Emmerich: Hier wird kleinen Vögeln geholfen

Emmerich: Hier wird kleinen Vögeln geholfen

771 Tiere wurden im vergangenen Jahr bei der Greifvogel- und Wildauffangstation am Tierpark Weeze abgegeben. Diese Aufgabe ist rein ehrenamtlich nicht mehr zu stemmen. Daher wurde jetzt ein Förderverein für die Anlage gegründet.

Wenn jemand schon Nero heißt, dann ist er immer mit Vorsicht zu genießen. Das ist beim Uhu gleichen Namens nicht anders, der stolz auf dem Arm von Ulrike Schnabel thront. Interessiert hat Nero den kleinen Karim ins Auge gefasst, der nur einen Meter weiter auf dem Arm von Tierparkleiterin Marie-Christine Kuypers sitzt. "Wir müssen da sicherheitshalber etwas Abstand halten, der Steinkauz gehört nämlich durchaus zum Beuteschema des Uhus", sagt sie schmunzelnd. Die beiden majestätischen Vögel sind der lebendige Beweis dafür, wie gut die Arbeit der Greifvogel- und Wildtierauffangstation funktioniert. Beide Tiere kamen hier nämlich zur Welt: Nero im Jahr 2009, der kleine Karim im vergangenen Jahr.

Steinkauz Karim mit Vertretern der Gründungsmitglieder auf der Anlage in Weeze. Foto: Latzel

Die Zahl der Tiere auf der Station ist im Laufe der Zeit immer weiter gestiegen. Im Jahr 2015 waren hier 400 Tiere aufgenommen worden, drei Jahre später waren es dann bereits 771, eine Steigerung um satte 92 Prozent. Und es ist nicht abzusehen, dass die Nachfrage abnehmen wird, daher kam der Wunsch auf, die Einrichtung auf breitere Füße zu stellen. Denn bislang trägt Wilhelm Schnabel mit seiner Frau die Hauptarbeit. 365 Tage sei er im Einsatz, oft auch in der Nacht, wenn jemand anruft, der ein Tier gefunden hat.

Die Station nimmt längst nicht nur Vögel auf. Im vergangenen Jahr kamen auch Rehe, zwei Füchse, Hasen oder ein Waschbär auf der Anlage in Weeze unter, die unmittelbar am Tierpark liegt.

"Diese hohe Belastung ist arbeitsmäßig auf Dauer nicht mehr zu schaffen", sagt Konrad Schnabel. Eine rein ehrenamtliche Versorgung der Tiere sei kaum mehr möglich.

Der Wunsch ist daher, dass über den neuen Förderverein Mittel generiert werden, um zusätzliches Personal einzustellen. Es gibt zwar bereits einen Förderverein, der besteht allerdings nur aus Privatpersonen. Die neue Organisation hat starke Partner im Rücken. So gehören zu den Gründungsmitgliedern der Kreis Kleve, die Gemeinde Weeze, die Kreisjägerschaft, die Kreisbauernschaft, der Rheinische Fischereiverband, der Waldbauernverband sowie Graf von Eulenburg und Hertefeld als Hausherr.

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Der bisherige Förderverein soll aufgelöst und den Mitgliedern empfohlen werden, in den neuen Verein einzutreten. "Wir sind froh, dass so viele Institutionen bereits bei der Gründung mitmachen", sagt Max Freiherr von Elverfeldt-Ulm, Vorsitzender des neuen Fördervereins. Ziel des Vereins sei, dem ehrenamtlichen Team finanziell, materiell und organisatorisch unter die Arme zu greifen.

Wichtig sei auch die Öffentlichkeitsarbeit. Schnabel bietet Führungen durch die Station an. Vor allem Schulklassen nehmen das Angebot gerne an. Auch das könnte mit Unterstützung des Fördervereins ausgeweitet werden. "Die Station übernimmt eine wichtige Aufgabe im Kreis", sagte Landrat Wolfgang Spreen. Wer ein Tier findet, egal ob in Wachtendonk oder Hochelten, kann es kostenlos abholen lassen. Thomas Jäger von der Kreisjägerschaft stellte aber klar: "Es geht jetzt nicht um einen Aufruf, möglichst viele Tiere einzusammeln." Wichtig sei, die Tiere erst einmal in Ruhe zu lassen. Oft nehme jemand an, ein Tier sei in Not, dabei reiche es oft, es einfach in Ruhe zu lassen.

Die Mitgliedschaft im Förderverein kostet zehn Euro im Jahr.

Wer ein verletztes Tier gefunden hat, kann sich an die Notfallnummer 0170 9725405 wenden.

(zel)