Rees: Jury gegen Marienwallfahrt

Rees: Jury gegen Marienwallfahrt

Für die Gläubigen in Emmerich und Rees ist Kevelaer und seine Wallfahrt besonderes. Doch Weltkulturerbe wird sie nicht. Das ist jetzt klar. Und damit geht der Blick natürlich auch nach Rees und die Nachtwächterei.

Sogar Bischof Reinhard Marx und die damalige Umweltministerin Barbara Hendricks hatten die Bewerbung unterstützt, genützt hat es am Ende nichts. Das NRW-Ministerium für Kultur und Wissenschaft hat der Stadt nun mitgeteilt, dass die Wallfahrt nicht als "Immaterielles Kulturerbe" berücksichtigt werden kann."Die Jury hat den Antrag für die Marienwallfahrt in Kevelaer mit Mehrheit abgelehnt, da im Antrag nicht ausreichend erläutert wurde, inwiefern es sich um einen kulturellen Brauch im Sinne der Unesco-Konvention handelt", sagt Verena Hoppe, Sprecherin des NRW-Ministeriums.

Will die Nachtwächterei zum Kulturerbe machen: Heinz Wellmann. Foto: MS

In der Ablehnung hieß es, dass anhand der Beschreibung nicht deutlich wurde, was das Spezifische der Marienwallfahrt nach Kevelaer ist und wie sie sich zu anderen Wallfahrten verhält. Die Jury empfehle daher, "die Geschichte und Durchführungspraxis der Tradition mit Hilfe von Kulturwissenschaftlern zu reflektieren. Auch sollten die Pilgergruppen in den Prozess miteinbezogen werden." Bei der Stadt ist man enttäuscht. "Wir hatten schon gehofft, dass wir bei dem Thema weiterkommen", sagt Bürgermeister Dominik Pichler. Man müsse jetzt in Ruhe herausfinden, welche Aspekte bei der Bewerbung gefehlt haben. Manchen wird gewundert haben, dass die Wallfahrt nicht berücksichtigt wurde, während die "Anlage und Pflege der Flechthecken", die Bolzplatzkultur oder die "Hausbergwirtschaft im Siegerland und angrenzenden Regionen" anerkannt wurden.

Für Pichler würde eine Anerkennung als "Immaterielles Kulturerbe" einen großen Image-Gewinn für die Stadt bedeuten. "Zudem ist eine solche Auszeichnung auch ein Auftrag für die Zukunft, es ist eine Selbstverpflichtung. Kirche und Stadt würden damit noch mehr in die Pflicht genommen, die Marienwallfahrt zu hegen und zu pflegen", sagt Pichler. Ludger Holla von der Stadt sieht positive Hinweise in der Ablehnung. Schließlich hatte es darin geheißen, dass eine erneute Bewerbung in der Zukunft ausdrücklich nicht ausgeschlossen sei. Man das offenbar sogar begrüße. "Wir werden in der Sache daher auch noch Gespräche mit der Kirchengemeinde führen, um zu überlegen, wie wir weiter vorgehen", so Holla. Die Stadt hatte den Antrag gemeinsam mit St. Marien gestellt. Eine Überlegung ist, eine Bachelor- oder Masterarbeit zu dem Thema zu initiieren. "Der Antrag war aus Sicht der Jury zu allgemein.

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Durch eine Arbeit an der Uni könnte er wissenschaftlich untermauert werden", sagt Holla. Enttäuscht ist Weihbischof Rolf Lohmann, der noch als Wallfahrtsrektor die Bewerbung mit auf den Weg gebracht hatte. "Ich bedauere, dass die Unesco die Wallfahrt Kevelaer vorerst nicht als immaterielles Weltkulturerbe in ihre Liste aufnimmt. Dafür hatten sich die Stadt und die Wallfahrtsleitung vor zwei Jahren eingesetzt, als ich noch Wallfahrtsrektor in Kevelaer war." Doch auch ohne die Eintragung stünden Kevelaer und die Wallfahrt weiterhin für Toleranz und Offenheit über Länder- und Religionsgrenzen hinweg.

"Den besonderen Stellenwert der Wallfahrt hat die Unterstützung durch die damalige Bundesministerin Barbara Hendricks und Kardinal Reinhard Marx gezeigt. Vor allen Dingen wird dieser aber durch die hunderttausenden Menschen deutlich, die sich Jahr für Jahr auf den Weg zur ,Trösterin der Betrübten' machen."

Nicht nur Kevelaer möchte einen neuen Anlauf für Immaterielles Kulturerbe nehmen. Auch in Rees ist das Thema weiter auf der Agenda. Heinz Wellmann hatte bereits vor einiger Zeit den Antrag eingereicht, die Nachtwächterei als Kulturerbe anzuerkennen. Der Antrag war abgelehnt worden mit dem Hinweis, dass er zu sehr den touristischen Aspekt in den Vordergrund stelle. ""Wir überlegen daher jetzt, den Antrag zu überarbeiten und den historischen Aspekt mehr zu betonen", sagt Wellmann. Allerdings könne man den Antrag erst im kommenden Jahr stellen. Voraussetzung ist ohnehin, dass die Kommission im kommenden Jahr überhaupt neue Anträge zulässt. Das sei derzeit noch offen.

(zel)
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