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Kiebitzkücken in Rees und Emmerich deutlich früher als sonst geschlüpft

Waldohreulen im Garten / Nestflüchter geschlüpft : Die ersten Kiebitzkücken sind da

Die Kiebitze haben in diesem Jahr offenbar deutlich früher als sonst mit der Brut begonnen, hat das Naturschutzzentrum festgestellt. Und auch die Waldohreulen scheinen sich in Rees wohl zu fühlen.

(ms/RP) Den Osterhasen bekamen Heidi und Heinz Wellmann am Wochenende nicht zu Gesicht. Dafür aber ein Waldohreulen-Pärchen, das sich hoch oben in den alten Bäumen ihres Gartens niedergelassen hat. „Vier bis sechs Eier werden dort knapp vier Wochen lang ausgebrütet“, hat sich Heidi Wellmann inzwischen kundig gemacht. „Die Nistzeit der Jungvögel beträgt noch einmal 18 bis 25 Tage. Wir werden ein Auge darauf haben, dank Corona haben wir ja momentan viel Zeit.“

Dabei wollen sich die Wellmanns natürlich an alle Regeln halten, die das Bundesnaturschutzgesetz und die europaweite Vogelschutzrichtlinie vorgeben. „Wenn man eine Waldohreule sieht, darf man sich ihr nur unauffällig nähern und sie kurz betrachten“, sagte Wolfgang R. Müller, Vertrauensperson des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz für Rees und den Niederrhein, bereits 2018 im Interview mit der RP. „Man darf die Eulen auch fotografieren, aber sollte nicht allzu lang unter dem Baum herumlaufen. Mutwillige Störungen sind mit Stress für die Tiere verbunden und deshalb gesetzlich verboten.“ Im Kreis Kleve sind Waldohreulen keine Seltenheit. Nach der Brutzeit schließen sie sich oft in kleinen Gruppen zu „Schlafgemeinschaften“ in laubreichen Bäumen zusammen. Im Stadtgebiet Kleve wurde schon eine Gruppe von 40 Waldohreulen gezählt.

 Waldohreulen entdeckten jetzt Heidi und Heinz Wellmann in ihrem Garten.
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Das Markenzeichen der bis zu 35 Zentimeter großen Waldohreulen sind die langen Federohren. Die Augen sind groß, der Schnabel ist gekrümmt, das Gefieder ist bräunlich, rindenartig gemustert und bietet eine gute Tarnung im Laub. „Die Tiere sind dämmerungs- und nachtaktiv“, schrieb Wolfgang R. Müller in einem Fachbeitrag für den „Kalender für das Klever Land“ im Jahr 2019. „Sie verbringen den Tag ruhend im Baum. Mit Anbruch der Dämmerung werden sie unruhig und fliegen zu einem Ort, an dem sie ihr Gewölle ausspeien.“ Das sind Speisereste, die der Magen-Darm-Trakt nicht verdauen kann, primär Knöchelchen oder Haare von Feldmäusen. Diese Kleinsäuger sind die Hauptbeute der Eulen. In Rees gehen die Eulen gern im Rheinvorland auf die Jagd, zum Beispiel im Abschnitt zwischen Mühlenturm und Raue Straße und dort, wo die Lindenallee auf den Deich stößt. Sie fliegen auch nach Bergswick und zur ehemaligen Woy.

„Die Waldohreulen brüten an Waldrändern mit angrenzendem Grünland oder in besonders großen Gärten“, weiß Wolfgang R. Müller. Im Stadtkern von Rees gibt es keinen Uhu, den natürlichen Fressfeind der Waldohreulen. Auch Hauskatzen können ihnen wenig anhaben, da die Waldohreulen, auch mit geschlossenen Augen und im scheinbaren Trance-Zustand, jede Gefahr in ihrem Umfeld wahrnehmen, zumal die lokalen Singvögel lautstark vorwarnen, sobald eine Katze im Anmarsch ist.

Ebenfalls sind jetzt die ersten Kiebitzküken zu beobachten. In Emmerich und Rees sind sie zu Ostern geschlüpft, berichtet das Naturschutzzentrum des Kreises Kleve in Bienen. Damit haben die Kiebitze dieses Jahr deutlich früher mit der Brut begonnen. Anscheinend haben sie gleich die ersten schönen Tage Mitte März genutzt, um mit dem Eierlegen zu beginnen.

„Dass wir bei uns noch Kiebitze auf den Feldern bewundern können, ist der guten Zusammenarbeit mit den Landwirten vor Ort zu verdanken“, erklären die Naturschützer. Kiebitze sind Bodenbrüter und bauen ihre Nester gerne ins lückige kurzaufgewachsene Feuchtgrünland oder auf Felder mit wenig oder keiner Vegetation. Da sich die Brutzeit der Kiebitze mit der Feldbewirtschaftung überschneidet, ist einiges an Aufwand nötig, damit die Gelege bei der Bearbeitung unversehrt bleiben. Zuerst werden die Nester von Mitarbeitern und Praktikanten des Naturschutzzentrums im Kreis Kleve gesucht. Dann werden sie markiert, damit die Landwirte wissen, wo sich die Gelege befinden. Da die brütenden Kiebitze bei Störungen auffliegen und die Eier gut getarnt sind, ist es ansonsten sehr schwierig, bei der Bestellung der Felder die Gelege ausfindig zu machen. Die Landwirte fahren dann bei jedem Bearbeitungsschritt ums Gelege herum.

Kurz nachdem sie geschlüpft sind, erkunden sie ihre Umgebung. Kiebitze sind nämlich Nestflüchter und begeben sich, mehr oder weniger selbstständig, auf Nahrungssuche. Gut geeignet hierfür sind extensive Grünlandflächen in der Nähe. Hilfreich auf Feldern sind zudem Blühstreifen und Feldsäume, die neben ausreichend Nahrung auch Schutz vor Räubern bieten.