Emmerich/Rees/Isselburg: Kein Notstrom-Aggregat, sondern ein Erdbeben

Emmerich/Rees/Isselburg : Kein Notstrom-Aggregat, sondern ein Erdbeben

In der Polizei-Leitstelle in Kleve dachten die Beamten zunächst, das Notstrom-Aggregat sei angesprungen. Denn die Computer auf den Tischen begannen um 21.03 Uhr auf den Tischen zu wackeln und zu rappeln.

Nach wenigen Sekunden war der Spuk vorbei.

Bis die Telefone zu klingeln begannen und klar wurde, dass es nicht das Aggregat gewesen war, das die Tische ins Wanken gebracht hatte. Ein Erbeben mit einer Stärke von 4,9 hatte sich offenbar wellenartig auch über den Niederrhein ausgebreitet. Später wurde der Wert auf 3,7 reduziert. "Der gesamte Kreis Kleve war davon betroffen", berichtete ein Polizeisprecher gestern Abend, während im Hintergrund bereits das nächste Telefon klingelte.

Irgendwann hatten die Beamten ebenso aufgehört zu zählen wie die Kollegen von der Feuerwehr in der Kreisleitstelle. Glücklicherweise blieb es bei besorgten Nachfragen von Bürgern, die den Erdstoß ebenfalls gespürt hatten. "Größere Schäden sind uns bisher nicht bekannt, unsere Beamten mussten auch zu keinen Einsätzen heraus", so die Polizei.

Einsatzkräfte der Feuerwehr Emmerich hatten sich nach dem Erdstoß vorsichtshalber in der Wache getroffen. Schäden gab es aber wohl nicht.

Die Meldungen über das Epi-Zentrum gingen gestern Abend noch auseinander. Während die Landespolizei-Leitstelle von Herzogenrath sprach, war in anderen Meldungen von Goch mitten im Kreis Kleve die Rede.

Auf jeden Fall gab es kaum jemanden in Emmerich, Rees oder Isselburg, der den Erdstoß nicht bemerkte. Viele Bürger waren spontan aus dem Haus auf die Straße gelaufen, wie Thomas Geerts in Rees-Mehr. "Das lief wie eine Welle ab, das konnte man unter dem Haus spüren", berichtete er. Alles im Gebäude habe gewackelt. Ihn erinnerte der Erdstoß wie viele andere auch an das Erdbeben am Niederrhein Anfang der 90er Jahre.

Am Morgen des 13. April 1992 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 5,9 das deutsch-niederländische Grenzgebiet. Mehr als 30 Personen in NRW wurden verletzt, vor allem durch herabfallende Schornsteine und Dachziegel. Der Sachschaden auf deutscher Seite lag bei etwa 150 Millionen Mark. In Köln stürzte eine Kreuzblume vom Dom.

Nach Ansicht des Geologischen Dienstes NRW zählt der Niederrhein zu den am stärksten von Erdbeben betroffenen Regionen Deutschlands.

Experte Dr. Klaus Lehmann hatte bereits vor einiger Zeit stärkere Erdstöße auch für Emmerich und Rees nicht ausschließen wollen. Verantwortlich dafür wäre der Viersener Sprung, ein Riss in der Erdkruste. Besondere Gebäude, wie etwa Krankenhäuser, werden deshalb auf extra dicken Fundamenten gebaut.

Hier geht es zur Infostrecke: Erdbeben: Die Kommentare unserer Leser

(RP/jul)