Emmerich: Klinikverbund soll Übernahme abwenden

Emmerich: Klinikverbund soll Übernahme abwenden

Kleve, Geldern, Wesel, Emmerich, Goch, Kalkar, Kevelaer: Die katholischen Krankenhäuser können nur gemeinsam unabhängig bleiben. Ansonsten übernehmen Klinik-Ketten wie Helios.

Die Nachricht kam nicht gerade aus heiterem Himmel: Die "Pro Homine"-Holding, zu der das Weseler Marienhospital und das Emmericher Willibrord-Spital gehören, will das Gelderner Krankenhaus übernehmen (die RP berichtete exklusiv). Damit versucht der Krankenhausverbund von der rechten Rheinseite, was auch schon die Katholischen Kliniken im Kreis Kleve (KKiKK) versucht haben: sich selbst in einem neuen, stärkeren Verbund zu organisieren, um gegen eine Übernahme gewappnet zu sein. KKiKK besteht aus den Häusern in Kleve, Goch, Kalkar und Kevelaer,

Das Schreckgespenst für die sieben Kliniken ist der drohende Verlust der Unabhängigkeit. Weil einzelne Krankenhäuser oder kleine Verbünde auf Dauer der Konkurrenz nicht standhalten können wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit und fehlendem Austausch von Know how.

So erklärte Professor Volker Runde, Chefarzt der Onkologie in Goch, vor einem guten Jahr bei einer Diskussionsveranstaltung: "Wenn wir gewisse Bereiche nicht bald zusammenlegen, sind wir bald übernahmereif." Der private Krankenhausbetreiber Helios, der aktuell 74 Kliniken hält, habe bereits Interesse signalisiert.

Auch in Wesel, wo Holding-Geschäftsführer Dr. Johannes Hütte nach eigenem Bekunden für weitere Gesellschafter offen ist, stehen die Zeichen auf Partnersuche und Expansion – und zwar nicht erst seit den Gesprächen mit Geldern. Bereits 2008 erklärte Heinrich Schnieders, Hütte-Vorgänger und Sanierer des Emmericher Willibrord-Spitals, in einem RP-Interview vielsagend: "Wir wollen diesen Verbund (gemeint war Wesel-Emmerich, die Red.) wenn möglich noch erweitern. Erste Gespräche mit dem Holding-Verband in Kleve (KKiKK, die Red.) laufen bereits."

Die KKiKK hat ebenfalls längst ihre Fühler ausgestreckt – und zwar nach dem Gelderner Krankenhaus. 2011 sind laut der dortigen Mitarbeiterzeitung Kooperationsgespräche mit der KKiKK erwähnt worden. Die CTT in Trier – das ist die Mutter des Gelderner Clemens-Hospitals – will das Krankenhaus verkaufen, weil die Gesellschaft sich auf die Heimat konzentrieren will. Geldern ist zu weit weg.

Die Zeichen stehen also auf Kooperation. Auch wenn die hiesigen Krankenhaus-Chefs das derzeit nicht so offen sagen. Aber mögliche Käufer haben längst ein Auge auf die katholische Krankenhausregion geworfen. So beantwortet ein Helios-Sprecher eine RP-Anfrage nach dem Interesse an KKiKK oder "Pro Homine": "Wir können uns zu laufenden, zukünftigen und möglichen Klinik-Akquise-Verfahren nicht äußern."

(RP)