Haldern Pop bleibt Haldern Pop

Festival : Haldern Pop bleibt Haldern Pop

Musik-Festivals geraten immer mehr unter Druck. Den nehmen auch die Organisatoren des Halderner Open Airs wahr. Ihre Linie, unbekannten Bands eine Bühne zu bieten, sehen sie auch als Chance.

Die Zeiten, in denen Musik-Festivals binnen weniger Tage oder sogar Stunden ausverkauft waren, sind offenbar vorbei. Ein immer größer werdendes Angebot, hohe Eintrittspreise und vor allem ein sich änderndes Konsumverhalten setzen viele Veranstalter unter Druck.

Dass der Markt gesättigt ist und die Zeiten härter werden, nehmen auch die Organisatoren des Halderner Open Airs wahr. Anders als in den letzten Jahrzehnten ist das Festival 2019 noch nicht ausverkauft.

Stefan Reichmann, Spiritus rector des Haldern Pop, bereitet das jedoch keine Sorgen. Er hat keinen Zweifel daran, dass sich die letzten Restkarten bis zum Festival (8. bis 10. August) schon noch an den Mann und die Frau bringen lassen. Vor allem aber sieht er sich in seiner Auffassung bestätigt, dass das Festival im Lindendorf den roten Faden weiter festhalten muss, den es bereits vor Jahrzehnten aufgenommen hat. „Wir müssen weiter Nachwuchsbands fördern“, sagt Reichmann, der die Festival-Szene mit dem Fußball-Geschäft vergleicht: „Es gibt Vereine, die sich große Namen kaufen und andere, die auf die Jugend setzen.“

Das Festival immer größer werden zu lassen, es mit erfolgreichen Bands zu spicken und es wie einen Rummelplatz zu vermarkten — so wie es viele andere Veranstalter vorexerzieren — kommt für Reichmann nicht infrage. Haldern Pop soll Haldern Pop bleiben — das Open Air, getragen vom Dorf, und eine Bühne für junge Bands, die eine vielleicht große Zukunft noch vor sich haben. Beispiele aus der Vergangenheit gibt es dafür viele. Namen wie „Muse“, „Keane“ oder „Kings Of Leon“ fallen einem dazu ein.

Die eigentliche Talentschmiede des Halderner Open Airs befindet sich nur wenige Kilometer entfernt vom alten Reitplatz. Seit mittlerweile zehn Jahren ist die Haldern Pop Bar ein Hot Spot für Musikfreunde, die neue und aufregende Bands entdecken wollen. Das hat sich auch im Ausland herum gesprochen. „Es gibt einige Agenturen aus England, die ihre Künstler hier auftreten lassen wollen“, berichtet Reichmann.

Die Macher des Haldern Pop können so aus einem großen Fundus für ihr Festival schöpfen. Und so verwundert es nicht, dass etliche Musiker, die noch vor wenigen Monaten vor kleinem Publikum in der alten Koopmann-Kneipe an der Lindenstraße auftraten, im August auf einer deutlich größeren Bühne ihr Haldern-Comeback geben.

„Alex The Astronaut“ gehört etwa dazu, eine junge Australierin, die nur mit ihrer Gitarre und glasklarer Stimme zu hören sein wird. Ein Auftritt, der noch vielen Pop-Bar-Besuchern im Gedächtnis geblieben sein dürfte, ist der von Rayland Baxter. Der Mann aus Nashville könnte mit seinen vom Blues getriebenen Songs auch aus den 1970er Jahren stammen. Und Haldern Pop wäre nicht Haldern Pop, wenn es nicht auch den Mut zu krassen Gegensätzen geben würde. „Alyona Alyona“ etwa ist eine Rapperin aus der Ukraine, „Haiku Hands“ aus Australien steht für tanzbaren Elektronikpop, während „Puts Marie“, eine bei Haldern Pop-Records unter Vertrag stehende Band aus der Schweiz, eher eine härtere Gangart an den Tag legt.

All das wird sich im Spiegelzelt abspielen, aber auch auf der Hauptbühne werden Musiker zu finden sein, die in Haldern keine Unbekannten sind: die „Idles“, Sophie Hunger, Michael Kiwanuka, „Father John Misty“ oder Patrick Watson, der mit einem Chor auftreten wird, gehören dazu. Auch viel Neues wird geboten. Etwa die Newcomer der Stunde, „Fontaines DC“, ein erfrischend wildes Sextett aus Irland.

Auch wenn ein richtig großer Name fehlt, ist Stefan Reichmann mit dem jetzt fast komplett feststehenden Programm zufrieden: „Ich freue mich wirklich sehr auf dieses Festival“, sagt er — und das kann man ihm durchaus abnehmen.

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