Haldern Pop Festival 2018: Das sind die Besucher

Von Neulingen und alten Hasen: Das sind die Besucher von Haldern Pop 2018

Seit Donnerstag ist Haldern wieder der Sehnsuchtsort Tausender Musikliebhaber. Im Dorf treffen dabei Festival-Profis auf neugierige Anwohner aus der Region.

Donnerstag, 13 Uhr im Reeser Stadtteil Haldern. Rund 5000 Menschen leben sonst in dem kleinen Ort am Niederrhein, der für die kommenden drei Tage seine Einwohnerzahl mehr als verdoppelt. Musikliebhaber strömen auf das Festivalgelände am alten Reitplatz oder zu einem der zahlreichen Konzerte mitten im Dorf.

Für viele von ihnen begann der erste Festivaltag schon am frühen Morgen, denn um 8 Uhr wollten sie in Haldern sein. Pünktlich zur Öffnung des Zeltplatzes. Manche sind schon erfahrene Haldern-Besucher, andere sind das erste Mal hier. So wie Jacques aus Düsseldorf, der schon mit dem ersten Mittagsbier auf dem Zeltplatz sitzt. „Freunde von mir waren immer mal da und das Line-Up fand ich immer interessant“, sagt er. Da er dieses Jahr nur so drei, vier Bands wirklich kennt, fand er vor allem die Spotify-Playlist hilfreich, die die Veranstalter im Vorfeld des Festivals veröffentlicht hatten. So konnte er sich einen ersten Überblick verschaffen. Am meisten freut er sich jetzt auf Gisbert zu Knyphausen und Phoebe Bridges, die beide am Samstag auftreten.

Für Sandra aus Köln ist es erst ihr zweites Mal überhaupt auf einem Festival. „2010 war ich beim Appletree Garden“, sagt sie. Danach habe sich das einfach nicht mehr ergeben. Sie wurde erst kurzfristig von ihrer Freundin Katharina überzeugt, ist daher auch eher unvorbereitet angereist. „Ich glaube, musikalisch bin ich hier ganz gut aufgehoben“, sagt sie. Für Katharina ist es hingegen schon der dritte Besuch in Haldern. „Das ist mein Lieblingsfestival“, sagt sie. „Die Leute, die die Künstler aussuchen, wissen, was sie tun.“ Sie hat ihr Ticket schon gekauft, bevor die ersten Auftritte feststanden. Die Veranstalter besitzen bei ihr einen hohen Vertrauensvorschuss. Sie freut sich vor allem auf den Samstag: „Ariel Pink will ich unbedingt mal live sehen.“

Katharina, Jacques und Sandra (v.l.) auf
Katharina, Jacques und Sandra (v.l.) auf dem Campingplatz des Haldern Pop Festivals. Foto: Marc Latsch

Das Besondere am Haldern Pop Festival ist ja auch, dass sich alles nicht nur auf Wiesen fernab des Ortes abspielt. Nicht nur die Hauptbühne wird hier bespielt, sondern auch das katholisches Jugendheim und die ortseigene Kirche. Dort ist am Donnerstagnachmittag auch der Startschuss für die 35. Ausgabe des Festivals gefallen: Der Experimentalmusiker Claus van Bebber macht um 13 Uhr im Jugendheim den Anfang, um 14 Uhr eröffnete Tamino aus Belgien den Tag in der Kirche. Die große Bühne am alten Reitplatz wird hingegen erst ab dem späten Nachmittag bespielt. Dann, wenn die meisten Besucher die Anreise überstanden haben.

  • Bilder : Haldern Pop Festival 2018: So lief der erste Tag

Zur Kirche im Haldener Ortskern sind es vom Campingplatz rund 15 Minuten zu Fuß. An diesem ungewöhnlichen Ort finden an den ersten beiden Tagen viele Konzerte statt. Auch der britische Singer-Songwriter Jake Bugg tritt am Donnerstagabend dort auf. Vor der Kirchentür stehen David und Simone aus Bonn mit ihren drei Kindern und ketten ihren Bollerwagen an einem Baum fest. Sie wollen zum Konzert des Pianisten Chad Lawson. Auch sie sind bereits das dritte Mal hier. „Hier kann man einfach auch sehr gut mit der ganzen Familie hinfahren“, sagt Simone. Doch nicht nur das spreche für das Haldern Pop. „Die Veranstalter treffen auch unseren Musikgeschmack gut“, ergänzt sie. Ihre Höhepunkte sind der Donnerstags-Headliner Philipp Poisel, aber auch auf Gisbert von Knyphausen freuen sie sich.

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David und Simone aus Bonn mit ihren Kindern Jonas, Lisa und Jan (v.l.) Foto: Marc Latsch

Der Ort Haldern ist nicht nur Teil des Festivalgeländes, er ist auch eine Art Begegnungsstätte zwischen Festivalbesuchern und Menschen aus der Region. Gegenüber der Kirche ist ein Bierstand aufgebaut, hier sitzen bei gutem Wetter Halderner und Musikliebhaber zusammen. Marianne aus Emmerich ist auch gekommen, um sich das Treiben anzusehen. „Ich bin nach 35 Jahren das erste Mal da“, sagt sie. Die 69-Jährige hat kein Festivalticket, will nur ein wenig von der Stimmung aufsaugen. „Vielleicht komme ich ja im nächsten Jahr dann mit Karte wieder“, sagt sie.

Am Nachmittag bekommen die Halderner dann auch einen ersten Eindruck von richtigem Festival-Gefühl. Ein ordentlicher Regenschauer zieht durch den Ort und vertreibt die Menschen von ihren Bänken. Auf dem Zeltplatz wird es langsam schlammig. Ein sich in der Ferne ankündigendes Gewitter zieht aber vorbei. So können sich die Halderner und ihre Festivalgäste schon bald wieder in der Sonne trocknen – bei Bier und Musik.