Retro-Magazin aus Haldern „Offline“ ist hier Trumpf

HALDERN · Gedruckte Liebeserklärung an die Medienkultur der „Generation X“: Jan Meininghaus widmet sein neues Magazin „Rekorder“ den Themen „Musik, Film & Video, Kunst, Popkultur und Untergrund“ aus 1970er- bis 1990er-Jahren.

 Der Halderner Illustrator Jan Meininghaus, hier inmitten seiner filmhistorischen Sammlung, verantwortet als Herausgeber und Chefredakteur das neue Magazin „Rekorder“.

Der Halderner Illustrator Jan Meininghaus, hier inmitten seiner filmhistorischen Sammlung, verantwortet als Herausgeber und Chefredakteur das neue Magazin „Rekorder“.

Foto: Michael Scholten

„Nein, früher war nicht alles besser“, sagt Jan Meininghaus. Und doch denkt der freiberufliche Illustrator gern an die Popkultur der 70er, 80er und 90er-Jahre zurück, die ihn in seiner Kindheit und Jugend nachhaltig prägte – mit „Star Wars“, „Ghostbusters“, „Alien“, „Zurück in die Zukunft“, US-Fernsehserien, VHS-Kassetten, BMX-Rädern, Skateboards, Hot Wheels, Hard Rock oder Heavy Metal. Das alles und noch viel mehr findet sich auch im Magazin „Rekorder“ wieder, das Jan Meininghaus als Herausgeber und Chefredakteur ins Leben rief und dessen Erstausgabe am Freitag, 22. März, erscheint.

Ein großer Pressevertrieb sorgt dafür, dass die komplett in Haldern gestaltete Zeitschrift an Kiosken, in Bahnhöfen und auf Flughäfen in Deutschland, Österreich und der Schweiz angeboten wird. 7,90 Euro kostet das Heft, das Jan Meininghaus bewusst als „Offline-Magazin“ bezeichnet: Wer die Geschichten lesen will, findet sie ausschließlich in der gedruckten Fassung und nicht im Internet. „Zu Werbezwecken gibt es zwar eine Facebook- und Instagram-Seite und auch eine Website, auf der man das Inhaltsverzeichnis, ein Impressum und die Mediadaten findet, aber der ,Rekorder‘ ist als analoges Printobjekt konzipiert worden und soll es auch bleiben.“

Kassettenrekorder und Videorekorder revolutionierten in den 1970er- und 80er-Jahren die Mediennutzung einer ganzen Generation. „Mixed Tapes“ waren die günstige und individuelle Alternative zu teuren Langspielplatten, VHS-Kassetten und Videotheken befreiten die Zuschauer vom festen Sendeschema der wenigen Fernsehsender. In dieser Tradition sieht Jan Meininghaus das neue Magazin als „eine gedruckte Liebeserklärung an die Medienkultur der Generation X, der letzten Generation, die noch mit analogen Medien aufgewachsen ist, also Kino, Fernsehen und Comics, und für die gedruckte Magazine der einzige Weg waren, sich über die für sie weltbewegenden Dinge zu informieren.“

Mehrere Beiträge hat der Chef selbst beigesteuert, weitere Geschichten kamen von Weggefährten der letzten 30 Jahre, von Journalisten ebenso wie von Fans bestimmter popkultureller Phänomene. Wichtig war Meininghaus, dass Frauen dem Autorenpool angehören und die weibliche Sicht auf üblicherweise männlich dominierte Themen einbringen. Das Ergebnis ist ein Stil- und Themenmix, der vom Porträt der deutschen Punkband Slime über ein Interview mit dem Skateboard-Papst Titus Dittmann bis zu Hitlisten der besten Musikfilme oder Filmwaffen wie auch zu Betrachtungen von populären Filmheldinnen und kuriosen Italo-Horrorfilmen reicht.

Viele Themen haben ihren Ursprung in früheren Jahrzehnten, sie reichen aber überraschend oft bis in die Gegenwart hinein. „Es vergeht ja kein Monat, in dem nicht ein beliebter Film von damals fortgesetzt, neu aufgelegt oder sonstwie recycelt wird oder mindestens zwei Charts-Bands aus den 80er-Jahren durch große Hallen touren“, sagt Jan Meininghaus.

Ein besonderer Clou ist, dass alle Fotos, die speziell für Interviews oder Reportagen gemacht werden, ebenfalls analog entstanden: Sie wurden nicht mit der Digitalkamera oder mit dem Handy gemacht, sondern klassisch auf Film oder mit der Polaroid-Kamera. Der Computer spielt dann aber schließlich doch eine Rolle: An ihm layoutet und illustriert Jan Meininghaus die 88 Seiten einer „Rekorder“-Ausgabe. „Wie viele Arbeitsstunden das waren, will ich lieber gar nicht ausrechnen, aber es macht ja auch Spaß, schließlich bin ich hauptberuflicher Grafiker, und der Design-Faktor liegt mir.“

Zunächst ist eine halbjährliche Erscheinungsweise des Magazins geplant. Der zweite „Rekorder“ ist auf den 20. September terminiert. Dafür werden weitere Autorinnen und Autoren gesucht, die gegen Honorar ihre Jugenderinnerungen mit der Leserschaft teilen: „Vielleicht möchte ein Colt-Seavers-Fan über die Rolle der Stuntleute früher und heute schreiben, oder jemand möchte erläutern, wie das New Hollywood die Kinolandschaft verändert hat“, sagt Jan Meininghaus. Mit dem „Rekorder“ hat sich der Halderner auf jeden Fall einen langgehegten Lebenstraum erfüllt: „Ich wollte schon seit 20 oder 30 Jahren eine Zeitschrift machen. Die habe ich jetzt.“

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