Haldern Pop: Die Alben der Bands im Check

Festival : Unser Urteil zu den Alben der Festival-Bands

Redaktionsleiter Sebastian Peters hat sich die Alben der Bands angehört. Sein Urteil:

Marlon Williams - Make Way For Love
Jeder Musikfan wird beim Neuseeländer Marlon Williams für die erste Spontanassoziation nur fünf Sekunden benötigen: Elvis. Eine Stimme wie Pomade. Liebeskummerlieder hat er auf seinem Zweitwerk eingesungen, die Songs gelten einer Gegangenen, der Neuseeländerin Aldous Harding. Wenn die Trennung für was gut war, dann vielleicht für den Beginn einer großen Karriere, denn eine solche will man Williams nach dem Hören dieser Songs prophezeien. Die Songstrukturen sind manchmal bei Radiohead geborgt, gesanglich ist das eine Retroreise. Williams sang früher in einem Kirchenchor, das Sakrale schimmert auch in seiner gegenwärtigen Songkunst noch durch. Großartige Entdeckung.

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Klingt nach: Elvis, Tindersticks
Punkte: 5/5

Big Thief - Capacity
Diese Band aus Brooklyn hat mit „Capacity“ ein Album veröffentlicht, das viele Musikmagazine im letztes Jahr zu einem der besten des Jahres kürten. Das Genre Folk hat ja nach der x-ten Retrowelle gerade mal wieder Staub angesetzt, aber Big Thief blasen ihn noch mal weg. Adrianne Lenker heißt die Sängerin, die ersten vier Lebensjahre verbrachte sie in einer Sekte, zog dann von Stadt zu Stadt, um mit 16 die Bestimmung in der Musik zu finden. Das Debüt ihrer famosen Band nannte sie „Masterpiece“, das Zweitwerk ist nun wirklich ein solches Meisterwerk. Die Songs sind nie glatt, sondern haben Ecken, sie fräsen manchmal aus, sind aber immer höchst sublim. Man höre „Mythological Beauty“ und entdecke die Schönheit in Musik.

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Klingt nach: Azure Ray, Laura Marling
Punkte: 5/5

Rival Consoles - Persona

Um das Spannungsfeld von Eigen- und Fremdwahrnehmung geht es im neuen Werk von „Rival Consoles“.

Der Kopf dahinter ist der Technomusiker Ryan Lee West, der seinen Ambient-Sound oft mit Hilfe analoger Instrumente kreiert. In der Idee bezieht sich dieses Album auf den Ingmar-Bergmann-Filmklassiker “Persona”, in dem mit einem schärfer werdenden Bild immer deutlicher wird, dass es sich bei zwei Farbklecksen eigentlich um zwei Lampen handelt. Übertragen auf die Musik der Band „Rival Consoles“ heißt dies, dass die Konturen der Musik immer klarer werden, dass sich eine Idee langsam erzählt.

Das hier ist kein Bumms-Techno, sondern eine filigrane Übung in Meditation.

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Klingt nach: Burial, Nils Frahm
Punkte: 3,5/5

(sep)
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