Haldern Pop : Von Jeff Buckley bis Led Zeppelin

RP-Redaktionsleiter Sebastian Peters hat sich die Alben der Haldern-Pop-bands angehört. Das ist sein Urteil:

Tinpan Orange - Love is a dog

Allerlei Abgesänge hat man auf die gute alte Liebe schon gehört, den hier aber noch nicht: „Love is a dog“ lautet der Titel des Albums der australischen Band Tinpan Orange. Um in der Metaphorik zu bleiben, sollte man bedenken, dass der Hund ein treuer Geselle sein kann. Wie spannt man nun den kühnen Bogen zum australischen Trio? Am besten mit dem Hinweis, dass die sich auch auf ihrem vierten Album, 2016, treu bleiben. Frontfrau Emily Lubitz hat ein Stimmchen zum Dahinschmelzen. Satte Folksongs mit wunderbaren Streichpassagen hört man hier, im besten Sinne ist das ein Sixties-Sound. Und dann sollte man noch wissen, dass einer ihrer Songs als Werbekampagne für die U-Bahn von Melbourne eingesetzt wurde und so 140 Millionen Hörer fand.

Klingt nach: Dear Reader, She & Him Punkte: 4/5
Facebookfans: 11.500

Hannah Williams & The Affirmations - Late Nights & Heartbreaks

Wahrscheinlich war die echte Soulmusik nie tot; sie hat nur geschlummert, dort wo Musikkritiker jahrelang nicht nach Spuren der Existenz suchten. Seit ein paar Jahren erfreut sich ein bodenständiger Sixties-Soul wieder großer Beliebtheit; wohl auch deshalb, weil diese Musik live eine große Energie versprüht. Als eine Königin dieser Disziplin, müde Tanzbeine wieder munter zu machen, wird man die Britin Hannah Williams bezeichnen können. Ihre Spielart von Soul ist durchweg lebensbejahend, sie hat eine tolle Stimme, die hohe Höhen röhrend erreicht, in tiefe Tiefen herabzusteigen vermag. Sie covert sogar Led Zep mit „Dazed & Confused“ auf begeisternde Weise. Großer Spaß!

Klingt nach: Charles Bradley,
Sharon Jones
Punkte: 4,5/5
Facebookfans: keine Seite

Tamino - Habibi (EP)

Selten hat man im Genre Popmusik in jüngerer Zeit eine ergreifendere Stimme gehört als die des Belgiers Tamino. Seine familiären Wurzeln liegen in Ägypten, sein Name leitet sich ab aus dem Protagonisten aus Mozarts „Zauberflöte“ und der Titel der EP, „Habibi“, ist das arabische Wort für „Liebling“. Rau und zugleich tief emotional ist die Stimme von Tamino, sie dringt in jedem der vier Songs dieser EP nach vorne. Noch großartiger als der Titeltrack ist der Song „Indigo Nights“, mit einem sehr warmen Gitarrenspiel und einem dunklen Bass. Tolle Entdeckung!

Klingt nach: Jeff Buckley, S.Gainsbourg
Punkte: 5/5
Facebookfans: 18.708

The Inspector Cluzo - We The People Of The Soil

Zwei französische Biobauern, die Bassisten für die überflüssigsten Musiker überhaupt halten und ein großes Faible für den Hardrock von Bands wie Led Zeppelin haben - das Duo The Inspector Cluzo weiß auch auf dem neuen Album „We The People Of The Soil“ aus dem Rahmen zu fallen. Es ist akustischer ausgefallen als frühere Werke, mehr Soul und Funk steckt jetzt in de rMusik, seltener wird die Gitarre bis zum Anschlag aufgedreht. Im Kern klingt das aber immer noch herrlich nach einem aufgescheuchten Hahn auf einem großen Misthaufen, der wild flattert und gackert. Ein großes Vergnügen.

Klingt nach: Led Zeppelin,
Red Hot Chili Peppers
Punkte:4/5
Facebookfans: 80.500

Jake Bugg - Hearts That Strain

Der 1994 geborene Nottinghammer Jake Bugg galt einmal als der Typ, der in die Fußstapfen von Oasis treten könnte. Das war im Jahr 2012, Noel Gallagher nahm ihn mit auf Tour, doch Bugg wurde musikalisch in eine Zeit gepflanzt, in der britische Rockmusik an Bedeutung verlor. So ist es vielleicht zu erklären, dass der immer noch junge Kerl, 24, sich jetzt im Genre Country versucht. Er ging nach Nashville und produzierte mit Dan Auerbach ein Album, das im Regal neben den Eagles und Tom Petty ein angemessenes Plätzchen findet. Buggs Songs auf „Hearts That Strain“ sind nicht ohne Charme, das Duett mit Noah Cyrus (Ja, Mileys Schwester!) namens „Waiting“ ist gar lieblich, auf Dauer aber ist das einfach eine zu  seichte Sauce.

Klingt nach: Eagles
Punkte: 3,5/5
Facebookfans: 815.000

(sep)
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