh dunkel, dass ab 16.30 Uhr kaum noch Besucher zu den Künstlern kommen“, sagt Christine Meininghaus. „Unser Künstlerstammtisch hat deshalb die Stadt gebeten, einen Termin im Frühjahr zu finden, und Kulturamtsleiterin Sigrid Mölleken setzt unseren Wunsch in die Tat um.“

(Michael Scholten )
Mehr von RP ONLINE