Emmerich: Katastrophenfall Emmerich

Emmerich: Katastrophenfall Emmerich

"Schiffsunglücke und andere Katastrophen": So lautet der Titel der neuen Ausstellung im Rheinmuseum. Die RP sah sich vorab um – und war erstaunt, wie viele Schicksalsschläge es in der Rheinstadt schon gegeben hat.

Vor 50 Jahren geschah direkt vor der Rheinpromenade ein Schiffsunglück, das noch lange nicht nur in Emmerich für Gesprächsstoff sorgte: Die "Tina Scarlett", ein in Köln im Auftrage Dänemarks gebautes Fährschiff, kollidierte mit dem Tankschiff "Diamant" auf dem Weg nach Rotterdam und ging in Flammen auf.

Die beiden Schlepper konnten das noch nicht manövrierfähige Fährschiff nicht halten, als es aus dem Ruder lief, so dass es zu der folgenschweren Kollision kam. Die "Diamant" hatte Kerosin geladen. Der Kapitän öffnete geistesgegenwärtig die Ventile, wodurch er eine Explosion verhinderte. Allerdings blieb von der "Tina Scarlett" nur noch Schrott übrig.

Da die Stadt Emmerich noch kein eigenes Feuerlöschboot besaß, kamen Rettungskräfte aus Duisburg zu Hilfe. Zwei Jahre später schenkte die Landesregierung der Stadt ein eigenes Löschboot. Es wurde 1984 durch das heutige ersetzt. Das Unglück geschah genau in der Stunde, in der in der Stadt alle Glocken zum Gedenken an die Zerstörung Emmerichs im Jahre 1944 läuteten.

Das Rheinmuseum erinnert mit einer Foto-Ausstellung über "Schiffsunglücke und andere Katastrophen" an bedeutsame Ereignisse. So wie an das Jahr 1929, als der Rhein zugefroren war. Menschen, Kühe und Schweine passierten den Strom, und weil der "Weg" mit Streumitteln versehen war, wurde von den Passanten ein Groschen Gebühr verlangt. Zuletzt erlebte man den zugefrorenen Rhein im Jahre 1962.

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Im Vergleich zu den weltweiten Überschwemmungskatastrophen der letzten Jahre erscheinen die Hochwasser-Probleme für Emmerich relativ harmlos. In diesem Zusammenhang lobt Museumsleiter Herbert Kleipaß die Arbeit der Deichschau: "Die Leute klagen zwar immer wieder mal über den Beitrag, doch ohne den Verband und die Pumpwerke sähe es hier ganz anders aus."

Noch in den 50er Jahren habe man beispielsweise in der Hetter im Winter Schlittschuh laufen können, heute sind die Flächen trocken. Bis auf die Jahre 1988 und 1990, als der Rheinpark unter Wasser stand, blieb der Strom in seinem Bett. Viele Millionen Mark wurden aber investiert, damit – wie beispielsweise in Köln oder an der Mosel – "der Rhein nicht eines Tages im Wohnzimmer steht", so Kleipaß.

In der Ausstellung findet der Besucher Fotos von den Bombenangriffen im Krieg sowie auch Dokumentationen zu Explosionen von Industrieanlagen, bei denen es Tote und Verletzte gab. Einigen Emmerichern noch in Erinnerung ist der Brand der Gasolin-Werke Anfang der 40er Jahre an der Reeser Straße. In jüngerer Erinnerung geblieben ist die Gasexplosion mehrerer Häuser an der Frankenstraße sowie der verheerende Großbrand im Emmericher Bahnhof im September 2007. Es gab Verletzte und Gefahren durch Rauchentwicklung.

"Wir liegen halt im Transitgebiet", erklärt Kleipaß. Entsprechend groß seien die Gefahren, die von Straßen-, Schienen- und Flussverkehr ausgehen.

(RP)
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