Rees: Kein Weg führt nach Emmerich

Rees: Kein Weg führt nach Emmerich

Guido Cantz und Rees: Der bekannte Comedian hat sich vor seinem Auftritt in Rees umgeschaut und das Städtchen für gut befunden. Im Bürgerhaus gab er der Reeser Seele das, was sie braucht: ein paar Sticheleien gegen Emmerich.

Guido Cantz mag es nicht, wenn er noch kurz vorm Auftritt Interviews geben soll. "Da bis du einfach unheimlich angespannt. Du weißt nicht, wie läuft der Abend. Wie sind die Leute drauf?" Das Lampenfieber geht eben auch nach hunderten Auftritten im Karneval nicht weg.

Also hatte Cantz sich schon einige Tage vor dem Tourstart ein Bild von "seinem" Auftrittsort Rees gemacht. Er trank Kaffee im Hotel Rheinpark, plauderte dort mit den Journalisten und flanierte anschließend mit Kulturchef Ludger Beltermann und Comedy-Organisator Bruno Schmitz über die Promenade zum Bürgerhaus, um sich schon mal den Saal anzusehen. "Optimal" fand er und bestätigte das, was auch Bruno Schmitz immer wieder von den Kabarettisten hört. "Die schätzen das Gefühl, das Publikum von oben komplett im Blick zu haben. Das gibt dem Auftritt einen intimen Rahmen."

Klasse findet das auch Bruno Cantz, für den die aktuelle Tour auch so etwas wie das "Warm Up" für "Verstehen Sie Spaß" ist. Denn der Kölner wird Nachfolger von Frank Elsner und übernimmt die Samstagabendshow. Auch da wird alles live sein. Für Cantz kein Problem. Das ist er aus dem Karneval gewöhnt. Und doch ist so ein Auftritt mit dem eigenen Programm etwas ganz anderes. "Denn da bist du wirklich für alles verantwortlich. Wer kommt, der kommt nur wegen dir. Ist der Saal leer, musst du auch damit leben. Ich bin eben kein Mario Barth, der Stadien füllt."

Als er in Rees in den Saal blickt, kann Cantz zufrieden sein. Das Bürgerhaus ist mit rund 400 Besuchern bestens gefüllt und vom Lampenfieber ist nichts zu spüren. Denn Cantz hat sich gut vorbereitet. Er ist vorher durch "Bienen" gefahren und ruft in den Saal: "Wo sind denn die ganzen Majas aus Bienen?"

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Auch dass Rees und Emmerich sich nicht ganz grün sind, hat er sich vorher verraten lassen und lässt das lässig ins Programm einfließen. "Wenn der Reeser "Emmerich" als Zielort in den Navi eingibt, heißt es nur: keine digitale Straße verfügbar."

Das Publikum lacht und applaudiert frenetisch. Emmericher scheinen kaum im Saal zu sein. Und der Entertainer spielt die Überraschungs-Karte, von der er schon vorher sicher war, dass sie stechen wird. "Ich spiele live Klavier, das überrascht viele komplett, weil sie gar nicht wissen, dass ich auch singe und ein Instrument spiele." Und das hervorragend.

Am Klavier zieht er deutsche Songs als Schlaflieder durch den Kakao. Mehr als drei Stunden steht Cantz auf der Bühne und zeigt auch bei der Zugabe kaum Verschleißerscheinungen. Für die Überziehung von "Verstehen Sie Spaß" scheint er gerüstet. Nach Rees wird er wohl gerne zurückkommen dürfen, dafür sorgte schon das Abschiedslied. Cantz dichtete "My Way" in "Mein Rees" um. Die Besucher waren sich einig: Für Emmerich hätte er das nicht getan. Das hätte auch von den Silben nicht gepasst.

(RP)