Auszeichnung geht nach Emmerich Ehrung für „Mister Rheinmuseum“

Emmerich · Der Landschaftsverband hat Herbert Kleipaß den Rheinlandtaler verliehen. Der 74-jährige Vrasselter wird damit für seine vielen Verdienste um den Emmericher Geschichtsverein und das Rheinmuseum gewürdigt.

 Herbert Kleipaß (3.v.r.) mit dem Rheinlandtaler. Landtagsabgeordneter Günther Bergmann, Honorarkonsul Freddy Heinzel, der stellvertretende Landrat Stefan Welberts, Gertrud Kersten (LVR), Bürgermeister Peter Hinze und Michael Solf (LVR) gratulierten.

Herbert Kleipaß (3.v.r.) mit dem Rheinlandtaler. Landtagsabgeordneter Günther Bergmann, Honorarkonsul Freddy Heinzel, der stellvertretende Landrat Stefan Welberts, Gertrud Kersten (LVR), Bürgermeister Peter Hinze und Michael Solf (LVR) gratulierten.

Foto: Markus Balser

Emmerich ist jetzt um einen Träger des Rheinlandtalers reicher: Seit Montag gehört nun auch Herbert Kleipaß in die Reihe der Preisträger aus der Rheinstadt, die die Auszeichnung vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) verliehen bekamen. Dazu gehören unter anderem Leonie Pawlak, Walter Axmacher, Heinz Evers, Hans Pickers und Hubert Meenen.

Dass der Rheinlandtaler nun erneut nach Emmerich ging, ist dem kulturpolitischen Sprecher des LVR, Michael Solf, zu verdanken. Der ehemalige Landtagsabgeordnete aus dem Rhein-Sieg-Kreis, der gebürtig zwar aus Siegburg kommt, aber vorübergehend auch in Emmerich lebte (als er Referendar im „Gymnasium am Parkring“ für Latein und Erdkunde war), hatte Herbert Kleipaß für die Auszeichnung vorgeschlagen – für seine Verdienste um die Kultur in Emmerich. Der Preis, so betonte die stellvertretende Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland, Gertrud Kersten, ist für Schatzbewahrer und Schatzsucher gedacht; für Menschen, die sich um das Rheinland als Kulturregion verdient gemacht haben.

Dass der Preis in der Kategorie Kultur an Herbert Kleipaß geht, ist daher schon fast logisch. Der Ur-Vrasselter, der in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag feiert, war 1977 Gründungsmitglied des Emmericher Geschichtsvereins mit aktuell rund 500 Mitgliedern. Seit der Gründung des größten Vereins der Stadt arbeitet er ehrenamtlich im Vorstand mit und ist derzeit Vorsitzender. Bei der Erforschung der Emmericher Geschichte arbeitet der Verein eng mit dem Stadtarchiv zusammen, in dessen Historie auch Herbert Kleipaß einen wichtigen Platz einnimmt: Er war dessen Leiter von 1972 bis 2015.

Als Experte der Stadtgeschichte hat der Emmericher sein Wissen in zahlreichen Vorträgen und Publikationen weitergegeben sowie rund 40 Jahre an der Redaktion der Reihe „Emmericher Forschungen“ mitgewirkt. Zahlreiche Publikationen wurden seitdem veröffentlicht, zum Teil von ihm selbst geschrieben, aber oft auch von ihm redaktionell begleitet.

Vor allem aber hat Herbert Kleipaß dem Rheinmuseum „ein Gesicht gegeben“, wie Laudator Michael Solf hervor hob. Ganze 50 Jahre leitet Kleipaß das Haus am Martinkirchgang ehrenamtlich und entwickelte in dieser Zeit das Museum räumlich und thematisch weiter. Vom Heimatmuseum, in dem sich eine Sammlung aus dem Krieg geretteter Einzelstücke befand, wurde es zum Rheinmuseum im wahrsten Sinne des Wortes; die Schifffahrt nimmt mit rund 150 Schiffsmodelle, Zubehör wie Anker, Glocken und Schiffslampen, einer Radaranlage, einem Schiffssimulator oder einem Steuerstand mittlerweile einen besonderen Platz ein. Ergänzungen mit den Themenbereichen „Fischerei am Niederrhein“ kamen hinzu, ebenso ein Nebenbau mit Exponaten aus der NS-Zeit, wie das Original Ein-Mann-U-Boot vom Typ „Biber“ aus dem Jahr 1944.

„Zu einem solchen Festplatz der Kultur kann man Ihnen nur gratulieren“, sagte Michael Solf, dessen Lob sich der stellvertretende Landrat Stefan Welberts anschloss: „Der Erfolg des Rheinmuseums spricht für sich.“ Bürgermeister Peter Hinze brachte es auf den Punkt: „Mir fällt niemand ein, der diesen Preis mehr verdient hätte, als Herbert Kleipaß. Über die Geschichte Emmerichs weiß er so gut wie alles. Mit seinem Engagement hat er der Stadt einen starken Auftritt verschafft. Chapeau!“

Der Preisträger selbst hielt sich in seiner Dankesrede gewohnt kurz und verschmitzt: „Dass ich diese Auszeichnung erhalten habe, freut mich sehr“, sagte er, ohne jene zu vergessen, die ebenfalls zum Erfolg des Rheinmuseums und des Geschichtsverein beigetragen haben. Neben seiner Frau Bärbel, „die mir immer den Rücken frei gehalten hat“, seien das vor allem die vielen ehrenamtlichen Helfer im Museum und vom Geschichtsverein gewesen. „Ich habe das einmal ausgerechnet, weil danach gefragt wurde: in den letzten 30 Jahren haben wir rund 78.000 ehrenamtliche Stunden ins Rheinmuseum investiert.“

Auch dass das Museum 1994 wegen finanzieller Probleme der Stadt kurz vor seiner Schließung stand, sprach Kleipaß an. „Dann machen wir das eben selbst“, habe Hubert Meenen damals zu ihm gesagt. Und so kam es dann auch. Seit 30 Jahren ist der Geschichtsverein Träger des Hauses, das bis heute über die Grenzen der Stadt hinaus als größtes Schifffahrtsmuseum am unteren Niederrhein einen guten Ruf genießt.

Bliebe nur noch die Frage zu klären, wie lange der Preisträger sein Engagement noch fortsetzen will. Dass er in absehbarer Zeit kürzer treten möchte, hatte Herbert Kleipaß wohl gegenüber der Stadt wohl schon mal angemerkt. „Darüber werden wir noch mal in Ruhe reden müssen. Ein Rheinmuseum ohne Herbert Kleipaß kann ich mir kaum vorstellen“, sagte Peter Hinze dazu.

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