Kabarettist Johann König tritt in Emmerich auf

Interview Johann König : „Mit dem Bio-Boot nach Emmerich“

Johann König hat drei Kinder gezeugt, zwei Bäume gepflanzt und ein Haus gebaut. Somit drängen sich nun neue Aufgaben auf: Welche das sind, davon berichtet der 47-Jährige im Emmericher Stadttheater.

Herr König, 2016 waren Sie schon einmal in Emmerich. Was ist Ihnen in Erinnerung geblieben?

JOHANN KÖNIG Die Rheinpromenade, der Bahnhof und die sehr humorvollen Menschen. Emmerich ist eine sehr alte und beruhigende Kleinstadt, die noch kleiner ist als meine Geburtsstadt Soest, dafür aber am Wasser liegt. Als Besitzer eines Bootsführerscheins möchte ich die Stadt irgendwann mal mit dem Schiff besuchen und dann auch die Fischpräparationen im Rheinmuseum anschauen.

Der Werbetext zu Ihrem Programm „Jubel, Trubel, Heiserkeit“ verspricht Folgendes: „Kühl in der Analyse, warm in der Poesie, heiß in der Darbietung.“ An welcher Stelle übertreibt die Werbung besonders?

KÖNIG An keiner! Die Analyse über die Deutschen, mit ihren Bockspringbetten, Geländewagen und Mauern aus eingezäunten Steinen, ist sachlich und kühl. Das blutigste Gartengedicht, das je geschrieben wurde, verspricht Wärme. Und die Darbietung ist zwischendurch so heiß und schweißtreibend, dass euch die Ohren schlackern werden!

Das Programm feierte im Oktober 2018 Premiere. Streng genommen, haben Sie also ein Jahr lang in anderen Städten für den Auftritt in Emmerich am 9. Oktober geprobt. Wie hat sich das Programm im Laufe eines Jahres verändert?

KÖNIG Das Programm wurde immer mehr gekürzt, weil immer mehr dazu gekommen ist. Klingt komisch, ist aber so. Die Länge ist am Ende gleich geblieben, obwohl die Längen verkürzt wurden. Inhaltlich ist es natürlich so geblieben. So oder so ähnlich.

Wenn Sie eines Tages mit dem Boot von Köln nach Emmerich fahren wollen: Reizt es Sie, ein Zeichen für die Umwelt zu setzen und mit so einer Öko-Hightech-Yacht zu kommen, mit der Greta Thunberg in die USA gesegelt ist?

KÖNIG Ja. Ich komme dann aber mit einem selbstgebauten Bio-Boot aus kompostierbarer Maisstärke. Man muss sich ja im Grunde nur treiben lassen von Köln. Und in Emmerich werde ich dann aussteigen und das Boot an die Schweine verfüttern.

Was sagen Greta-Thunberg-Witze über unsere Gesellschaft aus?

KÖNIG Vielleicht, dass die Lage immer noch nicht von allen ernst genommen wird? Andererseits darf man sich über fast alles ein bisschen lustig machen. Ich gehe zum Beispiel regelmäßig in einen Unverpacktladen in Köln und finde das gut und sinnvoll. Gleichzeitig mache ich mich darüber lustig. Es ist ein sehr schmaler Spagat, wie der Franzose sagt. Das musste auch Mario Barth erfahren, der es mit seiner „Kritik“ an Greta Thunberg wohl etwas übertrieben hat.

Mischen Ihre Kinder bei „Friday for Future“-Demonstrationen mit?

KÖNIG Der Sohn ist in der fünften Klasse und läuft mit. Er fährt mit der U-Bahn da hin, aber ich stelle mir oft vor, wie er mich dann mittags anruft und abgeholt werden will aus der City. Und wie ich dann mit unserem Porsche-SUV vorfahre und er vor aller Augen einsteigt und ich ihm als erstes einen Hamburger in die Hand drücke. Das wäre lustig. Aber leider haben wir gar keinen SUV und er noch kein Mobiltelefon. Und Hamburger mag er auch nicht. Schade eigentlich.

Sie gehen in Ihrem Programm auch der Frage nach, was effektiver ist: „Kinder, die aus Umweltgründen auf die Schule verzichten, oder Eltern, die aus Umweltgründen auf Kinder verzichten?“ Wie lautet die Antwort aus Sicht eines dreifachen Vaters?

KÖNIG Auf Kinder zu verzichten ist klimatechnisch gesehen eine sinnvolle Sache, menschlich gesehen etwas unnatürlich. Ich zumindest wollte unbedingt Kinder haben und wäre ohne Kinder sehr unglücklich geworden. Natürlich gibt es auch Phasen, zum Beispiel in den Ferien, da würde ich gern auf meine Kinder verzichten, um endlich mal Urlaub zu haben. Urlaub mit Kindern ist nämlich meiner Erfahrung nach ein Paradoxon.

Als Ihre Kinder klein waren, haben Sie ihnen ein eigenes Programm gewidmet. Bietet das junge Trio inzwischen weniger Comedy-Angriffsfläche?

KÖNIG Die Kinder bieten immer noch genügend Stoff für die Bühne. Der Zehnjährige liest zum Beispiel ausschließlich Comics und redet mit uns auch in Comic-Sprache. Wenn ich zu dem sage: „Kannst du mal deinen Teller in die Küche bringen!“, dann sagt er: „Aargh. Ächtz, Stöhn. Trapel-Wetz, Trapel-Wetz. Hechel-Keuch. Uff. Puh. Flitz“. Das ist wirklich wahr. Und es ist sehr lustig, wenn man nicht immer selbst dabei ist.

Der Programmtitel „Jubel, Trubel, Heiserkeit“ oder auch Ihr Buch „Gestammelte Werke“ kokettieren mit Ihrem sehr speziellen Vortragsstil. Wie wäre Ihre Karriere verlaufen, wenn die Natur Sie mit einer tiefen, maskulinen Stimme ausgestattet hätte?

KÖNIG Das weiß niemand. Ob die Stimme einen Anteil an der Komik hat, mag ich überhaupt nicht zu beurteilen. Als Markenzeichen habe ich selbst immer eher die Gedichte gesehen. Die Stimme war doch eher ein Mackenzeichen. Eine Macke, die ich kaum zu kontrollieren vermochte.

Sie sind seit mehr als 20 Jahren Komiker und Künstler, standen schoin auf unzähligen Bühnen. Aber Sie haben in den 90er Jahren einen Beruf gelernt, bei dem heute enormer Fachkräftemangel herrscht: Lehrer für die Sekundarstufe I. Was spricht gegen einen späten Wiedereinstieg in diese Branche?

KÖNIG Die viele Arbeit. Ich habe 80 Auftritte im Jahr. Den Rest kümmere ich mich um die Familie, das Haus und um mich. Einige meiner Freunde sind Lehrer. Und die meisten sind sehr erschöpft. Außerdem würden die Kinder vermutlich immer den Witz suchen, wenn ich ihnen ernsthaft etwas beibringen versuchte. Der Zug ist leider abgefahren.

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