Haldern Pop 2019: So war der erste Festival-Tag

Festival am Niederrhein : So lief der erste Tag beim Haldern Pop

Der von viel Sonne begleitete Start des Festivals sorgte für den üblichen, gut gelaunten Ausnahmezustand im Ort. Von Beginn an konnten die ersten Bands überzeugen, Gänsehaut gab’s in der Kirche.

Hinsichtlich des Festivalplakats wirkt das Haldern Pop in diesem Jahr wie der strebsame Klassenprimus, der lauthals sein schlechtes Abschneiden beteuert und dann doch wieder die Eins bei der Klassenarbeit einfährt: Das Line-Up ist rot umkringelt und mit einem Fragezeichen versehen, darunter prangt die Zensur „ausreichend +“. Wenngleich der ganz schnelle Ausverkauf der Tickets in diesem Jahr ausblieb, ist die Selbstbenotung der Raum3 Konzertveranstaltungs GmbH (durch die fiktive „Fachschule für Popkultur“) sicher unzutreffend. Denn noch am Montag konnte man über die sozialen Netzwerke bekanntgeben, dass die 36. Ausgabe des Haldern Pop Festivals gänzlich ausverkauft ist.

Das freut sicher auch die 518 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des niederrheinischen Pop-Spektakels, die sich als Stagehands engagieren, Bierbecher spülen, am „Pop Kiosk“ „Datt Blatt“ verteilen und in zahlreichen weiteren Positionen das „Halderner“ zu einem der sympathischsten Festivals der Welt machen.

Einen recht entspannten Job hatte René Tangelder, bekannt als „Renate Colgate“ oder „Perti Beckenpower“. Bier schlürfend begrüßte er von seinem imposanten Schimmel die Gäste an der Pop Bar und gab ein Gedicht zum Besten. Es sieht wohl so aus, als dürfte der lokale Barde seine Ankündigung aus dem dritten Festivaltrailer wahr machen. Dementsprechend darf das Publikum am Samstagabend nicht nur Auftritte von hochkarätigen Acts wie „Khruangbin“ oder Michael Kiwanuka erwarten, sondern auch die Operettendarbietung eines in einen gelben Sack gehüllten Heeldeners.

In der Kirche hingegen wurde kein Schabernack getrieben: Heiner Frosts Orchester „opus m“ eröffnete mit Werken von Bach und Schostakowitsch, gefolgt von der Komposition „14 Tage im Mai“. Die Kirche hat sich in den vergangenen Jahren als exzellente Bühne für all jene Künstler erwiesen, die in einem reduzierten, akustischen Setting brillieren. Sowohl Jeremy Dutcher als auch Kirill Richter erwiesen sich als echte Volltreffer. Ersterer begleitete sich selber am Flügel und sorgte mit seiner stimmgewaltigen Darbietung für Gänsehaut.

Schon früh waren die Plätze vor den Bühnen gut besetzt. Foto: Klaus-Dieter Stade (kds)

Kirill Richter machte im Anschluss seinem Vornamen alle Ehre und schickte einen akustischen Sturm durch die randvolle Kirche. Die Titelmusik für die WM 2018 war bei ihm in guten Händen, wie der Pianist durch sein beeindruckendes Spiel bewies. Bemerkenswert war auch der Andrang am Jugendheim, wo ausgefuchste Rock-Acts wie „Sea Girls“ und „Kikagaku Moyo“ staunen ließen. Derweil wuchs die Spannung auf interessante Bookings wie „Kadavar“. Im Gegensatz zu routinierten Haldern-Bands wie den „Giant Rooks“ spielt die Berliner Band zum ersten Mal im Lindendorf. Der rifflastige Hard Rock wirkt mit seinen deutlichen Anleihen an klassische Gruppen wie Black Sabbath und Led Zeppelin fast zu heavy fürs Halderner, das prinzipiell eher für ein folklastiges Line Up bekannt ist. Doch dem Spaßfaktor sind solche Ausreißer eher zuträglich.

Wenn indianische Gesänge gut ankommen, funktioniert wohl auch der ukrainische Rap von „Alyona Alyona“.

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