Kunden verärgert über Busstrecke 86 von Rees nach Wesel

Busverkehr : Nummernsalat auf Linie 86

Zum Fahrplanwechsel gibt es viel Verwirrung bei der Verbindung von Wesel nach Rees. Die Strecke ist nämlich aufgeteilt worden. Schuld ist die Bürokratie. Dass der Bus weiter fährt wie bisher, können Fahrgäste nicht erkennen.

Die Busfahrerin ist hilfsbereit. „Ja, ja, Sie können ruhig einsteigen, der Bus fährt wirklich bis Rees durch“, sagt sie dem Fahrgast, der am Großen Markt in Wesel in den Bus einsteigen will und unsicher ist, wohin die Reise geht. Er sei nicht der Erste, der nachfragt, sagt die Fahrerin. „Das ist jetzt alles etwas unglücklich gelaufen. Sie sind nicht der Einzige, der ratlos ist.“

Kein Wunder, denn über Jahrzehnte gab es eine Konstante im Busverkehr am Niederrhein: Die Linie 86 verbindet die Kreisstadt Wesel mit der früheren Kreisstadt Rees. Generationen von Pendlern haben die Linie genutzt, viele Jugendliche sind mit ihr zur Schule gefahren. Doch seit dem 1. Dezember ist nichts mehr wie es war. Das Halteschild „Linie 86“ sucht der Fahrgast am Markt vergeblich. Der Bus fährt nämlich jetzt unter der Bezeichnung „Linie 84“. Wer das herausgefunden hat und auf den entsprechenden Fahrplan an der Haltstelle schaut, hat nur noch Fragezeichen im Gesicht. So gut wie hinter jeder Abfahrtzeit erläutern diverse Symbole, dass der Bus nur in den Ferien, in der Schulzeit, am Rosenmontag oder als Taxibus unterwegs ist. Zudem enden laut Fahrplan alle Busse in Bislich. Wer in Rees am Busbahnhof auf den Fahrplan schaut, erlebt das Gleiche: Auch hier steht, dass alle Fahrten in Bislich enden. Dann allerdings als Linie 86.

Auf dem Fahrplan fehlt jeglicher Hinweis, dass der Bus bis Wesel fährt. Das soll geändert werden. Foto: Latzel

Auch ein Blick in die Internet-Fahrplanauskunft hilft kaum weiter. Dort wird dem Fahrgast empfohlen, in Bislich von der einen Linie in die andere Linie umzusteigen. Wer mutig ist und einfach mal mit dem Bus fährt, stellt fest: Der Streckenverlauf ist derselbe wie seit mehr als 20 Jahren. Der Bus fährt wie immer von Rees nach Wesel durch und umgekehrt. Warum also jetzt der Nummernsalat?

Niag-Sprecher Michael Block erläutert, dass es trotz Vorabinformationen bei den Kunden durch die Umbenennung zu Irritationen gekommen sei. „Dies bedauern wir sehr und haben deshalb zeitnah die Anzeigen der Busse um den Hinweis ,Fährt weiter bis…’ ergänzt.“ Auch die Fahrpläne an den Haltestellen sollen bis Ende Januar ausgetauscht werden, um zu verdeutlichen, dass die Linien 84/86 durchgehend fahren und kein Umsteigen am Wechselstandort der Liniennummern erforderlich sei. Im Klartext: In Bislich ändert der Bus außen zwar die Liniennummer, ansonsten merkt der Fahrgast nichts vom Streckenwechsel. Für Fahrgäste ist sicher hilfreich, dass jetzt „Fährt bis“ auf der Anzeige ergänzt wird. Viele werden sich aber die ganz konkrete Anzeige früherer Tage zurückwünschen: „Rees über Flüren/Bislich“ prangte jahrzehntelang am Bus. Das ließ keine Frage zum Streckenverlauf offen.

Dass die Busstrecke zerschnitten und jetzt auf zwei Linien-Nummern verteilt wurde, liege am Gesetzgeber, erläutert Ruth Keuken, Sprecherin des Kreises Kleve. Knackpunkt ist nämlich, dass die Linie über die Kreisgrenze führt und damit auch zwei Kreise zuständig sind. Bislang war es so, dass die Linie 86 zwar bis Wesel fuhr, aber  dem Kreis Kleve zugeordnet war. Das sei jetzt nicht mehr möglich, weil der Gesetzgeber eine eindeutigere Zuordnung fordere. Jetzt brauche man auch zwei Liniennummern, um die beiden Strecken getrennt abrechnen zu können.

Die Bürokratie hat Vorfahrt.