Emmerich: Koekkoek-Haus wird zur Goldschmiede

Emmerich: Koekkoek-Haus wird zur Goldschmiede

Neun Goldschmiedemeister aus dem Klever Land zeigen ihre Kunst im Haus Koekkoek: Von der Bürgermeisterkette bis zum Bauhaus-Armband, von filigranem Ohr-Schmuck bis zum Kulturpreis sind ausgesuchte Stücke zu sehen.

Es ist "nur" das Gesellenstück und doch ist es zeitlos: jenes geradezu wuchtig wirkende, klar geschnittene Armband mit einer Ebenholz-Schmuck-Schließe. Man sieht, dass Antje Grumke in einer Werkstatt lernte, die mit dem Denken des Bauhauses verbunden war, die Max Bill von der Ulmer Schule noch kannte. Gerade mal 200 Gramm wiegt das mächtige Stück aus Silber, dessen Schließe man auch bei Bedarf tauschen könnte, erklärt die Goldschmiede-Meisterin. Ihr Meisterstück liegt gleich darunter: eine spannend gefaltete und gekantete Goldkette.

Foto: mgr

Während Antje Grumke mit ihren Arbeiten von 1997 zu den jungen Vertretern der Goldschmiedekunst gehört, ist Bodo Schmitt mit über 90 Jahren der Senior, der jüngst den Diamantenen Meisterbrief bekam. Dafür müsse man doch nur alt genug werden, sagte Schmitt gestern im Haus Koekkoek. Stolz ist Schmitt, dass er den Benvenuto-Cellini-Wettbewerb gewann und vor allem kann er mit Stolz auf einen wichtigen städtischen Auftrag blicken, den er als junger Mann bekam: 1959/60 sollte er eine leichtere Kette für den Bürgermeister der Schwanenstadt machen. Sie ist heute noch im Amt. "Wenn die Bürgermeisterin sie braucht, wird sie aus der Vitrine herausgeholt", sagt Geisselbrecht-Capecki, die künstlerische Leiterin des Hauses Koekkoek. Schmitt erzählt, wie er den goldenen Ritter in der silbernen Plakette in filigraner Kleinarbeit erstellt hat, die Schrift aus Gold auf das Silber fügte, Bergkristalle für die Kettenglieder wählte. In der Vitrine liegt ein sehr schönes Stück lebendige Stadtgeschichte.

Foto: matthias Grass

Neun Goldschmiedemeister hat Ursula Geisselbrecht-Capecki ins B.C. Koekkoek-Haus eingeladen, dort ihr Handwerk, ihre Kunst zu zeigen. Jeder der neun Frauen und Männer hat in dem Stadtpalais eine Vitrine bekommen, in der er seine schönsten Einzelstücke präsentieren kann, dazu wurden die Zeichnungen und Pläne, die Bilder und Grafiken, die für das Meisterwerk gemacht wurden, ausgewählt und ebenfalls ausgestellt.

Foto: matthias Grass

Zu sehen sind Arbeiten von Bodo Schmitt, Herbert Peerenboom, Josef Schmidthausen, Markus Breuckmann, Atussa Charghi-Janssen, Antje Grumke, Hildegard Püttgen, Marianne Nijland und Sabine Schumann. Die Eröffnung ist am Sonntag durch Joachim Schmidt, Vorsitzender der B.C. Koekkoek-Stiftung. Es spricht Ursula Geisselbrecht-Capecki.

Unter den feinen Arbeiten von Josef Schmidthausen, darunter eine filigrane Brosche aus den Studienjahren, die 1973 mit einer neuen Technik geschaffen wurde, steht natürlich auch der Kulturpreis der Stadt Goch. Schmidthausen schuf dafür eine an eine Armillarsphäre erinnernde Kugel aus verschiedenen Ringen und Kreisen. Sie ist einfeines Stück - genauso, wie ein gelbgoldenes Armband mit rauer Oberfläche.

Herbert Peerenboom hat in einem grafischen Besteck Messer und Löffel und Gabel Gold mit Holz vereint. Ein Hauch von Silber umspielt die Kette von Marianne Nijland, ebenso, wie ihr getriebener Pfau von den vielen verschiedenen Techniken kündet, die die neun Meister verwenden.

Die Ausstellung ist noch bis zum 13. Mai zu sehen.

(mgr)