Kommentar: Herr Tur Tur muss Emmericher sein

Kommentar: Herr Tur Tur muss Emmericher sein

Drei Autobahnanschlüssse für eine Stadt mit 30.000 Einwohnern. Düsseldorf hat sieben bei 600.000 Einwohnern. Rechnet man es mal um, müsste die Landeshauptstadt im Vergleich zu Emmerich 60 Autobahnanschlüsse haben.

Kennen Sie Herrn Tur Tur? Das ist der Scheinriese aus der Augsburger Puppenkiste. Die Figur ist eine tolle Erfindung. Von weitem erscheint er groß. Kommt man näher, wird er kleiner und kleiner...

Mit Emmerich ist es ebenso. Der Name prangt in großen Buchstaben auf der A 3 in Oberhausen, drei Autobahnauffahrten hat die Stadt. Und, wie wir seit dieser Woche wissen, mit einer Gewerbesteuereinnahme im nächsten Jahr von fast 17 Millionen Euro. Das ist ungefähr das, was Fortuna Düsseldorf (um im Bild mit der Landeshauptstadt zu bleiben) in der Saison 17/18 als Etat für seine Zweitliga-Mannschaft zur Verfügung hat.

Viele Auswärtige können kaum glauben, dass Emmerich gerade einmal 30.000 Einwohner hat. Geschätzt wird die Stadt gerne auf mindestens das Doppelte. Das liegt zum einen an der Lage der Stadt direkt vor Holland zwischen Rhein, Bahn und A 3. Und natürlich an Firmen, die sich hier niedergelassen haben und in Deutschland bekannt sind.

Aber erklärt das drei direkte Zugänge zur A 3 ?

Vor Jahren entschieden die Emmericher, dass sie zum Logistik-Standort werden. Die Lage eignet sich einfach dafür. Und in der Landes- und Bundesplanung gilt Emmerich als eine Art Einfallstor für den deutschen und europäischen Markt. Hier fahren einfach jede Menge Lkw und Züge durch. Auch der Rhein ist eine Wasserstraße.

Der Stadt hat die Entscheidung gutgetan. Bei der BLG zum Beispiel arbeiten mittlerweile 250 Menschen. Was die Befürchtung von damals widerlegt, dass Logistik viel Fläche verbraucht (für die Lagerhallen), aber wenig Jobs bringt. Ein noch kürzerer Weg zur A 3 könnte weitere Firmen anlocken.

Es gab zudem Stimmen, der Emmericher Hafen werde nie aus den roten Zahlen herauskommen. Doch er ist mittlerweile gut aufgestellt und vernetzt und ist ein wesentliches Element für einen Logistikstandort.

Der neue Anschluss wird auch die Emmericher entlasten - und alle, die über die verstopfte B 220 versuchen, die Autobahn zu erreichen. Die Emmericher werden vermutlich an den üblich-verdächtigen Tagen eher über den neuen Anschluss auf die Autobahn fahren. Und die Lastwagen natürlich. Für die Speditionen ergeben sich eine Reihe von Kilometern, die durch die Abkürzung zur A3 eingespart werden. Was den Emmerichern zu ihrem logistischen Glück noch fehlt, ist eine Erweiterung des Hafens, so dass der Verkehr nicht mehr über die Reeser Straße und an Aldi vorbei führt.

Ganz wichtig: Die neuen Verkehre sorgen auch für neue Gefahren. Sicherheit für die Radfahrer ist von der Politik versprochen worden. Ebenso kann der Bereich Weseler Straße/Netterdensche Straße ein Gefahrenpunkt werden.

Da muss gehandelt werden.

(RP)