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Rees: Klasse Songs in dicker Luft

Rees : Klasse Songs in dicker Luft

Wie der Vater so der Sohn: Neil Finn lieferte einst einen der besten Auftritte beim Halderner Open Air ab. Sein Sohn Liam zeigte jetzt in der Pop-Bar, dass Musikalität offenbar in der Familie liegt.

Tja, so ist das nun einmal. Wenn der größte Hit des Vaters "Weather with you" heißt, dann muss sich wohl auch der Sohn immer mit dem Wetter rumschlagen. Neil Finn schrieb mit dem "Crowded House"-Song Musikgeschichte, sein Sohn Liam zeigte in der Haldern Pop Bar, dass sich ein Neuseeländer auch vom feucht-warmen Klima im Lindendorf nicht schrecken lässt. Als dem bärtigen Sänger nach zwei Songs der Schweiß von der Stirn tropfte, schimpfte er über das "Maggie-Weather", was prompt zu Gelächter im Publikum sorgte. Die Fans klärten Liam auf, dass das in Haldern "schwül" heiße. Finn strahlte. Wieder was gelernt auf der Tournee.

Und der Musiker fand Spaß daran, das neue Wort in möglichst jede Ansage einzubauen. Vor allem als er entdeckte, dass die Scheiben der Bar so beschlagen waren, dass keiner mehr nach draußen schauen konnte. "It's like the Titanic" jubelte Finn, ging zum Fenster und bearbeitete dieses wie ein Schiffbrüchiger, dessen Boot zu sinken droht. Schnell schrieb er noch "He're we are" in den Dunst auf der Scheibe. Quasi als Botschaft an die draußen, die das Konzert lieber an der frischen Luft vor der Bar verfolgten. Sie verpassten eine Menge. Denn wenn Vater Neil für einen der besten Auftritte auf dem Open Air gesorgt hat, dann stand ihm sein Sprössling in der Bar kaum nach. Sein Gastspiel war ein Höhepunkt der Pop-Bar-Geschichte. Liam Finn spielte die exzellenten Songs seines Debüt-Albums "I'll be lightning" nicht nur werkgetreu runter, sondern inszenierte sie. Eine Midup-Tempo-Nummer wie "Remember when" ließ er beispielsweise locker loslaufen, ging in den Mitsing-Refrain über, um kurz danach den ganzen Song durch wilde Rückkoppelungs-Orgien niederzustrecken. Ein Lied kündigte er sogar ironisch als "Rammstein-Cover" an, um dann wie wild auf die Gitarre einzudreschen.

Kein Wunder also, dass er ebenso wie seine zwei Mitstreiter nach einer Stunde platt war. Lindendorf-Schwüle gibt eben auch einem Neuseeländer den Rest.

(RP/jul)