Rees: Kies: Experte sieht ungeklärte Fragen

Rees: Kies: Experte sieht ungeklärte Fragen

Mit Nabu, BUND und Privatleuten hat die Initiative "Eden" einen Gutachter um eine Stellungnahme zur Reeser Welle gebeten. In den Plänen der Kiesindustrie sieht er zwar auch Verbesserungen, aber auch etliche Versäumnisse.

Die Gegner des Abgrabungsvorhabens Reeser Welle haben gehandelt: Die Initiative "Eden" hat sich jetzt zusammen mit den Naturschutzvereinigungen BUND und Nabu sowie einigen Privatbürgern an ein Gutachterbüro in Darmstadt gewandt, um zunächst einmal eine hydrogeologische Fachberatung mit einer abschließenden Stellungnahme zu der geplanten Auskiesung vor den Toren Esserdens einzuholen. Sie hat zwar nicht den Stellenwert eines Gutachtens, soll aber Aufschluss darüber geben, ob der von der Kiesindustrie vorgelegte Antrag alle Punkte berücksichtigt, die für das Dorf Esserden relevant werden könnten.

Wie berichtet, planen die beiden Kiesunternehmen Hülskens und Holemans eine 94 Hektar große Abgrabung zwischen dem Rhein und Esserden. Das Vorhaben zieht sich bereits seit Jahrzehnten hin. Ende letzten Jahres legten die beiden Unternehmen überarbeitete Pläne vor, über die jetzt der Kreis Kleve als Genehmigungsbehörde entscheiden muss. Mit einer besonderen Vorrichtung, einer so genannten Dichtschürze, soll verhindert werden, dass der ohnehin schon hohe Grundwasserspiegel durch die Abgrabung in Esserden weiter ansteigt oder bei Hochwasser zu Problemen führt. Die Abgrabungs-Gegner bezweifeln die Wirksamkeit dieses Verfahrens, weil es dafür keinerlei Erfahrungswerte gebe.

Die Stellungnahme des von den Kiesgegnern beauftragten Experten sieht in den Plänen zwar auch Verbesserungen im Vergleich zu dem vorangegangenen Antrag - etwa durch die nicht mehr vorhandene Anbindungs des Kiessees an den Rhein - hat aber auch einige fragwürdige Punkte in den Plänen aufgeführt. So sei nicht geklärt, wie sich von der Landseite kommende, Richtung Rhein fließende hohe Grundwasserströme verhalten würden, wenn sie auf die Dichtschürze treffen. Ebenfalls nicht untersucht worden sei, ob der natürliche Flutlehmbereich im Bereich des Bienener Altrheins im Zusammenhang mit der Abgrabung für einen Rückstau sorgt. Zudem sei offen, wie sich ein Starkregenereignis, so wie vor zwei Jahren, auswirke.

Mit dem Vorgehen, selbst eine Stellungnahme eines Gutachters einzuholen, hat die Initiative aus ihrer Sicht schon einmal Erfolg gehabt. Der vorangegangene Antrag zur Reeser Welle sei auch aufgrund der Aussagen des von ihr beauftragten Gutachters zu Fall gebracht worden. Auf den gleichen Effekt hofft die Initiative "Eden" auch jetzt, hält aber an ihrer Kritik fest, die Stadt Rees wehre sich nicht konsequent genug gegen die Auskiesung.

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Gemäß eines Ratsbeschlusses aus dem Jahr 2016 lehnt die Stadt Rees jede weitere Abgrabung auf ihrem Gebiet ab. In der letzten Reeser Bauauschusssitzung wurde zudem die Genehmigungsbehörde Kreis Kleve von der Politik dazu aufgefordert, ein unabhängiges Gutachten über die hydrogeologischen Auswirkungen der Reeser Welle für Esserden einzuholen.

Klaus Awater, zweiter Vorsitzender von "Eden", warf gestern in einer Pressemitteilung Bürgermeister Christoph Gerwers vor, weder bereit noch willens zu sein, sich notwendige Hilfe von außen - sprich ein unabhängiges Gutachten - einzuholen. Argument seien die hohen Kosten von 100.000 Euro für ein hydrogeologisches Gutachten. "Dabei bräuchte es als ersten Schritt doch statt eines aufwendigen Gutachtens erst einmal nur eine hydrogeologische Fachberatung mit einer abschließenden fachlichen Stellungnahme."

"Der Kreis Kleve wird erst nach eingehender Prüfung aller Einwände - im Übrigen auch dem Einwand der Stadt Rees - eine Entscheidung darüber fällen, ob die Reeser Welle technisch überhaupt genehmigungsfähig ist", sagt "Eden"-Sprecher Dr. Leo Rehm. Umso wichtiger sei eine vollkommen unabhängige Prüfung von außerhalb.

(RP)