Kritik an Verteilung der Kita-Beiträge in Emmerich

Besserverdienende im Vorteil : Kritik an Verteilung der Kita-Beiträge in Emmerich

Kita-Gebühren sind nach Einkommen gestaffelt. Natalie Eberhard-Wolters bemängelt dabei, dass ihre Familie 9,5 Prozent ihres Jahreseinkommens aufwenden soll, während Besserverdienende günstiger wegkommen.

Mit Interesse verfolgt Natalie Eberhard-Wolters die derzeitige Diskussion um die Emmericher Kita-Beiträge. Sollen sie gesenkt werden? Die Praesterin hätte ein großes Interesse daran. Sie und ihr Mann sollen für die Betreuung ihrer zwei Kinder 586 Euro zahlen. Bei einem Jahresbruttoeinkommen bis 74.000 Euro fällt dieser Betrag in der U3-Betreuung an. Und das für ein Kind. Das Geschwisterkind ist frei. „Prozentual gesehen auf das Jahreseinkommen ist das bei den mittleren Einkommen ein exorbitant hoher Betrag. Nämlich 9,5 Prozent. Fair ist das nicht“, sagt Eberhard-Wolters.

Das Land Nordrhein-Westfalen hat einen Vergleich von 170 Kommunen vorgelegt. Der Vergleich ist nicht eins zu eins übertragbar, weil der NRW-Vergleich andere Einkommensstufen setzt. Aber im Bereich ab 78.001 Euro Jahresbruttoeinkommen liege Emmerich in der U3-Betreuung mit 9,55 Prozent ganz weit oben. Nur zwei Kommunen seien noch teurer.

Nicht, dass jegliche Betreuungsform in Emmerich so teuer sei. In anderen Einkommensstufen sieht es besser aus. Zwischen 28.001 und 52.000 Euro steht eine vier vor dem Komma der Prozentzahl. Doch selbst höhere Einkommen kommen prozentual besser weg. In der Stufe bis 108.000 Euro Jahresbruttoeinkommen sind es 7,67 Prozent. Darüber 8,28 Prozent.

Eberhard-Wolters sieht weitere Aspekte, die unglücklich sind. In Emmerich werden Kinder in unter und über drei Jahren unterschieden. Kleinere Kinder sind betreuungsintensiver und somit teurer. Andere Kommunen haben sich für die Grenze bei U2/Ü2 entschieden. Emmerich hätte, als 2016 die Tabelle beschlossen wurde, auf über 160.000 Euro an Einnahmen verzichten müssen – die Politik bevorzugte daher die U3/Ü3-Aufteilung.

Nun sei es aber in Emmerich so, dass die Gebühren für ein Kind bis zum Sommer berechnet würden, auch wenn das Kind inzwischen Geburtstag hatte und dann als Ü3-Kind eigentlich günstiger wäre. Andere Kommunen würden hier ab dem Folgemonat den Beitrag umstellen, hat Eberhard-Wolters in Erfahrung gebracht: „Da kommt schon Geld zusammen.“

Die Mutter aus Praest hofft, dass die Emmericher Politik sich die Beitragstabelle noch einmal genauer ansieht. Und sie zeitnah ändert: „Man kann nicht erst auf die Düsseldorfer Gesetzgebung warten, sonst ändert sich an der Beitragstabelle bis Sommer 2020 wahrscheinlich nichts mehr“, verdeutlicht Eberhard-Wolters.

Sie denkt jetzt schon über Dinge nach, die eigentlich nicht im Sinne des Erfinders sein sollten: „Ich habe auf eine Betreuung von 35 Stunden reduziert. Ich versuche jetzt, Arbeitszeiten auf das Wochenende zu verlegen. Eigentlich Zeit für die Familie“, beklagt die Mutter. Es ziehe alles einen Rattenschwanz nach sich. Auch ihre Vollzeitstelle zu reduzieren, sei eigentlich nicht vorgesehen.

Eberhard-Wolters Fazit: „Für junge Familien ist Emmerich in dieser Gehaltsstufe nicht attraktiv. Wenn es von der Stadt Emmerich heißt, der Bedarf für die Kinderbetreuung sei gedeckt, dann ist das ein Trugschluss. Denn viele sind durch die Kosten abgeschreckt und melden ihr Kind gar nicht erst an.“

Die Gebühren für Kita-Plätze sind nach Einkommen gestaffelt. Auch die Kosten für die Betreuung von Über- und Unterdreijährigen sind verschieden. Foto: dpa/Monika Skolimowska

Die Fraktion Embrica beantragte eine Senkung der Kita-Beiträge. CDU und BGE haben Beratungsbedarf angemeldet. Die Verwaltung möchte alles so belassen, wie es ist. Das Thema soll aber erst wieder beraten werden, wenn die Gesetzes-Novellierung auf Landesebene erfolgt ist.

(mavi)