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Emmerich: Klassik schröpft die Kasse

Emmerich : Klassik schröpft die Kasse

Für die Oper "Madame Butterfly" sind Tage vor der Aufführung gerade mal 100 Karten verkauft worden. Das ist peinlich und ein finanzielles Desaster. Der Verlust wird mehrere Tausend Euro betragen.

Am Montag gastiert im Stadttheater die "Compagnia d´ Opera Italia di Milano" mit Giacomo Puccinis Oper "Madame Butterfly". Das Stück verspricht, ein Höhepunkt im Kulturangebot der Stadt zu werden. Das italienische Ensemble reist mit 35 Orchestermitgliedern und ebenso vielen Sängern an. Die Werbemaschinerie läuft seit Monaten auf vollen Touren — über Presse, Internet und Rundfunk, es wurden Flyer gedruckt, mehrere hundert Briefe an Theaterkunden versandt. Doch die Bilanz drei Tage vor der Aufführung: Es wurden gerade einmal 100 Karten verkauft.

Das war es wohl für die Oper in Emmerich, sagt Kulturchef Michael Rozendaal. Die Stadt ist Mit-Veranstalter der Aufführung: "Wir haben gedacht, wir könnten damit noch ein bisschen Geld machen. Jetzt ist das Gegenteil der Fall. So etwas können wir uns nicht mehr leisten." Wie hoch genau die Verluste des Kulturbetriebes sein werden, konnte er nicht abschätzen, nur so viel: "Es ist sehr teuer."

Ein Blick über die Grenzen der Stadt zeigt: Auch die Spielpläne von Theatern in Duisburg, Essen, Düsseldorf oder Gelsenkirchen sind geschrumpft, aber die meisten Vorstellungen sind ausverkauft. Bei den Eintrittspreisen liegt Emmerich an der untersten Grenze in der Region. Erst recht im Vergleich zu wesentlich teureren Angeboten in der Nachbarschaft, beispielsweise zu den Sommerfestspielen in Xanten.

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Eigentlich ist die Kultur für Emmerich ohnehin unbezahlbar. "Die Kosten für eine Theaterveranstaltung können von 5500 Euro bis 9500 Euro gehen, zuzüglich Aufführungsrechte und Sozialversicherungsbeiträge", rechnet Michael Rozendaal vor. "Maximal kann eine Vorstellung 11 000 Euro kosten. Wenn wir da Personal- und Energiekosten noch drauflegen, ist das aus den Eintrittsgeldern nicht zu finanzieren."

(RP/jt/jul)