Rees: Kontrolleure ohne Machtbefugnis

Rees : Kontrolleure ohne Machtbefugnis

Die Mitarbeiter, die den Bahnübergang Millingen im Auftrag der Bahn überwachen, haben kaum eine Handhabe, wenn Personen bei geschlossener Schranke die Gleise überqueren. In Emmerich sollen am Montag sogar Leute über stehende Güterzüge geklettert sein. Trotz Überwachung.

Für reichlich Gesprächsstoff hat das Projekt der Bahn gesorgt, den Übergang in Millingen rund um die Uhr überwachen zu lassen. Wie berichtet, kontrolliert eine Sicherheitsfirma im Auftrag der Bahn, ob Personen die Gleise bei geschlossener Schranke überqueren. "Millingen haben wir ausgesucht, weil dort leichtsinniges Überqueren der Gleise vermehrt festgestellt wurde", so Bahnsprecher Franz Heumüller. Er bestätigt auch, dass die Posten 24 Stunden in mehreren Schichten im Einsatz sind. Es sei auch wichtig, den Bereich in der Nacht zu kontrollieren, weil dann besonders viele Güterzüge unterwegs seien.

Ein identisches Projekt der Bahn läuft auch am Übergang 's-Heerenberger Straße in Emmerich. Und dort erlebte Klaus Wortmann am Montag selbst, wie gefährlich es auf den Gleisen werden kann. Dort habe ein Zug stolze 20 Minuten gestanden. Manchem war das offenbar zu lange und Wortmann konnte kaum glauben, was er sah: "Ich habe beobachtet, wie tatsächlich Leute über den wartenden Güterzug hinweg geklettert sind", berichtet er. Er habe den Personen noch zugerufen, dass sie ein schlechtes Vorbild seien. Darauf kam keine Reaktion. Enttäuscht ist Wortmann vor allem, weil auch der Mitarbeiter der Bahn nichts unternommen habe. "Es kann doch nicht sein, dass da Posten für teures Geld aufgestellt werden und die nur zusehen, wenn Personen über die Züge klettern." Offenbar hätten die Mitarbeiter gar keine Handhabe, um einzuschreiten.

Das bestätigt die Bahn tatsächlich. "Es geht darum, die Leute auf ihr Fehlverhalten anzusprechen und so zu erreichen, dass sie in Zukunft vor den Schranken warten", erläutert ein Bahnsprecher. Bußgelder würden nicht verhängt, allerdings seien die Mitarbeiter angewiesen, bei besonders extremen Vorfällen die Bundespolizei als zuständige Behörde einzuschalten. "Das war bisher allerdings nichts nötig. Wir setzen auf die präventive Wirkung", hieß es gestern. Ohnehin könnten die Mitarbeiter niemanden zwingen, seine Personalien bekannt zu geben.

Die Kontrolle an den Bahnübergängen sei ein deutschlandweit gängiges Verfahren. Nach Ablauf des Projekts rücken die Posten einfach ab. Eine Auswertung von Ergebnissen sei eigentlich nicht vorgesehen.

(RP)
Mehr von RP ONLINE