1. NRW
  2. Städte
  3. Emmerich

Heimatforscher Josef Becker aus Rees-Bienen ist im Alter von 90 Jahren gestorben

Im Alter von 90 Jahren gestorben : Bienen trauert um „Jupp“ Becker

Wie kein Zweiter setzte sich der Biener Heimatforscher für den Dialog ehemaliger Kriegsfeinde und die Aufarbeitung der Zwangsarbeit in Rees ein. Jetzt starb er im Alter von 90 Jahren.

In Bienen und weit über die Grenzen des Reeser Ortsteils hinaus trauern die Menschen um Josef „Jupp“ Becker. Der pensionierte Schuhmachermeister und langjährige Heimatforscher starb am vergangenen Sonntag im Kreise seiner Familie. Er wurde 90 Jahre alt.

Für seine besonderen Verdienste um die Völkerverständigung war Josef Becker schon vor zwölf Jahren mit der Silbernen Ehrennadel der Stadt Rees ausgezeichnet worden. Wie kein Zweiter setzte sich Becker für den Dialog ehemaliger Kriegsfeinde und für die Aufarbeitung jener Gräuel ein, die er als Jugendlicher hautnah miterleben musste.

Wenn ehemalige Soldaten der alliierten Streitkräfte, die im März 1945 den Rhein überquerten, Jahrzehnte später an den Ort der Häuserkämpfe von Bienen zurückkehrten, war Josef Becker stets zur Stelle, um mit den Veteranen und ihren Angehörigen auf eine Zeitreise zu gehen und zugleich in eine friedliche Zukunft zu blicken.

Daraus ergaben sich viele Freundschaften, wie etwa die zum Kanadier David Dickson, der 1945 als Major der „North Nova Scotia Highlanders“ in Bienen kämpfte und lebensgefährlich verletzt wurde. Sowohl auf kanadischer wie auch auf deutscher Seite gab es damals viele tote Soldaten. Josef Becker und David Dickson waren auch die treibenden Kräfte hinter der Gedenkstätte, die am 19. November 2000 in Bienen an der Kirche St. Cosmas und Damian errichtet wurde. Die Texttafeln erinnern an die gefallenen Soldaten, aber auch an die niederländischen Zwangsarbeiter, deren Leid im Kriegswinter 1944/45 alles andere als spurlos an Josef Becker vorbeiging. Mehr als 20 Zwangsarbeiter starben allein in Bienen durch Misshandlungen, Krankheiten und Hunger. Becker gehörte damals zu den Deutschen, die sich selbst in Gefahr brachten, indem sie den Zwangsarbeitern Essen gaben oder bei der Flucht halfen. Das „Comite´ Leefbaarheid Megchelen“, die „Oudheidkundige Vereniging Gemeent Gendringen“, die Gemeinde „Oude IJsselstreek“ und die Stadt Rees verliehen Becker im November 2011 eine Urkunde für seinen selbstlosen Einsatz als Jugendlicher und für die Aufarbeitung der Geschichte Bienens in späteren Jahrzehnten.

Josef Becker war auch in vielen Reeser Vereinen aktiv, darunter bei den Heimatfreunden Bienen-Grietherbusch-Grietherort und beim Reeser Geschichtsverein Ressa. Den Sportverein Blau-Weiß-Bienen hob er 1946 als Gründungsmitglied aus der Taufe.

Die Urnenbeisetzung findet am kommenden Samstag, 5. Oktober, um 9.30 Uhr auf dem Friedhof in Bienen statt. Danach beginnt der Trauergottesdienst in St. Cosmas und Damian.

(ms)