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In Rees gibt es viel Detektiv-Arbeit in Sachen Corona

Corona-Pandemie : Detektiv-Arbeit in Sachen Corona

Wenn in Rees eine Corona-Erkrankung auftritt, müssen die Kontakte des Betroffenen genau untersucht werden. So kann sich nachvollziehen lassen, woher die Infektion möglicherweise stammt und wer eventuell noch gefährdet ist.

Wenn in Rees der Stadtverwaltung eine Corona-Infektion gemeldet wird, setzt sich ein Mechanismus in Gang, der ein wenig an Detektiv-Arbeit erinnert. Neben dem Kreis Kleve sind auch gut 20 Mitarbeiter im Rathaus momentan damit beschäftigt, Kontakte zu ermitteln, die die Erkrankten während ihrer Inkubationszeit und danach hatten.

„Man muss sich das ein wenig wie einen Stammbaum vorstellen, den wir abarbeiten müssen“, erklärt Stadtsprecher Jörn Franken. Zunächst einmal würden die Betroffenen nach ihrem Befinden gefragt. Dann wird versucht, heraus zu finden, zu welchen Menschen es Kontakte gab – Freunde, Verwandte, Arbeitskollegen.

Eine aufwendige Arbeit, die der Gefahrenabwehr dient. Hunderte von Telefonaten wurden bereits geführt. Auf diesem Wege konnte auch relativ schnell heraus gefunden werden, dass die vergleichsweise hohe Infektionszahl in der Stadt im Wesentlichen auf zwei Krankheitsherde zurückzuführen war –  auf eine Reisegruppe, die sich auf der Rückfahrt aus einem Skigebiet im Zug bei einer Touristin ansteckte, die bereits deutliche Symptome der Erkrankung zeigte, und auf die Teilnehmer einer Familienfeier, die in einem größeren Rahmen stattfand (die RP berichtete gestern). Gut 40 Personen machte beide Gruppen zusammen aus, deren weiteren Kontakte und Aktivitäten für einen bestimmten Zeitraum nun recherchiert werden mussten.

„Unser Vorteil in Rees ist, dass wir in einer kleinen Stadt leben. Hier ist das Umfeld meistens überschaubar, Kontakte lassen sich relativ schnell eingrenzen“, sagt Franken. Dennoch sei es für die Betroffenen natürlich nicht von vornherein möglich, sofort erschöpfende Auskunft über alle ihre Aktivitäten in einem bestimmten Zeitraum zu geben. Daher seien für einen Fall meist auch immer auch mehrere Telefonate nötig. Aber: „Die Infizierten arbeiten gut mit und geben uns viele hilfreiche Hinweise“, lobt Franken.

Aus den Telefonaten kann die Anordnung einer Quarantäne resultieren. Aktuell sind 120 Menschen in Rees davon betroffen. „Wie viele freiwillig in Quarantäne gegangen sind, wissen wir allerdings nicht“, erklärt der Stadtsprecher.

Die Reaktionen der Betroffenen seien überwiegend positiv. „Einige sind auch erst einmal geschockt, aber die meisten sind dankbar dafür, dass im Vorgriff reagiert wird“, sagt Franken.

Zwar steigt die Zahl der Corona-Infektionen auch in Rees momentan noch weiter an, doch dank der zahlreichen Einschränkungen, die es mittlerweile im öffentlichen Leben gibt, wird die Zahl der zu recherchierenden Kontakte hingegen geringer.