Haldern Pop: Die Bands im Album-Check

Festival : Die Haldern-Pop-Bands im Album-Check

Redaktionsleiter Sebastian Peters hat sich die Alben der Festival-Bands angehört. Das ist sein Urteil:

Canshaker Pi - No Sack, No Way

Die niederländische Band Canshaker Pi klingt so verdammt nach der britischen Band Pavement, dass man denken könnte, Pavement-Mastermind Stephen Malkmus höchstselbst hätte hier als Produzent seine Finger im Spiel. Die Pointe: Tatsächlich ist Malkmus so vernarrt in die Band, dass er ihr aktuelles Album produzierte. Er prophezeit den Amsterdamern eine große Karriere im Rockbiz. Die verschrobenen Slackerhymnen wie „No Sack, No Way“ sind vielleicht etwas zu sehr verrückt, um Menschenmassen zu erreichen. Manchmal aber reicht es ja, wenn man Herrn Malkmus glücklich macht.

Klingt nach: Pavement
Punkte: 4/5
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Matteo Myderwyk - Verses

Traum-Musik spielt der niederländische Pianist Matteo Myderwyk auf seinem Debütalbum „Verses“. Der Sound: Als würde man einer Feder beim Fliegen im Wind zuschauen. Er hat die Songs im Concertgebouw Eindhoven in nur zwei Tagen aufgenommen, vieles wurde spontan improvisiert. Watteweich spielt er sein Instrument, das er erst mit 14 wirklich erlernte. Myderwyk, hier im Genre der Neoklassik unterwegs, ist ein Outlaw, der sich auf der Bühne im Old-School-Adidas-Shirt wohler fühlt als in der schnieken Garderobe.

Klingt nach: Olafur Arnalds
Punkte: 3/5
Facebookfans: -

Villagers - The Art Of Pretending

Sie sind der heimliche Headliner und Garant für eine berührende Performance. Die irische Band Villagers, das ist im Kern Songwriter Connan O‘Brien. Schlechte Liederkann er einfach nicht. Villagers machen musikalisch da weiter, wo Coldplay zu ihren besten „Yellow“-Zeiten waren. Leicht-luftige Popmusik mit einer Träne im Knopfloch ist das Metier der Dörfler. Welch grandiose Liveband da auftritt kann man auf dem jüngst erschienen Live-Album „Where Have You Been All My Life“ hören. Vom neuen Album ist bisher eine Single erschienen: „A Trick Of The Light“ hat schon wieder all die Qualitäten, die man bei den Villagers so schätzt. Ein komplexes Arrangement, fein austariert. Man sollte sparsam mit Gefühlen sein, wenn es um Musikkritik geht. Hier gilt: Lieblingsband!

Klingt nach: Coldplay
Punkte: ohne Wertung
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The Lytics - Glow (Single)

Kanadische Rapformation, ein Familiending. Die Band Lytics erinnert soundtechnisch an A Tribe Called Quest, The Roots oder De La Soul, was konsequent bedeutet: Hier ist der Rap keine Diamantenshow, sondern ein lebensfroher Zeitvertreib. Auf den einschlägigen Streamingportalen kann man aus dem neuen Album „Float On“ vorab den Track „Glow“ hören - und sich dabei erfreuen an dieser Sommer-Sonne-Sonnenschein-Musik.

Klingt nach: The Roots
Punkte: 4/5
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White Wine - Killer Brilliance

Joe Haege kennt der geneigte Musikkenner als Musiker der Bands The Dodos, Menomena und TU Fawning. Dunkler als unter dem Bandnamen Killer Brilliance hat er nie musiziert. Die Geschichte im Schnelldurchlauf: Auf Tour lernte er die Leipziger Musiker Christian Kuhr und Fritz Brückner kennen. Gemeinsam entschloss man sich, Songs aufzunehmen. „Killer Brilliance“ ist eine düstere Reise ins Nichts. Wenig Hoffnung klingt da durch, nicht selten ist da nur dieser stählerne Industrial, der gleichwohl von echten Instrumenten erzeugt wird. Nur selten dringen die Momente der Harmonie hier ans Tageslicht.

Klingt nach: Suicide, David Bowie
Punkte: 2,5/5
Facebookfans: 3839

Amyl and The Sniffers - Cup Of Destiny (Single)

Punkrock in seiner rotzigsten Variante spielen die Australier Amyl And The Sniffers. Die Single “Cup Of Destiny” bleibt pflichtbewusst deutlich unter der Drei-Minuten-Grenze, die Gitarren arbeiten mit Speed, Gesang gibt es nicht. Dafür wird ins Mikro geschimpft. Das ist herrlich anachronistische Musik und der Beweis dafür, dass die Retrowelle irgendwann jedes Genre erwischt.

Klingt nach: The Slits
Punkte: 3,5/5
Facebookfans: 9270

(sep )
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