Das Haldern-Pop-Festival 2018 startet in sein 35. Jahr

Das Pop-Festival am Niederrhein : Bühne vor Wald und Wiese – Haldern eben

Sie haben keine große Party vorbereitet, obwohl es halbrund wird: Ein einfacher 35. Geburtstag soll es werden, so wie alle Veranstaltungen in den Jahren zuvor. Das Haldern-Pop-Festival – vom 9. bis 11. August – hat sich schon immer dadurch ausgezeichnet, Aufsehen eher durch die Qualität der Musik erregen als durch Über-Selbst-Inszenierung.

Vielleicht ist das der größte Unterschied zum neuen Parookaville-Festival in Weeze, eine Elektromusik-Veranstaltung vorwiegend für die Kulisse? In Haldern bietet sich den Besuchern das stets gleiche Szenario: Band vor Wald und Wiese. Manchmal werden daraus magische Momente. Das Motto 2018 lautet konsequent: „Be true, not better“ („Sei ehrlich, nicht besser“).

Zur Wahrheit gehört: Der Ruhm eines Festivals, auch der von Haldern Pop, kann vergänglich sein. Viele Stars haben die Bühne auf dem alten Reitplatz in früheren Jahren betreten: Patti Smith, Paul Weller und Bob Geldof. Von diesem Format gibt es Künstler jetzt nur noch selten in Haldern zu sehen – auch aus Kostengründen. Konsequent wurden die Karten nicht mehr so rasant verkauft wie in den vergangenen Jahren. Zur Wahrheit gehört auch dies: Es gibt mittlerweile viele Festivals der Art von Haldern auch in Deutschland. Das Apple Tree Garden bei Diepholz, das Best Kept Secret-Festival in den Niederlanden, und selbst das Traumzeit-Festival in Duisburg fischt musikalisch im selben Terrain, hat aber neuerdings sogar die spektakuläreren Namen.

Haldern Pop 2018: Hier findet das Festival statt

Haldern-Pop hingegen wird zunehmend eine Spielwiese für Entdecker. Dahinter steckt, wenn man Organisator Stefan Reichmann glaubt, ein Konzept. „Mein Antrieb ist, ein generations- und genreübergreifendes Festival zu machen.“ Seine Idee geht immer weiter in die Richtung eines Spezialistenfestivals – er fordert damit dem Publikum eine Menge ab. Immer öfter kommen Bands an den Niederrhein, die die Grenze von Pop sprengen: Das Ensemble Wood River aus den USA spielt ausgefallenen Jazz, der niederländische Pianist Matteo Myderwyk erzeugt auf seinem Piano federleichte Klassik und Seun Kuti, Sohn von Afrobeat-Legende Fela Kuti, kommt mit einer wütenden Weltmusik. Dazu gibt es Deutschpunkt von Love A, HipHop von The Lytics und sogar Schlager in Person des Künstlers Tristan Brusch. Knapp 80 Bands kommen nach Haldern. Die bekanntesten Namen sind Villagers, Sleaford Mods, Kettcar, Philipp Poisel und Jake Bugg. Bei denen weiß man, was man bekommt.

Spannender sind aber immer die Geheimfavoriten. Zu denen darf man die HipHop-Künstlerin Sampa The Great zählen, den Freakpop von Landlady oder den trockenen Rock der amerikanischen Band Protomartyr. Auch die können das erzeugen, was Reichmann sich für sein Festival wünscht: Konsensmomente.

Am Ende wird es so sein wie in den vergangenen 35 Jahren in Haldern – es wird Konzerte geben, die bleiben in Erinnerung. Das Publikum kann einen aktiven Part zum Gelingen beitragen. Der rundeste Geburtstag kann nämlich unrund geraten, wenn die Gäste nicht mitspielen. Reichmann sagt: „Die Leute wissen oft gar nicht, dass sie an einem guten Konzert zu einem wesentlichen Teil selbst beteiligt sind. Ein gutes Konzert hat auch mit einer Einstellung zu tun.“

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