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Johannes kettlack aus Emmerich und sein neues Buch über Corona

EMMERICH : Wie Corona aus seinem Tagebuch ein richtiges Buch machte

Johannes Kettlack schrieb als „Jan van Rijn“ ein Tagebuch über das Coronajahr 2020. Er wuchs in Praest auf und leitete später das Gymnasium Aspel. Sechs Jahre war er Rektor der Deutschen Schule in New York.

 „Was machst Du eigentlich in dieser Welt? Gestalte ich meine verbleibende Zeit sinnvoll oder ‚ver-warte‘ ich sie nur?“ Diese Fragen stellte sich der über 80-jährige Johannes Kettlack zu Beginn des letzten Jahres. Und entschied sich, ein Tagebuch zu schreiben, um sich Klarheit zu verschaffen. Ein Jahr lang wollte er Vorkommnisse, Handlungen und Überlegungen schriftlich festhalten, erkennen, wie sein Leben abläuft. „Welchen Beitrag leistet ein alter Mann im Ruhestand, den man gönnerhaft wohlverdient nannte, zum Wohlergehen aller?“ fragte sich der Senior. Seine „Sparringspartner“ waren die Medien und einige Bücher.  

„Und dann war es, als ob der Vesuv ausbrach. Plötzlich war alles anders – mit der Corona-Pandemie: Das Banale wurde zum Besonderen, das Persönliche zum Politischen und das Anekdotische konnte historisch werden“, so Johannes Kettlack, der als Jan van Rijn in dem Buch „Kam ein Kuckuck geflogen“ sein Tagebuch veröffentlichte. „Der Tod war nicht mehr nur ein individuelles Schicksal, es drohte der ganzen Menschheit der Untergang.“ Auf 576 Seiten beschreibt „Jan“ jeden Tag seinen Alltag, Schlagzeilen aus Nachrichten und Presse, passende Zitate aus Büchern. Mit eigenen Gedichten kommentiert er das Geschehen. Aus dem wohlklingenden Zwanzigzwanzig wurde eine Zeitenwende, und noch war Jan van Rijn dabei!

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Johannes Kettlack ist in Emmerich und vor allem auch Praest kein Unbekannter. Er wurde 1938 in Coesfeld geboren, kam als Fünfjähriger mit seiner Familie in das Südstaatendorf. Er besuchte dort den Kindergarten und die Volksschule und machte 1958 sein Abitur am Staatlichen Jungengymnasium in Emmerich. Kettlack war bei der Gründung des Praester Fußballvereins dabei, begann mit zehn Jahren in der Schülermannschaft und stieg mit den Herren auf.

„Das war 1960, der erste Aufstieg überhaupt - von der Kreisklasse zwei in die erste“, erinnert er sich. Bis zu den Alten Herren zeigte er sein Können am Ball. 1957 trat er den St. Johannes Schützen bei, war Zugführer des 12. Zuges.

Auch politisch war Kettlack in Emmerich tätig, 1966 trat er der Jungen Union bei, in den 70er Jahren war er für eine Wahlperiode im Stadtrat aktiv, kurze Zeit auch im Kreistag.

Nach seinem Studium in Münster, Frankreich und England war er von 1966 bis 1973 als Lehrer am staatlichen und städtischen Gymnasien in Emmerich tätig. „Schon damals führten wir die Nachmittagsbetreuung mit Mittagessen ein“, erzählt der heute 82-Jährige, der 1964 seine Anni heiratete und mit ihr drei Kinder bekam.

Es begann eine wechselhafte „Schullaufbahn“. Von 1973 bis 1977 war er Schulleiter am Gymnasium Aspel, ging dann für einige Jahre zur deutschen Schule nach Stockholm. Nach vier Jahren als Rektor in Gronau, packte ihn abermals das „Reisefieber“ und er wechselte nach New York, wo er von 1988 bis 1994 Schulleiter der deutschen Schule war. Dülmen war die letzte Station, bevor er 2002 in den Ruhestand ging.

Jetzt hatte Johannes Kettlack, der heute in Heek bei Ahaus lebt und im Sommer in seinem Häuschen in Schweden, endlich Zeit für kreatives. Er begann zu malen, doch sein Herzenswunsch war es, ein Buch zu schreiben. In der Familie fand er das Thema: Im Mittelpunkt seines ersten Buches „Dora und Gerlinde“ stehen seine Großmutter und seine Mutter. „Diesen beiden Frauen verdanke ich, dass aus mir etwas geworden ist“, sagt er. Der Roman ist eine chronologisch geordnete Darstellung des Lebens mehrerer Generationen, Handlungsort ist überwiegend ein Dorf am unteren Niederrhein.  

Weitere Bücher sind „Aufbruch am Lummensee“ über Ideale und Intrigen in der Kommunalpolitik, „Eine deutsche Pharaonin“, in dem es um gute und defizitäre Schulen geht, „Liebes Gut“ – vordergründig eine Kriminalgeschichte, die sich hintergründig mit Spätabtreibungen beschäftigt - und „Mein Herz ist nur ein Muskel“ mit „politischen Gedichten zum besonderen Verständnis von Frau Merkel“.

„Corona ist wie ein Kuckucksei, das man uns ins Nest gelegt hat“, erklärt Kettlack, der Großvater und Urgroßvater ist. Die Geschichte beginnt mit dem 1. Januar 2020 und dem Feuer im Krefelder Affenhaus und endet am 31. Dezember mit der Feststellung: „Aber die Pandemie ist noch nicht vorbei. Sie wird uns - wie die Klimakrise – weiter in Atem halten.“ Was dazwischen alles so passiert - vom Huhn, das ausbüxt, über Corona-Nachrichten, Begegnungen mit Menschen, das Wetter oder ein Zahnarztbesuch und vieles mehr - ist abwechslungsreich und lesenswert.