Emmerich: Krankenhäuser müssen sich vernetzen

Emmerich: Krankenhäuser müssen sich vernetzen

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe besuchte den Katholischen Karl-Leisner-Klinikverbund und besichtigte das neue Bettenhaus sowie die neue Notaufnahme im Klever St.-Antonius-Hospital.

Der Minister ist angetan. Angetan von den 35 Millionen Euro, die die Katholische Karl-Leisner-Trägergesellschaft in die Versorgung ihrer Patienten investiert. Angetan vor allem aber von der Vernetzung der vier Krankenhäuser des Verbundes untereinander, von denen jedes seine Spezialisierung hat. Er begrüßte, dass der Verbund über die Grenze hinweg mit der Uniklinik Radboud in Nimwegen kooperiert. In Nimwegen steht ein Hubschrauber, der Patienten innerhalb kürzester Zeit dort "auf den Tisch" bringt, erfuhr der Minister beim Rundgang durch die neue Notaufnahme von Bernd Ebbers, Geschäftsführer Katholische Karl-Leisner-Trägergesellschaft. Sonst müssten Trauma-Patienten nach Umfällen statt der 17 Kilometer bis Nimwegen 82 Kilometer nach Duisburg, so Ebbers.

Hermann Gröhe, Bundesminister für Gesundheit, besuchte gestern das neue Bettenhaus des St.-Antonius-Hospitals in Kleve, das zur Hälfte fertig ist, und besichtigte den Bau der zweiten Hälfte des Bettenhauses mit neuer 1000 Quadartmeter großer Aufnahme. Beide sollen Anfang Oktober bezogen werden. Die Chefärzte sowie Ebbers und Pflegedienstleiterin Rosa Maria Wittenhorst führten den Minister durch das Haus.

"Es ist schön, zu sehen, dass der Krankenhausträger bereit ist, erhebliche Mittel zu investieren. Da müssen wir auch dem Land danken, das diese Investition unterstützt", sagte Gröhe. Und mit Blick auf den Verbund: "Es ist eindrucksvoll, wie viele Fachdisziplinen hier in den Krankenhäusern zur Verfügung stehen. Die Vernetzung scheint sehr gut gelungen zu sein", lobte Gröhe die Arbeit des Klinik-Verbundes, die vier Standorte zu spezialisieren und zukunftsfähig zu machen.

Auch wenn Wilfried Jacobs, Aufsichtsratsvorsitzender Katholische Karl-Leisner-Trägergesellschaft, ein wenig Salz in die Wunden gestreut hatte: "Es ist nicht einfach, vier ländliche Standorte von Krankenhäusern so zu erhalten, dass sie jeweils allein ökonomisch erfolgreich sind. Wir wollen dies erreichen, allerdings nicht mit der Zusage, dass das jeweilige Angebot so bleibt". Jakobs fügte aber zugleich an, dass man beispielsweise mit Goch eine onkologische Versorgung bieten könne, die vor allem in ländliche Bereichen ihres Gleichen suche. Jakobs gab dem Minister mit auf dem Weg, dass die medizinische Versorgung in ländlichen Kreisen wie Kleve in Gesamtheit zu betrachten sei: "Schon mittelfristig fehlen im Kreis Kleve 28 Haus- und Fachärzte. Das Durchschnittsalter der Hausärzte liegt bei 58 Jahren. Diese Entwicklung macht eine ebenenübergreifende Bedarfsplanung notwendig", mahnte Jakobs. Es habe wenig Sinn, ein Krankenhaus zu schließen, weil es ökonomisch nicht rentabel sei, bei einer gleichzeitigen ernstzunehmenden Versorgungslücke im ambulanten Bereich in der Region Kleve.

Bundesgesundheitsminister (l.) im Gespräch mit Bernd Esser, Sprecher der Karl-Leisner-Gesellschaft. Foto: Gröhe
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"Hier sind wir in Gesprächen mit Vertretern aller am Versorgungsprozess beteiligten Playern, aber auch mit den Kommunen nach neuen ebenenübergreifenden Versorgungsmodellen", erklärte Jakobs. Auch müsse man immer über den Rand des Krankenhauses hinaus blicken: "Wir haben 5000 Patienten entlassen, die schon über 85 Jahre alt waren, als sie kamen. Hier ist dringend eine Vernetzung mit der Unterbringung außerhalb vonnöten", sagt er.

"Krankenhäuser allein aus ökonomischer Sicht zu schließen, sei auch keine Lösung", hatte Gröhe zuvor in seiner Rede unterstrichen. "Es kann nicht heißen, wir müssen umziehen, weil Opa jetzt bald über 80 ist. Die Enkelin soll ihn auch im ländlichen Bereich in der Mittagspause besuchen können", sagte er mit Blick auf eine patientenorientierte Politik. "Egal wo du wohnst und egal, was du verdienst - die ärztliche Versorgung muss gewährleistet sein", versprach er.

Wie viele Menschen das im Bereich des Karl-Leisner-Klinikverbunds betrifft, belegte Bernd Ebbers höchst eindrucksvoll mit Zahlen: "2016 haben wir in unseren vier Krankenhäusern rund 130.000 Patienten behandelt: 40.000 stationär und 90.000 ambulant", sagte er.

Doch auch die ambulante Versorgung sei wichtig: "In der Chirurgie haben wir 2016 mehr als 50.000 Patienten ambulant behandelt, in der Kinder- und Jugendmedizin mehr als 10.000 Patienten". Der Jahresumsatz des Verbundes liegt bei rund 200 Millionen Euro.

(mgr)
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