Emmerich: Kappentausch mit Papst Franziskus

Emmerich : Kappentausch mit Papst Franziskus

Lars Giesen aus Bislich hat bei einer Papstaudienz auf dem Petersplatz in Rom in der ersten Reihe gesessen. Bei einer zweiminütigen Begegnung mit dem Oberhaupt der Katholiken kam es zum Tausch von Kopfbedeckungen.

Lars Giesen hat bei einer Papstaudienz auf dem Petersplatz in Rom in der ersten Reihe gesessen. Bei einer zweiminütigen Begegnung mit dem Oberhaupt der Katholiken kam es zum Tausch von Kopfbedeckungen.

Prominente hat der bekannte Autogrammsammler Lars Giesen schon viele getroffen. Diese Begegnung aber wird er nie mehr vergessen: Auf dem Petersplatz in Rom hat er Papst Franziskus bei einer Generalaudienz persönlich getroffen und mit ihm bei dieser Gelegenheit sogar die Kappe getauscht. Möglich gemacht hat dies eine Reihe von Zufällen, und die Beharrlichkeit des früheren Gymnasiasten am Reeser Gymnasium Aspel, der durch ein Netzwerk Verbindungen zum Vatikan knüpfte. "Es war alles wie im Film", sagte Giesen gestern.

Nach dem Besuch: Lars Giesen ist stolzer Besitzer einer Papst-Zucchetto. Foto: Lars Giesen

Die Idee einer Reise in den Vatikan hatte der 40-jährige verheiratete Familienvater Giesen gemeinsam mit seinem Freund Sascha Dörger (39), Grafiker aus Mülheim. Der hatte die Zehn Gebote einst grafisch gestaltet. Die Illustrationen von Sascha Dörger bilden eine Brücke zwischen biblischen Text und modernen Alltag. Über dreißig Ausstellungen wurden bisher realisiert, sogar in der Schweiz und den Niederlanden. "Im Religionsunterricht wird das Lehrmaterial zu den Illustrationen inzwischen vielfach eingesetzt, da man mit den Schülern schnell ins Gespräch kommt", sagt Giesen. Als er die Arbeit erstmals gesehen habe, habe er zu Dörger gesagt "Das wäre doch ein tolles Geschenk für den Papst."

Fasziniert von der Idee, jungen Menschen mit moderner Bildsprache Werte zu vermitteln, haben die Freunde das Projekt "Vision Zukunft Jugend" ins Leben gerufen. Da wollen sie zusammen weitere Arbeiten realisieren. Giesen -früher lebte er in Haldern - arbeitet als Grafiker in Wesel.

Als Gastgeschenk brachte Lars Giesen dem Papst einen 3D-Druck eines Kinderwagens, der gleichzeitig auch Rollator und Rollstuhl ist. Foto: Lars Giesen

Zuerst stellten Giesen und Dörger die Grafiken der Deutschen Bischofskonferenz vor. Die hätten sich, so Giesen, von der modernen Bildsprache überzeugt gezeigt. "Das war ein gutes Fundament." Über Georg Gänswein, Präfekt des Päpstlichen Hauses, wurden sie schließlich zur Generalaudienz eingeladen und durften dort als einer der wenigen Gäste in der ersten Reihe, der sogenannten "Prima Fila" sitzen. Dörger überreichte dem Papst ein gerahmtes Bild mit seiner Interpretation der Zehn Gebote. Lars Giesen, selbst als Grafiker auch künstlerisch aktiv, wiederum hatte sich für eine Umsetzung des Vierten Gebots ("Du sollst Vater und Mutter ehren") entschieden. Von der Druckerei 4D-Concepts aus Groß-Gerau ließ er einen dreidimensionalen Kinderwagen drucken, der gleichzeitig auch Rollstuhl und Rollator. Verschiedene Interpretationen dieses Werkes seien möglich, sagt Giesen. "Wir konnten merken, dass es den Papst sehr gefreut hat." Auch einige Kardinäle hätten sich die Geschenke interessiert angeschaut.

Seit Montag sind Giesen und Dörger in Rom, noch bis zum heutigen Freitag weilen sie dort. Die Begegnung mit dem Papst war am Mittwoch. Auf dem Petersplatz begrüßte Papst Franziskus zunächst wie üblich die aus vielen Ländern eingetroffenen Pilger, verlas jeweils Grußbotschaften in Landessprache. Danach nahm er sich Zeit für die rund 80 Besucher in der "Prima Fila". Giesen und Dörger hatten da die Chance, ihm die Geschenke zu überreichen. Als Franziskus merkte, dass es sich um Besucher aus Deutschland handelt, habe er wenige Worte auch auf Deutsch gesagt, berichtet Giesen. Für ihn als katholischen Christen, ehemals Messdiener, sei die Begegnung auch aus Glaubensgründen eine besondere gewesen.

Foto: Lars Giesen

Für diese am Ende zweiminütige Begegnung hatte sich Lars Giesen noch etwas Besonderes ausgedacht. Im Vorfeld hatte er sich eine Kappe ("Zucchetto") besorgt, die genauso aussah wie die des Papstes. Giesen fragte dann höflich beim Papst an, ob der die Kappe tauschen wolle. "Ich hatte gelesen, dass er das ab und an macht." Manchmal würde der Papst auch nur die angebotene Kappe in die Hand nehmen, dann aber seine eigentliche wieder aufsetzen. Bei ihm sei es aber ein echter Tausch gewesen, sagt Giesen. "Ich bin jetzt im Besitz einer Original-Zucchetto des Papstes." Der Papst wiederum hätte beim Begrüßen der weiteren Gäste seine Kappe getragen.

Foto: Lars Giesen

Bildlich festgehalten wurde die Begegnung von zwei Fotografen des Vatikans. Lars Giesen konnte diese Bilder nachher kaufen. Darauf, den Papst nach einem Autogramm zu fragen, hat Giesen diesmal verzichtet. Das wäre dem Anlass nicht gerecht gewesen, sagt Giesen: "Es wird andere Wege geben, so ein Autogramm zu bekommen. Mir wurde es in Aussicht gestellt."

(RP)
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