Konzert der Band Terra Profonda in Haldern-Sonsfeld

Konzert in Privat-Wohnung in Sonsfeld : Live-Auftritt im Wohnzimmer

In Sonsfeld stellte die Band „Terra Profonda“ jetzt ihr neues Album vor – in der Wohnung von Catja Schulze-Böckenhoff.

So in etwa müssen sich die legendären Konzerte der frühen Pink Floyd im UFO-Club angefühlt haben. Vorne spielt die Band, drumherum haben sich die Zuhörer auf dem Boden niedergelassen, hocken auf Stufen oder in Sitzecken. Ein Strahler zaubert Lichteffekte an die Decke. Doch das hier ist nicht das UFO der 1960er Jahre in London, sondern das geräumige Wohnzimmer von Familie Schulze-Böckenhoff in Sonsfeld im Jahr 2018. Immer mal wieder steigen hier Bands ab, spielen im privaten Rahmen, gegen eine Spende dürfen auch Gäste beim Hauskonzert dabei sein.

Die Musiker kommen über Kontakte, gute Beziehungen, manche rufen auch selbst an. Diesmal sind es die guten Kontakte zum Haldern-Pop-Team, die die ungarische Band Terra Profonda nach Sonsfeld gebracht hat. Catja Schulze-Böckenhoff hat die Band beim Festival gesehen, jetzt spielt sie bei ihr im Wohnzimmer, „ein spezieller Moment“, sagt sie. Ein spezieller Auftritt auch für Terra Profonda, wie Sänger Vincenzo Lo Buglio betont. Vor einiger Zeit hat die Band auf dem Haldern-Pop-Label ihre erste CD herausgebracht, der Abend hier ist auch so etwas wie eine Albumpräsentation. Die CDs auf einer Staffelei sind auch die einzige Bühnendekoration.

Die Atmosphäre erinnert an eine Mischung aus Haldern-Pop-Bar und Nachbarschaftstreffen, man kennt sich, lässt sich ganz auf die Musik ein, zwischendurch bellt auch schon mal Rocky, der Hund.

Terra Profonda brauchen nicht viel, um den Raum zu füllen. Es reicht die tiefe, eindringliche Stimme von Lo Buglio, die an Madrugada erinnert. Er nutzt seinen ganzen Körper als Instrument, singt, klopft sich mit den Fäusten auf die Brust, stampft zum Takt auf den Holzboden. Seine beiden Mitmusiker liefern mit Bass, Saxophon und Bouzouki den Soundteppich für den Gesang. Dass das hier eigentlich ein privates Wohnzimmer ist, ist schnell vergessen.

Für jede Band ist so ein Auftritt eine echte Feuerprobe. Ohne technischen Schnickschnack muss sie im direkten Kontakt mit dem Publikum beweisen, dass die Songs tragen.

Terra Profonda gehen am Ende noch einen Schritt weiter. Der Lautsprecher wird abgedreht, das Mikro ausgeschaltet und das Trio spielt mitten im Raum ohne jegliche Verstärkung. Danach soll eigentlich Schluss sein. Doch als jemand ein Bier bringt, greifen die Musiker noch mal zu ihren Instrumenten.

Das wird damals im UFO-Club der 1960er Jahre nicht anders gewesen sein.

(Sebastian Latzel)
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