Fremde werden Freunde Kultur als Brückenbauer

Rees · Der Verein Fremde werden Freunde organisiert die zweiten Interkulturellen Tage in Rees. Zahlreiche Veranstaltungen sollen dabei helfen, dass Menschen unterschiedlicher Kulturen zusammenfinden können.

 Judy Bailey kommt mit ihrem Mann Patrick Depuhl am 27. Oktober zur Abschlussveranstaltung für eine Konzertlesung ins Bürgerhaus.

Judy Bailey kommt mit ihrem Mann Patrick Depuhl am 27. Oktober zur Abschlussveranstaltung für eine Konzertlesung ins Bürgerhaus.

Foto: Christoph Reichwein (crei)

„Fremde werden Freunde“ gibt es bereits seit den 1990er Jahren. Reeserinnen und Reeser wie die ehemalige Pastoralreferentin Marga Roth oder Anne Wagner kümmerten sich um Flüchtlinge, die – damals vorwiegend aus Jugoslawien – in die Rheinstadt gekommen waren. Aus der losen Verbindung von einst ist mittlerweile ein umtriebiger Verein mit gut 30 Mitgliedern geworden, der ein Hilfsnetzwerk im Kreis Kleve betreibt. Jetzt organisiert er zum zweiten Mal die Interkulturellen Tage in Rees. Ein wahrer Veranstaltungsmarathon, der vom 29. September bis zum 27. Oktober andauert.

„Der Wunsch, möglichst viele Veranstaltungen über einen längeren Zeitraum anbieten zu können, entstand bereits im letzten Jahr“, erklärt Sebastian Hiller vom Vorstand des Vereins. Hintergrund sei es, mit wenig Hürden möglichst viele Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen zusammen zu bringen.

Unter dem Motto „Kultur.Gut“ startet der Veranstaltungsreigen am 29. September mit dem Tag des Flüchtlings von 16 bis 18 Uhr im Kolpinghaus. Nach einem Grußwort von Bürgermeister Sebastian Hense will Maxwell de Oliveira mit seiner brasilianischen und spanischen Musik auf traditionellen Instrumenten diese Veranstaltung zu einem unvergesslichen Erlebnis machen. Anschließend werden ortsansässige Künstler ihre Werke in der Fotoausstellung „Faces. Gesichter der Integration“ bei orientalischem und internationalem Fingerfood und Getränken vorstellen.

Am 1. Oktober stehen dann von 11 bis 17 Uhr bei einem großen Familienfest auf dem Marktplatz Spiel und Spaß, Streetfood und Straßenmusik auf dem Programm. Dabei steht der Erntedanksonntag ganz unter dem Motto „Zusammenkommen“. Im Rahmen eines Herbstmarktes wird Gekochtes, Gebackenes und Gebasteltes angeboten. Spielmöglichkeiten wie Hüpfburg, Kinderschminken und viele weitere Überraschungen versprechen einen unterhaltsamen Familiensonntag. Der Eintritt ist frei, die Erlöse aus den Verkäufen kommen der Reeser Flüchtlingshilfe zugute.

Am 8. Oktober heißt es „Kino trifft Kirche“. In Kooperation mit den Machern des Niederrhein Filmfestival werden mehrere Kurzfilme mit den Themen Flucht, Interkulturalität und Integration im Kirchenschiff der evangelischen Kirche Rees gezeigt. Darunter „Der Langstreckenläufer“ des Regisseurs Zuniel Kim, der das Thema „Ankommen“ behandelt. Nach den Filmen wird es mit dem Regisseur und weiteren Akteuren Gespräche geben.

„Meine Heimat Nigeria“, heißt es dann am 11. Oktober bei einem Vortrag und Gespräch mit Pfarrer Augustine Ben Onwubiko im kleinen Saal des Bürgerhauses.. Er stammt aus Biafra in Nigeria und ist seit September 2020 in Rees als Priester tätig. Er berichtet über den Alltag in Nigeria mit all seinen Facetten und über den von ihm gegründeten Verein „Ezindu – Erlöstes Leben“.

Am 16 und 17. sowie am 23. und 24. Oktober lädt die Theaterpädagogin Silja Böhling-Buhl in ihre Theaterwerkstatt ins Haus Wesendonk nach Haldern ein. Gemeinsam wird an vier Tagenein Buch zum Thema „Integration“ gelesen, um Menschen mit und ohne Handicap, Menschen mit und ohne Migrationshintergrund und alle anderen Interessierten zusammenzubringen.

Am 20. Oktober findet im Jugendhaus Remix ein Workshop statt, der Sebsatian Hiller besonders am Herzen liegt: Unter dem Titel „Was darf ich überhaupt noch sagen? - Wie Rassismus versteckt bleibt“diskutiert Noah Weber mit Jugendlichen wie rassistische Stereotype im Alltag aufrechterhalten werden – und wie man ihnen am besten begegnet.

Der preisgekrönte Musiker, Autor und Kabarettist Murat Kayi kommt am 25. Oktober in die Stadtbücherei zur „Ganzkörperlesung“ Dabei berichtet er aus dem Niemandsland zwischen Westfalen und Anatolienmit erfrischenden Alltagsbeobachtungen, chaotischen Familiengeschichten und satirischen Einwürfen vom Seitenaus der Integration bringt er die Leichtigkeit zurück ins Thema. Interkulturelle Themen sind aber nicht das einzige Spielfeld des Autors. Mit tiefem Ernst trägt er haarsträubend verrückte und natürlich samt und sonders ausgedachte Biografien der „Volltrottel der Weltgeschichte“ vor, für die er auch Bildmaterial gesammelt hat.

Auf ein Highlight darf man sich dann noch einmal am 27. Oktober freuen, wenn Judy Bailey und ihr Mann Patrick Depuhl zur Abschlussveranstaltung mit der Konzertlesung: „Das Leben ist nicht schwarz-weiß“ ins Bürgerhaus kommen. Judy Bailey stammt ursprünglich aus Barbados. Die Musikerin und spielte ihre Lieder in über 30 Ländern vor Millionären und Präsidenten, für Papst Franziskus und drei Millionen Menschen in Rio, ebenso wie für Obdachlose, Gefangene und Geflüchtete. Ihre Musik ist Lebensfreude und Sonnenschein, Reggae, Rhythmus und Pop und die Hoffnung, an die sie auch in dunklen Zeiten zu glauben nicht müde wird.

Sebastian Hiller hofft, dass sich durch die vielen verschiedenen Veranstaltungen auch Menschen zusammenbringen und auf Probleme aufmerksam machen lassen, die „wir normalerweise nicht so erreichen“. Der gemeinnützige Verein „Fremde werden Freunde“ lädt einmal im Monat zum Internationalen Café ein. Eine Malgruppe ist daraus entstanden. Einmal im Jahr gibt es zudem einen Ganztagesausflug mit Geflüchteten aus Rees. Hilfe und Unterstützung leistet der Verein aber auch bei den Tücken das Alltags. Etwa bei Behördengängen oder beim Vermitteln von Deutschkursen, die besonders dringend benötigt würden. „Die Leute möchten gerne Deutsch lernen, aber leider gibt es zu wenig Kurse“, sagt Hiller.