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Rees: Kritik an Asche-Streufeld

Rees : Kritik an Asche-Streufeld

Die Politik diskutiert über neue Bestattungsformen in Rees – unter anderem über das anonyme Verstreuen der Asche. Die Meinungen der Halderner Geistlichen gehen auseinander, von "unerträglich" bis zu Akzeptanz.

Die Politik diskutiert über neue Bestattungsformen in Rees — unter anderem über das anonyme Verstreuen der Asche. Die Meinungen der Halderner Geistlichen gehen auseinander, von "unerträglich" bis zu Akzeptanz.

Für den evangelischen Pfarrer Hans-Gerd Spörkel wäre ein Aschestreufeld auf dem Waldfriedhof undenkbar. "Ekelerregend, pietätlos und entwürdigend, so mit den Überresten eines Verstorbenen umzugehen. Das ist eine Ungeheuerlichkeit", sagt er — auch nach eigener Anschauung: Er war bereits Zeuge einer Bestattung dieser Art. "Ich erlebe immer mehr, wie Beerdigungsrituale zu einer billigen Entsorgung verkommen", warnt Spörkel: "Das Verstreuen der Asche ist da die Krönung!"

In Rees wird die Einführung neuer Beerdigungsformen wie berichtet diskutiert. Unter anderem ist dabei die Rede von Gemeinschaftsgräbern, von Baumbestattungen und auch von einem Aschestreufeld im hinteren Bereich des Waldfriedhofs. Die Asche würde dort anonym auf die Erde gegeben.

Bei dem Gedanken daran fürchtet Pastor Spörkel auch einen Verfall der Sitten: Die anonyme Variante ohne Grabstätte, -pflege und -stein wäre sicher die kostengünstigste Bestattungsform. Würde man so also in Zukunft die Ärmsten der Armen, die Mittellosen, "entsorgen"?

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"Theologisch ist für mich der Körper der Tempel der Seele. Und damit muss man mit Respekt und Würde umgehen", sagt Spörkel. Und: "Man erkennt eine Gesellschaft und ihre Kultur auch daran, wie sie mit ihren Verstorbenen verfährt."

Sein katholischer Amtskollege Marian Szalecki vertritt eine gemäßigtere Auffassung. "Eine Bestattung muss eine würdige Form behalten", sagt er. Daran dürfe es nichts zu rütteln geben. "Man muss den Menschen dabei immer als Menschen vor Augen haben", fordert er. "Jeder von uns ist getauft. Und wir alle werden zu Asche."

Doch die Trauer- und Beerdigungskultur verändere sich nun mal. Traditionell stehe die Kirche für die klassische Erdbestattung, erläutert Szalecki. "Heutzutage ist die Bestattung von Asche aus Sicht der Kirche im Prinzip kein Problem. Aber auch da gibt es unterschiedliche Ansichten, auch von Pastor zu Pastor. Es entwickeln sich neue Bestattungsformen, darüber müssen wir diskutieren und den richtigen Weg finden." Auch, wenn es tatsächlich um ein Verstreuen der Asche eines Toten gehe.

Die vorherrschende Beerdigungskultur habe sich über die Jahrhunderte ausgebildet, aber in anderen Ländern der Welt gebe es völlig andere Varianten: "Sie kann sich auch hier weiterentwickeln."

Wobei er zu bedenken gibt: "Die Menschen in Rees, Haldern und Millingen sind noch sehr in der Tradition verwurzelt." Der Wunsch nach einer Baumbestattung beispielsweise sei noch nie an ihn herangetragen worden.

(RP/rl)