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Schwerpunkt Open Air: Haldern wieder einmal "merkwürdig anders"

Schwerpunkt Open Air : Haldern wieder einmal "merkwürdig anders"

Das Festivalmotto spiegelt sich auch in der Vielfalt der Musikrichtungen wieder, die auch diesmal das Open Air drei Tage lang prägte.

In vielerlei Hinsicht war das Haldern Pop auch ein Festival der Kollaboration und der Gegensätze. "Conor Oberst" wurde von "Dawes" musikalisch unterstützt, zeitweilig kamen auch noch die Schwestern von "First Aid Kit" auf die Hauptbühne. John Grant sorgte beim Auftritt von Patti Smith für Wolfsgeheul, die Streicher von "Stargaze" wirkten gleich an mehreren Projekten mit. Besonders deutlich wurden die musikalischen Kontraste im Spiegelzelt. "Hozier" brachten am Samstagnachmittag gute Laune, "Sun Kil Moon" bleischwere Verse für die Magengrube.

Haldern war schon immer der Platz für den ein oder anderen Blickfang, im Blickpunkt steht aber immer die Musik wie beim Auftritt von Fink (rechts). Foto: van Offern, Markus (mvo)

Freunde exklusiver Musikerlebnisse kamen im Tonstudio Keusgen auf ihre Kosten: "Carlos Cipa" und "Poppy Ackroyd" zauberten vornehmlich auf dem Piano ihre jeweils charakteristischen Klangwelten. Besonders charmant: Samantha Crain entschied sich für einen gänzlich akustischen Auftritt. Gebannt saßen die Menschen zu ihren Füßen und lauschten ihrer Stimme und ihrem Gitarrenspiel.

"Manu Delago Handmade" und "Nick Mulvey" überzeugten durch feines Gespür: Beide hätten die Menge zum Toben bringen können, erschufen stattdessen atemberaubende musikalische Momente.

Der strömende Regen sorgte Freitagnacht für einen Ansturm auf das schützende Spiegelzelt, was zu langen Schlangen am Eingang und Wartezeiten von rund zwei Stunden führte. Wer reinkam, erlebte die "Black Lips" in Bestform. Auf deren ungeschliffenen Rock folgten die Newcomer von "Ought". Der exzentrische Gesang des Frontmannes entzweite das Publikum, die ungewöhnliche Mischung aus Post-Punk und Krautrock bleibt aber in jedem Falle im Ohr. Allein schon, weil Frontmann Tim Beeler den Schlussvers "The Change. I Want It" gefühlte 100mal wiederholte.

Wie viel Spaß die Musiker selbst bei ihren Auftritten hatten, wurde beim Konzert der "Augustines" deutlich. Die harten US-Jungs hatten den vollen Breitwand-Sound ausgepackt und dem Platz gezeigt, wo der Gitarrenhammer hängt. Doch angesichts des frenetischen Jubels wurde dem Trio richtig warm ums Herz. Sänger Billy McCarthy hatte feuchte Augen, als die Menge gar nicht mehr zu singen aufhörte. Irgendwann überkam es ihn und er sprang von der Bühne, um so vielen Fans wie möglich die Hand zu schütteln. "Danke Haldern."

"The Acid" waren durch Lichtshow und klangliche Wucht ein echtes Erlebnis, die Musik des Elektro-Trios ist aber weitem nicht so avantgardistisch, wie sie oftmals angepriesen wird. Mit Mütze und blauem Pyjama sah Connan Mockasin aus wie Sandmännchen und schickte die Festivalgänger mit schrägen Grooves in die Nacht. Die Band okkupierte die Bühnelange und widmete sich dann dem Genuss von Wein und einem Bad in der Menge.

(RP)