Emmerich: Haft für Bewährungsversager

Emmerich : Haft für Bewährungsversager

23-Jähriger Emmericher muss für neun Monate hinter Gitter. Er soll den Mann seiner Ex-Frau mit einem Messer bedroht und geschlagen haben.

Vahid Ö. kauerte auf dem Flurbänkchen vor Gerichtssaal Nummer 17. Die Ellbogen auf die Oberschenkel gestützt, den Kopf mit leerem Gesichtsblick zwischen die Hände gepresst. Eigentlich sollte der 23-jährige Emmericher heute seine Ausbildung zum Metallbauer antreten. Sein Leben schien nach mehreren Delikten und einer 33-monatigen Jugendstrafe auf Bewährung in eine bessere Bahn zu gleiten. Doch die Vergangenheit holte Ö. ein. Vor dem Amtsgericht kassierte der Bewährungsversager wegen Körperverletzung und unerlaubten Waffenbesitzes eine Freiheitsstrafe von neun Monaten.

Am 13. April, knapp drei Monate vor dem Ende seiner Bewährungsstrafe, soll er gegen 0.45 Uhr an der Goldstege mit Gerome S. aneinandergeraten sein. Ein Grund des Zwistes: Beide Personen waren schon mit derselben Frau verheiratet! "Erst hat er mich mit einem Klappmesser bedroht, was er wieder wegsteckte", sagte S. aus, "dann hat er mich mit der Faust auf die rechte Wange geschlagen und so zu Boden gestreckt." Danach soll Ö. noch zweimal gegen den Oberschenkel des 24-jährigen Postzustellfahrers getreten haben. So hatte es jedenfalls ein Zeuge aus seinem Fenster gesehen, nachdem der wegen des Tumults auf der Straße aufmerksam geworden war.

Im Krankenhaus wurden bei S. diverse Prellungen und Schürfwunden diagnostiziert. "Als ich mit S. in der Nacht gesprochen habe, war er perplex, wusste nicht so richtig, was vorgefallen war", erklärte der Zeuge. Der wohl vor Gericht den Täter nicht als solchen identifizieren konnte.

Der Beklagte, der in der Vergangenheit auch schon mit Cannabis-Konsum erwischt worden war, räumte zwar den illegalen Waffenbesitz ein. Stritt die Gewalttat aber ebenso ab wie den Vorwurf, dem Kläger das Mobiltelefon entwendet zu haben: "Er und seine Frau wissen, dass ich auf Bewährung draußen bin. Die versuchen, mich hinter Gitter zu bringen."

Richterin Dr. Christiane Schmitz stufte die Angaben von Opfer und Zeuge als glaubhaft ein, folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft und verhängte eine Freiheitsstrafe von neun Monaten. Gründe: "Sie sind mehrmals vorbestraft und bieten aufgrund der brutalen Tat ein erhebliches Gewaltpotenzial."

(miry)