Reees : Toller Abend in der Burgruine in Empel

Sia Korthaus bot ein facettenreiches Kabarett an der Burgruine in Empel

(he) Von der kontrastreichen Kulisse für ein unterhaltsames Event waren am Donnerstagabend rund 250 Besucher auf der Burgruine Empel fasziniert. Mit zunehmender Dunkelheit zauberten die mit Strahlern und Kerzen ausgeleuchtete Burg eine eigentümliche Atmosphäre, die vielleicht besser zu einem tragischen Schauspiel gepasst hätte. Stattdessen bejubelte das Publikum beim Klappstuhltheater die Kabarettistin Sia Korthaus. Mit ihrem Soloprogramm „Lust auf Laster“ strapazierte sie schonungslos die Lachmuskeln der Zuhörer. Weit mehr als eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung füllte sich der Burghof mit Besuchern, die gut versorgt mit Getränken sowie gesundem und weniger gesundem Proviant eingedeckt, einem lustigen Kabarettabend entgegenfieberten.

Sia Korthaus. Foto: Funke Foto Services GmbH

„Endlich wieder auf der Burg!“, begrüßte die Vorsitzende des Heimatvereins Millingen-Empel Monika Michelbrink Roth die Gäste. „Lehnen sie sich zurück und genießen die hochkarätige Kabarettveranstaltung!“ und dann startete Sia Korthaus ihre Attacken, witzig, etwas frivol und äußerst ausdrucksvoll in Mimik und Gestik.

Sie fand im Publikum keine Fernfahrer, die an diesem Abend alles über „Laster“ erfahren wollten. Stattdessen plauderte sie aus ihrem Nähkästchen und klärte die Freunde des Kabaretts in amüsanter Art über „ihre“ Laster auf. Zu ihren Favoriten gehörten unter anderem Geiz, Wolllust, Völlerei und Zorn. Es ging um verbotene Leidenschaften, um die alltäglichen Sünden. „Jeder hat sie, die kleinen und großen Laster“, behauptete sie, „sie haben oft den Reiz des verbotenen und sind sexy. Sexuelle Themen sind meine Kernkompetenz“, ergänzte sie. Bei der Kabarettistin dreht sich alles um die Verlockungen des Lebens. Im Plauderton verstand sie es, theatralische Geschichten des Alltags mit zweideutigen, hintergründigen Gedanken zu würzen. Geschickt zog sie alle Register ihrer Professionalität und begeisterte das Publikum mit ihrer großartigen Verwandlungskunst als Oma Emi, die immer „charmant“ daran erinnerte: „Bewusstsein kann man nur entwickeln, wenn man das zwischendurch schon mal verloren hat.“ Selbstverständlich gab sie als Oma immer wieder hilfreiche Tipps, wie sich ausschweifend Leben lässt – ihre sexuellen Eskapaden sind legendär.

Ganz bescheiden trat dann noch die „kleine schüchterne Britta“ in Form einer Handpuppe auf die Bühne, übrigens ein Lastenanhänger, die sich im Laufe des Abends erstaunlicherweise zu einem Vamp entwickelte.

Mit der gleichen Intensität ihrer scharfsinnigen und bissigen Art scheute Korthaus auch nicht die kritische Auseinandersetzung mit führenden Staatsmännern, die sie lieber auf den Mond schießen möchte. Ohne eine Betrachtung der heutigen Erziehungsmethoden der Kinder durfte der Abend nicht enden, denn auch Kinder haben Laster. „Die seit ewigen Zeiten strittige Auseinandersetzung, das Kinder nur angewärmte Milch trinken sollen, führe dazu, dass Mütter ständig mit Wärmflaschen an der Brust durch die Gegend laufen“, habe sie festgestellt.

(he)
Mehr von RP ONLINE