Emmerich: Hilfe, der Kaiser kommt!

Emmerich: Hilfe, der Kaiser kommt!

Eine Autostunde von Emmerich entfernt wartet eine spannende Ausstellung auf Geschichtsinteressierte. Es geht um Wilhelm II. in den benachbarten Niederlanden.

Im Jahr 1918 - vor 100 Jahren -schlossen die Kriegsparteien einen Waffenstillstand: der Erste Weltkrieg war vorbei. An diesem Tag erreichte Kaiser Willem II. , der gerade aus Deutschland geflohen war, Schloss Amerongen. Auf Ersuchen der niederländischen Regierung stellte Graf Aldenburg Bentick dem Kaiser sein Haus zu Verfügung. Ursprünglich sollte der Kaiser nur drei Tage in Amerongen verbleiben, daraus wurden letztlich 18 Monate.

Im Jahr 2018 beschäftigt sich Schloss Amerongen ausführlich mit dieser Periode des Umbruchs. Seit Anfang Juni werden die Besucher durch die Ausstellung: "Hilfe, der Kaiser kommt!" in diese unruhigen Zeiten, rundum den Aufenthalt des Kaisers auf Schloss Amerongen, mitgenommen.

Das tägliche Leben auf Schloss Amerongen wurde fortan in hohem Maße durch die Anwesenheit des Kaisers bestimmt. Nach seiner Ankunft wurde das Gelände des Schlosses hermetisch von der Außenwelt abgeriegelt. Die Presse, Entführungsversuche und zahlreiche Drohbriefe verursachten eine angespannte Atmosphäre innerhalb der Schlossmauern. Die Bewohner des Schlosses wurden überraschend und ohne Vorbereitung ein Teil der Folgen des Ersten Weltkriegs. Diese geschichtlich wichtige Periode wird mit der Ausstellung: "Hilfe, der Kaiser kommt!" aus Sicht der Schlossbewohner aus beleuchtet. Wie haben sie diese hektische Zeit erlebt? Wie war der Umgang mit dem Kaiser? Und wie verhielt der Kaiser sich?

  • Das Team der Waldorf-Initiative mit Kindern.
    Rees : In guten Gesprächen

Die Anwesenheit des Kaisers hatte auch große Folgen für die Niederlande: Die Regierung musste viel leisten, um die unzähligen Reaktionen aus dem In- und Ausland diplomatisch in gute Bahnen zu leiten. Schloss Amerongen stand deshalb kurzfristig im Mittelpunkt Europas, vielleicht sogar der Welt. Der Aufenthalt des Kaisers in Amerongen ist in vielerlei Hinsicht ein historischer Moment für Europa. Am 28. November 1918 unterzeichnete der Kaiser auf Schloss Amerongen die Abdankungserklärung. Dadurch wurde dem Deutschen Kaiserreich und der Hohenzollern-Dynastie ein Ende gesetzt. Die Welt der kleinen alltäglichen Sorgen und die Politik der großen internationalen Weltbühne treffen auf Schloss Amerongen in überraschender Weise aufeinander.

Für diesen Sommer wurden die dekorierten Räumlichkeiten des Schlosses wieder genau wie vor 100 Jahren eingerichtet. In den Küchen sind die typischen Gerichte aus der Zeit des Kaisers und seines Gefolges zu sehen.

Zum ersten Mal erstrahlt auch das noch nie vorher ausgestellte kaiserliche Tafelservice wieder im Esszimmer. Das Jahrhunderte alte Himmelbett in dem Kaiser Wilhelm geschlafen hat, wurde dafür restauriert. Die ausgestellten Menükarten, Briefe, historischen Dokumente, Zeitungen und Fotos geben einen Einblick in das tägliche Leben. Nicht allein im Schloss, sondern auch in den Gärten sind die Spuren des kaiserlichen Aufenthalts zu erkennen.

(RP)