Haldern Pop: Das sind die Bands 2018

Haldern Countdown : Der Sound des Haldern Pop

Fast 80 Bands spielen auf dem beliebten Musik-Festival vom 9. bis 11. August. Wir stellen eine Auswahl vor.

Gisbert zu Knyphausen - Das Licht dieser Welt

“Tief in Dir brennt ein Licht, das Du nicht zu fassen bekommst.” Der Songwriter Gisbert zu Knyphausen war schon immer ein König der Disziplin, mit Liedern Hoffnung für dunkle Momente zu spenden. So etwa im eröffnenden Song “Niemand” seines dritten Albums seit dem Debüt 2008.

Jeder seiner Songs scheint am Ende so etwas wie die Botschaft zu transportieren, dass da Licht am Ende des Tunnelsflackert. Das Leben hatte diesen Gisbert zu Knyphausen zuletzt ja durchaus miese ausgetrickst - etwa da, als er mit Nils Koppruch (Fink) diese tolle Band Kid Kopphausen gegründet hatte, dann aber Koppruch überraschend aus dem Leben schied. Von diesem Drama scheinen auch die Songs auf “Das Licht dieser Welt” geprägt zu sein. Anders als auf früheren Alben ist das nicht mehr nur Songwriter-Gitarren-Pop. Knyphausen traut sich auch an den Jazz heran (“Cigarettes & Citylights”), er spielt eine Eric-Satie-Gedächtnisetüde (“Carla Bruni”) und er inszeniert seine Songs immer wieder hübsch mit Blasinstrumenten. Der schönste Song ist natürlich das Titellied “Das Licht dieser Welt”, eines jener Lieder, zu dem man die Welt umarmen und in allen Sprachen rufen möchte: Alles wird gut. Wer zweifelt, höre diese Musik!

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Klingt nach: Nils Koppruch, Kid Kopphausen, Niels Frevert
Punkte: 4/5

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Nils Frahm - All Melody

Alles Melodie: Auf diesen Nukleus lassen sich die famosen Songs des Neo-Klassik-Pioniers Nils Frahm reduzieren. Er schafft in einem so sperrigen Genre wie der elektronischen Klassik größtmöglichen Zugang, weil es am Ende die ach so profane Melodie ist, die hängenbleibt. Wenn man genauer hinhört, dann meint man doch eine gewisse Inhomogenität zu entdecken: Tatsächlich sind diese Songs nicht komprimiert in einer Schaffensphase entstanden, sondern sie lagen sozusagen auf dem Weg, sind diesem Album zugeflogen. Es sind wunderbar warme Technoperlen wie das bärenstarke „Sunson“ darunter, auch der Titeltrack „All Melody“, der als Minimal Music beginnt und wie ein Dance-Track endet, reißt mit. Nils Frahm hat mit „All Melody“ sein Meisterwerk geschaffen.

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Klingt nach: Peter Broderick
Punkte: 5/5
 

Astronautalis - Cut The Body Lose

Als Beck Hansen der Rapmusik wird der amerikanische Rapper Charles Andrew Bothwell manchmal bezeichnet, weil sein musikalischer Ansatz der ist, eine Vielzahl von Stilen zu umarmen. Schwitzende Elektronik, dampfender Blues und bisweilen auch Indierock - der Mann aus Jacksonville/Florida beherrscht eine Vielzahl von Spielarten und schafft es hier, ein Rap-Pendant zum Südstaatenrock zu basteln. Es geht hier nicht um Goldkettchen, Blingbling und die tiefergelegteste Karre. Der Gestus reicht von Aggression bis Wut - die Instrumentierung - Piano, Bläser - schafft es aber immer wieder, den Rapper einzufangen.

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Klingt wie: Eminem, Vince Staples
Punkte: 4,5/5

Lewsberg - Non-Fictional Writer

Als Rotterdamer Version von Velvet Underground wird die Band Lewsberg gerne bezeichnet. Spuren von Tindersticks, Pavement und Belle & Sebastian kann man hier entdecken. Hier wird ganz nonchalant und unprätentiös musiziert, es steckt kein großes Konstrukt, keine Idee dahinter. Angenehm schluffig und amateurhaft ist diese Musik, die gerade durch die Unperfektion an Charme gewinnt. Lewsberg werden damit nicht an die großen Pop-Blumentöpfe kommen. Aber manchmal kann ja auch schon eine kleine Wildblumen am Straßenrand eine Liebe auslösen.

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Klingt nach: Tindersticks, Pavement
Punkte: 4/5

Housewives - FF061116

Wir melden hiermit offiziell das Patent für den Begriff „Hard Listening“ an - als Pendant zum Easy Listening, jener fluffig-leichten Spielart des Pop. Als „Hard Listening“ muss man das bezeichnen, was das Londoner Quartett Housewives auf dem Album „FF061116“ im wahren Wortsinn fabriziert. Ein Sound zwischen den Polen Industrial und Jazz, eine Herausforderung für das Ohr, es geht den Künstlern hier wirklich eher um Soundstruktur als Musik. Zum nebenbei hören ist das nun wirklich nichts. Aber wann überhaupt soll man das hören? Und nein: Wir sparen uns hier jeden Wortwitz mit dem Begriff „Desperate Housewives“.

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Klingt nach: Joy Division
Punkte: 3/5

(RP)
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