Kulturwerkstatt im Haus Wesendonk in Rees startet durch

Haus Wesendonk : Kulturwerkstatt startet durch

Nach einem halben Jahr voller Anträge und Umbauten füllt sich nun der Aushangkasten mit Ankündigungen am Haus Wesendonk. Stephan Lorenz und Silja Böhling-Buhl organisieren Theater, Kino, Literaturtreff und Bühne für „Nerds“.

Das Haus Wesendonk, 1865 erbaut, hat schon vieles erlebt: Es war Stall und Scheune, ein Altenzentrum und wird nun Theater, Kino, Literaturtreff und Zirkus sein. Möglich macht dies Silja Böhling-Buhl. Die Theaterpädagogin hat die untere Etage der Immobilie an der Klosterstraße von der neuen Eigentümerin angemietet. „Heidrun Weber-Klinkhammer war von der Idee einer Theater- und Kulturwerkstatt angetan, zumal das Haus so vom ganzen Dorf genutzt werden kann“, sagt Silja Böhling-Buhl.

Gern hätte die Theaterpädagogin ihr Konzept schon 2019 im leerstehenden Reeser Lichtspielhaus („Reli“) umgesetzt. Doch hohe Auflagen, speziell beim Brandschutz, verhinderten die Umnutzung des fast 100 Jahre alten Kinos. So profitiert nun das kulturell eh schon reiche Haldern von zusätzlichen Angeboten. „Wir haben viel mehr Ideen als Zeit“, sagen Silja Böhling-Buhl und Stephan Lorenz, einer der ersten „Untermieter“ im Haus Wesendonk. Der Illustrator gibt Kurse im Aktzeichnen und bereitet Kinoabende vor, die bestimmten Regisseuren gewidmet werden sollen.

Der gläserne Aushangkasten am Haus Wesendonk füllt sich langsam mit bunten Ankündigungen, denn nach einem halben Jahr der Anträge und Umbauten will die Kulturwerkstatt nun richtig durchstarten. Einen Schwerpunkt bildet die Theaterarbeit. „Endlich habe ich einen festen Proberaum für meine vier Theatergruppen“, freut sich Silja Böhling-Buhl, die auch die Mitarbeiter der Lebenshilfe in Szene setzt und mit ihnen mehrere Inklusionspreise gewonnen hat. Bis im Februar die neue Probezeit beginnt, soll auch die Bühne mit Vorhang und Scheinwerfern fertig sein. Bei Aufführungen finden bis zu 50 Personen Platz. „Mein Theater“, nennt Silja Böhling-Buhl das Haus Wesendonk, erhebt damit aber keine Besitzansprüche, sondern wünscht sich, dass jeder Halderner sagt: „Ich gehe heute in mein Theater.“

Wer immer schon mal auf der Bühne stehen und in eine fremde Rolle schlüpfen wollte, hat ab sofort an jedem Donnerstag von 19.30 bis 21 Uhr die Gelegenheit dazu. Der Monatsbeitrag liegt bei zehn Euro. An Kinder von acht bis zwölf Jahren richtet sich die Gruppe der Theaterpädagogin Hadassa de Leeuw van Weenen. Im Februar und März können sich die jungen Schauspieler immer freitags von 16 bis 17.15 Uhr ausprobieren. Ein Monat kostet 25 Euro. Am Samstag, 25. Januar, trifft sich um 11 Uhr das neue „Klima-Theater“, das in Abstimmung mit der Reeser „Fridays for Future“-Initiative Umweltthemen aufgreift und künftige Demos künstlerisch ergänzen möchte.

Ausgebucht ist die erste „Zirkus-Theater-Manege“, bei der Grundschüler das Haus Wesendonk in eine Manege verwandeln. Weitere Zirkus-Kurse sind geplant. Klaus Beck lädt ab Mittwoch, 19. Februar, um 19.30 Uhr, zur kostenlosen Reihe „Weltliteratur neu gelesen“ ein. Zum Auftakt gibt es ein Kurzreferat über Ernest Hemingway mit Textbeispielen. Autoren wie Böll, Lenz, Grass und Brecht sollen folgen. Zudem plant Silja Böhling-Buhl in der Sessel-und-Sofa-Ecke einen Lesekreis für Senioren, nicht nur aus dem benachbarten Altenheim St. Marien.

Drei Seniorinnen aus der Theatergruppe werden mitentscheiden, welche Filmklassiker ab März im Haus Wesendonk auf der Leinwand zu sehen sind. Die Damen werden sich nicht nur an Hans Albers oder Romy Schneider erfreuen, sondern auch erzählen, was sie mit den Filmen und der Zeit verbinden.

Im Mai startet dann die „Nerd Night“. Dabei sollen freitagabends hintereinander vier Menschen die Bühne betreten, die jeweils exakt 15 Minuten Zeit haben, um über ihr ausgefallenes Hobby, ihr liebstes Reiseziel, eine unbekannte Tierart oder sonstige Spezialthemen zu reden. Das Publikum bestimmt dann den Nerd des Abends.