Halndern Pop: Ein weiterer Blick auf die Bands

Haldern Countdown: Ein weiterer Blick auf die Bands

In unserer Reihe blicken wir auf weitere Gruppen, die auf dem Haldern Pop auf der Bühne stehen werden.

Fabrizio Cammarata - Of Shadows

Wenn man aus der sizilianischen Stadt Palermo kommt, dann hat man naturgemäß nah am Wasser gebaut. Nicht nur geografisch, auch musikalisch passt dieser Spruch auf den Songwriter Fabrizio Cammarata, der mit „Of Shadows“ ein mitreißendes Songwriteralbum vorlegt. Bittersüß sind seine Melodien, sie triefen natürlich vor Schmelz und Kitsch, man kann sie sich gut zur akustischen Untermalung eines Liebesfilms vorstellen. Sie sind aber manchmal vertrackter als eine einfacher Radio-Songwriterebene. Cammarata weiß durchaus vielschichtig zu arrangieren. Die geistige Verwandtschaft zum irischen Songwriter Glen Hansard (The Frames) ist nicht zu leugnen: Hier wie dort singt mittelalter Mann von den Wirrnissen der Liebe und den Strategien, enttäuschte Liebe zu überwinden.

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Klingt nach: Glen Hansard, Paolo Nutini
Punkte: 4,5/5

Shortparis - Ma Soeur

Wer sich seine Ostblockklischees aufs Herrlichste erfüllen lassen möchte, der höre der Band Shortparis aus St. Petersburg zu. Auf ihrem Album „Ma Soeur“ (eigentlich in Kyrillisch geschrieben) hört man einen dunkel-morbiden Industrial-Dance-Punk, der an einem lichtfernen Ort zu tiefster Nacht erschaffen worden sein muss.

Die Beats hämmern, sie schneiden sich wie eine Sichel unters Fleisch. Das Keyboard kreischsägt vor sich hin.

Dazu gibt es einen opernhaften Gesang. Leicht zugänglich ist das Ganze nicht, aber wenn die Welt dereinst wider erwarten doch untergehen sollte, wollen wir dieses Album hiermit schon einmal als Soundtrack anmelden. Und wir möchten hiermit einen Platz auf der Tanzfläche reservieren.

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Klingt nach: Hope, Algiers
Punkte: 4 von 5

Tristan Brusch - Das Paradies

Man hatte befürchtet, dass der Schlager sein nächstes Revival auch in der Popkultur feiern würde, dass irgendein Sänger da draußen sich anschicken wird, die nächste Helene Fischer zu werden, jetzt wo Wolle Petry nicht mehr um den Titel mitspielen will. Der Musikersohn Tristan Brusch stammt aus Tübingen, hat früher bei den Orsons Musik gemacht und veröffentlicht mit „Das Paradies“ sein erstes Album. Irgendwo da draußen wird es natürlich Menschen geben, die das abfeiern, weil der Typ ja auch so ironisch ist und sowieso alles nur ein Spiel, weil dieses durchgeknallte Coverartwork in Flamingorosa ja ein Verweis darauf ist, dass Brusch tief im Herzen ein Indiemusiker ist. Mag alles sein. Wer seine Musik bei klarem Verstand hört, der kommt dennoch schnell zur Einsicht: „Das Paradies“ kann noch warten.

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Klingt wie: Dagobert, Helene Fischer
Punkte: 1 von 5

Jordan Mackampa - One And The Same

  • Rees : Fabrizio Cammarata in der Haldern Pop Bar

Seine Wurzeln hat der Brite Jordan Mackampa im Kongo, er lebt nun in Coventry.

Einige Singles zeugen von seinem musikalischen Talent, Soul und Folk werden bei ihm zu einer grundfröhlichen Popmusik ohne doppelten Boden, sondern hausgemacht und sehr ehrlich. Mackampa ist keiner dieser Glitzer-Neo-Soul-Artisten, die ihren Sound künstlich aufpimpen. Hier ist die Gitarre der treue Begleiter, und hey: Das reicht uns hier auch!

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Klingt nach: Michael Kiwanuka
Punkte: 4 von 5

Rolling Blackouts Coastal Fever - Hope Downs

Nicht alles, was mit Rolling beginnt, muss mit Steinen enden. Der Melbourne-Fünfer namens Rolling Blackouts Coastal Fever spielt mit „Hope Downs“ eine sonnige Surfpopplatte mit herrlichstem Jangle-Rock ein.

Das klingt voraussetzungslosen und federleicht, ohne die Bodenhaftung zu verlieren. Nicht selten wird man hier stimmlich an die seligen australischen Go Betweens erinnert, aber wenn man genau hinhört, dann meint man im Refrain eines Songs wie dem famosen „Talking Straight“ im Refrain einen Mick Jagger zu hören. Ansonsten gilt aber weiter der Einstiegssatz.

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Klingt nach: Go Betweens, R. E. M., Teenage Fanclub
Punkte: 5 von 5

Mario Batkovic - The Swallow

Mit einem so klischeebehafteten Instrument wie dem Akkordeon neue Musik erfunden zu haben, ist das Verdienst des bosnisch-schweizerischen Musikers Mario Batkovic.

Er bearbeitet sein Instrument mit einer solchen Leidenschaft, das man hier nicht mehr an klassische Akkordeonmusik denkt; er spielt es häufig wie eine Rhythmusmaschine. Auf „The Swallow“, ein Filmsoundtrack, wiederum kommen häufig die klassischen Facetten des Akkordeons zur Geltung. Romantik! Denn am Ende weiß auch Batkovic: Sein Akkordeon ist ein Sehnsuchtsinstrument.

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Klingt nach: Nils Frahm
Punkte: 4 von 5

(RP)