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Emmerich: "Ich mach' weiter, so lange ich fit bin"

Emmerich : "Ich mach' weiter, so lange ich fit bin"

Alfons Thesing ist seit 60 Jahren Schuhmachermeister, einer von wenigen, die es in der Region noch gibt. Der 85-Jährige ist immer noch aktiv - in seiner Werkstatt und bei der Emmericher Wandergruppe.

Alfons Thesing ist aus der Emmericher Geschäftswelt nicht mehr wegzudenken. Seit 1959 ist der Mann aus dem Münsterland hier ansässig. Im Schuhgeschäft Jenster/Thesing an der Hühnerstraße, das 1933 von den Eltern seiner Frau gegründet und seit mittlerweile 20 Jahren von seiner Tochter Elisabeth Wolbring geführt wird, ist er auch mit 85 Jahren noch aktiv. Reparaturen rund ums Leder - egal ob Schuhe, Taschen oder Pferdegeschirr - sind seine Spezialität. Jetzt bekam Alfons Thesing von der Handwerkskammer Münster den Diamantenen Meisterbrief verliehen.

Als er vor 60 Jahren seinen Meister machte - damals musste er ein Paar klassische Herrenschuhe innerhalb von drei Tagen in der Lehrwerkstatt in Münster eigenhändig anfertigen - sah das Schusterhandwerk noch ganz anders aus. "Als ich nach Emmerich kam, gab es zwischen Elten und Praest noch 13 Schuhmacher. Ich bin der einzige, der davon übrig geblieben ist", erzählt Alfons Thesing. Das Problem für sein Handwerk: "Schuhe reparieren darf heute mittlerweile im Prinzip ja jeder", weiß er.

Im Geschäft an der Hühnerstraße ist Alfons Thesing auch mit 85 Jahren aktiv wie eh und je. Seine Tochter Elisabeth war das einzige seiner drei Kinder, das sich für Schuhe begeisterte. Also übernahm sie auch den Laden in dritter Generation, der nach wie vor auf eines besonderen Wert legt: "Die Qualität muss stimmen."

Modisch orientiert und auf bestimmte Marken ausgelegt, lockt das kleine Geschäft trotz der Konkurrenz von Billigketten immer noch Stammkunden aus Emmerich und der Umgebung an. Alfons Thesing freut's: "Ich habe in meinem Leben viel Glück gehabt", sagt er.

Er erinnert sich in diesem Zusammenhang auch besonders gerne an die Seligsprechung Adolph Kolpings zurück, die er mit seiner inzwischen verstorbenen Frau Maria vor einigen Jahren in Rom erleben durfte. "Das war das religiöse Ereignis unseres Lebens."

Aktiv ist Thesing übrigens auch bei der Emmericher Wandergruppe, der er seit 1971 angehört und die von Franz Wolters gegründet wurde. Einmal im Monat werden acht bis zwölf Kilometer absolviert. Seit 34 Jahren ist er der "Leithammel". Unter anderem auch aus diesem Grund: "Schließlich werden beim Wandern ja auch Schuhe verschlissen", witzelt er. Und beim Wandern gilt für Alfons Thesing übrigens das gleiche Motto wie für seine Arbeit: "Ich mach' weiter, so lange ich fit bin."

(RP)